Aus für Sternenwarte in Halle

Aus für Sternenwarte in Halle: Wann der Abriss des Planetariums beginnen soll

Halle (Saale) - Nun ist es amtlich: Am 27. November sollen die Abrissarbeiten an der Sternenwarte auf der Peißnitz beginnen. Doch das ist ein gefährliches Unterfangen.

Von Silvia Zöller
Das Planetarium auf der Peißnitz wird bald abgerissen.

Sollen Teile aufgehoben werden? Kann es nicht doch saniert werden? Oder einfach so stehen bleiben? Nein: Das Planetarium wird nun definitiv angerissen. Der Beginn des Rückbaus ist zum 27. November geplant, informiert die Stadtverwaltung. Damit verschwindet eines des Wahrzeichen der Stadt. Und das nicht ohne Probleme.

Denn Voruntersuchungen haben ergeben, dass sich in dem Gebäude gesundheitsschädliche Stoffe befinden. „Laut Gutachten ist der mineralfaserförmige Dämmstoff Kamilit im Gebäude gefunden worden, der als krebserregend gilt“, so Judith Marquardt, Beigeordnete für Kultur und Sport. Deswegen sei in der Ausschreibung der Abrissarbeiten auch auf die geltenden Regelungen zum Gesundheits- und Arbeitsschutz hingewiesen worden.

Vergabeverfahren zum Abriss ist noch nicht abgeschlossen

Allerdings: Das Vergabeverfahren zum Abriss ist noch nicht abgeschlossen, das heißt: Noch hat nach Angaben der Stadt keine Baufirma den Zuschlag erhalten. Aus diesem Grund gibt es auch noch keine Angaben, was der Abriss nun genau kosten wird. Geschätzt werden rund 300.000 Euro, die jedoch aus Fluthilfemitteln gezahlt werden.

Fest steht jedoch, wie es weiter geht in Sachen Planetarium: Ab Frühjahr 2018 soll auf dem Holzplatz Baustart für das neue Planetarium sein, so Marquardt. Das neue Planetarium, da in der Hülle des alten Gasometers entstehen soll, wird rund 14 Millionen Euro kosten. Im Plan stehen eine Sternenkuppel mit 110 Sitzplätzen, eine Bibliothek, Büros und Unterrichtsräume sowie eine Cafeteria.

Planetarium auf der Peißnitz vom Hochwasser 2013 schwer beschädigt

Die Gelder kommen ebenfalls aus dem Fluthilfefonds - denn das alte Planetarium auf der Peißnitz wurde vom Hochwasser 2013 so schwer beschädigt, dass es als wirtschaftlicher Totalschaden gilt. Daneben gibt es auch Sponsoren, so den MZ-Verein „Wir helfen“, der sich sich mit 150.000 Euro aus Fluthilfe-Spenden an den Kosten für die Inneneinrichtung beteiligt, die von der Fluthilfe der Bundesregierung nicht getragen werden.

Nach zweijähriger Bauzeit wurde das Planetarium „Sigmund Jähn“ am 10. November 1978 auf der Peißnitz eingeweiht. Benannt wurde es nach dem ersten Deutschen, der im Weltraum war: Sigmund Jähn, Militärwissenschaftler, Jagdflieger und Kosmonaut aus dem Vogtland, war im August 1978 für zusammen mit russischen Astronauten in der einer Sojus zur Raumstation Saljut geflogen. Nach seiner Rückkehr wurde er als Held gefeiert.
In dem Planetarium wurde Innovatives verbaut und eingebaut: Zum einen ist der Rundbau mit den „HP-Schalen“ des halleschen Ingenieurs und Architekten Herbert Müller als Dachbedeckung einzigartig und wurde deshalb 2015 zum Kulturdenkmal erhoben. Zum anderen wurde bereits damals ein neuartiger Projektor der Zeiss-Werke in Jena eingebaut, der in Halle als Referenzobjekt einen besonderen Status hatte.
Hochwasser beschädigten das Planetarium mehrmals: 2003 zerstörte das Hochwasser die Heizung, 2010 stand das Wasser im Kuppelsaal, 2011 ebenso. 2013 folgte der Totalschaden.

Das neue Planetarium ist in anderen Dimensionen geplant als das alte: In einer Zwölf-Meter-Kuppel, die nicht auf das Dach, sondern im Erdgeschoss eingebaut werden soll, wird ein hypermodernen Projektor aus dem Haus Zeiss Sternenbilder an den Himmel werfen. Die 110 Stühle im Saal werden leicht demontierbar sein, so dass der städtische Raum auch für andere Veranstaltungen genutzt werden kann. Im Obergeschoss über der Kuppel sind ein Vortragsraum für etwa 80 Personen, ein Unterrichtsraum, eine Bibliothek, Büroräume mit einem Besprechungsraum sowie Toiletten geplant.

Große Beobachtungsterrasse und ein kleines Observatorium

Auf dem Dach des Gasometers entsteht eine große Beobachtungsterrasse und ein kleines Observatorium mit Teleskop. Was jedoch noch nicht feststeht: Wer das Planetarium leiten soll. Die Stadt hat die Stelle ausgeschrieben. „Das Verfahren zur Besetzung der Stelle ist noch nicht abgeschlossen“, so Judith Marquardt. Jedoch bleibt dafür noch jede Menge Zeit, denn das neue Planetarium wird erst 2019 eröffnen.

Bis dahin müssen Sternengucker entweder nach Merseburg fahren, wo das Planetarium mehrmals die Woche zu Veranstaltungen einlädt. Oder nach Kanena, wo ein Verein die historische astronomische Station „J. Kepler“ betreibt.

››Mehr Infos: www.kanena.de; www.planetarium-merseburg.de (mz)