Turnier mit Inklusion in Gräfenhainichen

Turnier mit Inklusion in Gräfenhainichen: Bunt gemixt zum Erfolg

Gräfenhainichen - Beim Turnier bilden Sportler des VfB Gräfenhainichen Gymnasiasten, Förderschüler und Werkstattmitarbeiter gemeinsam die Teams. Ergebnisse werden so zweitrangig.

Von Ulf Rostalsky 05.05.2018, 13:25

Wenn Deutschland und Frankreich um Punkte kämpfen, England mit einem Remis hadert und Brasilianer mit dem Ball zaubern, muss Großes ins Haus stehen. Die Fußball-Weltmeisterschaft zum Beispiel. Erstaunlich, dass Ergebnisse dennoch nicht die entscheidende Sache sind.

„Klar wollen wir gewinnen. Wir reden auch viel miteinander, lassen den Ball laufen“, sagt Patrick Schröter. Am Ende ist der junge Mann aber wie alle anderen Kicker ein Gewinner. Die Medaille um den Hals ist ein Beleg dafür. Schröter spielte Fußball. So wie seine Kollegen aus der Werkstatt für behinderte Menschen, Schüler der Peter-Petersen-Schule, des Paul-Gerhardt-Gymnasiums und der Ferropolisschule, Vertreter des Bildungsträgers Abasys aus Bitterfeld und des Wittenberger Augustinuswerks. Allesamt gingen beim so genannten Inklusionsturnier an den Start.

Das hatte der VfB Gräfenhainichen ins Leben gerufen. „Wir wollen uns dem Thema Inklusion auf unkomplizierte Art nähern, Vorurteile abbauen“, sagt VfB-Präsidentin Cornelia Kuhnert. Die Idee der Heidestädter scheint simpel. Menschen mit und ohne Handicap spielen Fußball: nicht gegeneinander, vielmehr miteinander. Was so einfach klingt, ist allerdings eine Herausforderung. „Das fängt bei den Transporten zum Wettkampfort an und ist mit der Verpflegung längst nicht abgeschlossen“, ist Dirk Overbeck überzeugt.

Der Bennstedter ist Inklusionsbeauftragter des sachsen-anhaltischen Fußballverbandes. „Ich halte auch und gerade beim Thema Inklusion nichts von Aktionismus.“ Overbeck bricht eine Lanze für langlebige und originelle Projekte. Er ist angetan von den Ideen der Gräfenhainichener.

Ines Schmidt ist Übungsleiterin im VfB. Sie hat sich vor den Karren gespannt, nachgedacht und schnell Nägel mit Köpfen gemacht. „Die Teilnahme am normalen Training ist für viele Schüler ein Problem“, sagt sie geradeheraus. Behinderung sei nicht einmal die größte Hürde. „Sehr viele müssen weite Wege in Kauf nehmen. Für sie ist die Anfahrt zum Training eine zusätzliche Belastung.“ Die Heidestädterin fand Gefallen an der Idee eines gemeinsamen Fußballturniers. Sie weiß, dass Sport Brücken baut. „Die Leute reden schnell miteinander.“

Turnier ja, gegeneinander spielen nein. Das war die Vorgabe in Gräfenhainichen. Zwar entsprach die Zahl der Mannschaften auf dem Rasen der Zahl der teilnehmenden Schulen und Einrichtungen. Die Teams waren allerdings zusammengelost. Vor dem ersten Anpfiff fischte jeder Teilnehmer ein Los aus der Trommel. Die Mischung sollte es richten: Gymnasiast, Förderschüler, Werkstattmitarbeiter in einer Mannschaft. Das schien eine Herausforderung zu sein. War es aber nicht. „Die spielen zusammen. Das funktioniert“, hat Uwe Schmidt, Sportlehrer am Paul-Gerhardt-Gymnasium, nach wenigen Minuten gemerkt.

Fabian Kästner und Darius Herrmann lernen in der 9. Klasse der Ferropolisschule. Das Los machte sie zu Portugiesen. Der Ball rollte, die Ergebnisse stimmten zufrieden. „Es hat gepasst. Wir haben kurz gesprochen und dann gespielt.“ Fußball verbindet und soll das auch in Zukunft tun. Ein weiteres Inklusionsturnier scheint möglich. „Ich habe nichts dagegen. So erreichen wir mehr als mit großen Worten“, zieht Dirk Overbeck ein erstes Fazit. (mz)