Umbaumaßnahme

Bahnhof Halle (Saale): Neuer Bahnsteig bringt neuen Stress für Pendler

Halle (Saale) - Ein neuer Bahnsteig am Hauptbahnhof Halle ist fertig. Doch statt den Fahrgästen kürzere Distanzen zu bescheren, müssen die nun beim Umstieg weitere Wege gehen.

Von Michael Falgowski 28.10.2016, 19:21

Halles Bahnhof hat einen neuen Bahnsteig: Nummer 13a. An der neuen Plattform auf der Ostseite des Hauptbahnhofs hält ab Anfang Dezember die S 7, die nach Nietleben pendelt, später kommt die Regionalbahn nach Merseburg und Naumburg hinzu.

Der Interimsbahnsteig kostet 1,2 Millionen Euro, in drei Jahren bereits soll er wieder abgerissen werden. Mit dem zusätzlichen Außenbahnsteig sollen zwar Verspätungen im Nahverkehr minimiert werden, einige Fahrgäste müssen sich aber auf weitere Beschwerlichkeiten im Zugverkehr auf der Dauerbaustelle Hauptbahnhof Halle einstellen.

Zugang zum neuen Bahnsteig am Hauptbahnhof Halle von Delitzscher Straße

Denn die Notlösung befindet sich am äußersten Rand, unmittelbar neben den derzeit komplett gesperrten sechs Bahnsteigen der Ostseite. Damit ist der Interimsbahnsteig so weit entfernt vom jetzigen S-Bahn-Bahnsteig 1/2 wie überhaupt möglich. Immerhin eine Viertelstunde Umsteigezeit ist dafür im neuen Fahrplan beantragt!

Für die Fahrgäste der S-Bahn aus und in Richtung Nietleben bedeutet der neue Halt jedenfalls einen Fuß- und Umweg. Denn sie müssen für die Dauer eines Jahres etwa 100 Meter bis zur Straßenbahnhaltestelle Hauptbahnhof und den dortigen Bahnsteig-Zugängen im Westen sowie rund 180 Meter bis in die Bahnhofshalle laufen.

Denn der neue Bahnsteig aus Betonfertigteilen, der mit Wetterschutzhaus, Beleuchtung, Fahrkartenautomat und Fahrgastinformation ausgestattet wird, ist wegen der Bauarbeiten nur von der Delitzscher Straße aus erreichbar. In den letzten Tagen wurden auf dem Fußweg unter den Brücken die Fundamente für einen Treppenturm gegossen.

Kein Aufzug am neuen Bahnsteig am Hauptbahnhof Halle vorhanden

Ein weiteres Problem dabei: Einen Aufzug gibt es nicht. Ein Jahr lang können deshalb Fahrgäste im Rollstuhl nicht zu diesem Zug gelangen. Auch Räder oder schweres Gepäck müssen den Treppenturm an der Delitzscher Straße hinaufgewuchtet werden.

Am 5. Dezember 4 Uhr soll die erste S7 am Interimsbahnsteig, später die Regionalbahn folgen - für eine unbestimmte Zeit. Die Bahn rechnet mit etwa 1.500 betroffenen Fahrgästen täglich.

Der Bau des Interimsbahnsteigs ist eine Maßnahme der Deutschen Bahn, um die Verspätungen im Nahverkehr besser in den Griff zu bekommen. Denn wegen der 750 Millionen Euro teueren Modernisierung des halleschen Eisenbahnknotens bis 2019 steht nur die Hälfte aller halleschen Bahnsteige zur Verfügung und es kommt immer wieder zu häufigen Verspätungen, gerade im Mitteldeutschen S-Bahn-Netz.

Denn Regional- und Fernzüge haben im Bahnhof immer Vorfahrt. Mit dem Behelfsbahnsteig wird nun die Westseite entlastet, in dem die S7 herausgenommen und stattdessen auf das eigentliche Gütergleis im Osten verlegt wird.

Ende nächsten Jahres wird der Treppenturm an der Delitzscher Straße übrigens bereits zurückgebaut. Bis 2019 erfolgt der Zugang über die dann neuen Bahnsteige 12/13 und den neuen Personentunnel Ost - barrierefrei. (mz)