Bundespolizei ermittelt

Lokführer unter Schock: Gleisgänger am Bahnhof Gräfenhainichen sorgen für Zugverspätungen

ICE musste am Samstag notbremsen, weil eine Gruppe über die Gleise abkürzte. Der Lokführer des über 200 km/h schnellen Zuges erlitt einen Schock.

13.06.2022, 15:17
ICE musste bremsen.
ICE musste bremsen. Foto:Imago

Gräfenhainichen/MZ - Eine Personengruppe hat am Samstag nahe des Bahnhofs Gräfenhainichen mit einer lebensgefährlichen Aktion für eine Notbremsung, Zugverspätungen und den Ausfall eines Lokführers gesorgt. Wie die Bundespolizeiinspektion Magdeburg am Montag mitteilte, habe die elfköpfige Gruppe gegen 6.50 Uhr über die Gleise abgekürzt, um auf den anderen Bahnsteig zu kommen und einen dort stehenden Regionalzug zu erreichen.

Der Lokführer eines herannahenden Intercityexpresses sah die Gruppe und leitete geistesgegenwärtig eine Schnellbremsung ein. Der Zug hatte zu diesem Zeitpunkt eine Geschwindigkeit von über 200 Kilometer pro Stunde.

Gruppe wurde gestellt

Das Bundespolizeirevier Dessau fuhr mit Blaulicht und Martinshorn zum Ereignisort. Beamte der Landes- und Bundespolizei stellten die Personalien der Frauen und Männer im Alter zwischen 21 und 44 Jahren fest.

Die saßen bereits in dem Regionalexpress, für welchen sie ihr Leben riskiert hatten. Der Zug war nocht abgefahren, weil die Zugbegleiterin die Mitnahme der Gruppe verhindert hatte. Der Lokführer des Intercityexpresses erlitt wegen der Beinahe-Katastrophe einen Schock und konnte seinen Dienst nicht weiter fortsetzen. Ein weiterer im Zug befindlicher Lokführer übernahm und setzte die Fahrt nach Abschluss der polizeilichen Maßnahmen fort. Die Personengruppe, die über die Gleise gelaufen war, und die Reisenden im Zug blieben unverletzt. Durch diesen Vorfall hatten vier Züge auf der Strecke Leipzig-Berlin insgesamt 89 Minuten Verspätung.

Warnung vor Gleisen

In diesem Zusammenhang weist die Bundespolizei erneut darauf hin: „Gleise sind nur an zugelassenen Bahnübergängen zu überqueren. Ansonsten besteht mit derartigen Handlungen Lebensgefahr, wie dieser aktuelle Sachverhalt wieder einmal zeigt“, so die Polizei in ihrer Mitteilung.

Die Züge näherten sich fast lautlos an und könnten je nach Windrichtung oft sehr spät wahrgenommen werden. Außerdem gehe von vorbeifahrenden Zügen eine enorme Sogwirkung aus, die ebenfalls zu gravierenden, wenn nicht sogar tödlichen Unfällen führen könne.