Einweihung

Im Fahrstuhl aufs Dach: Absetzer „Medusa“ in Ferropolis wird begehbar

Was Absetzer „Medusa“ alles über sich ergehen lassen musste, um touristisch attraktiver zu werden.

Von Dietmar Bebber 06.05.2022, 20:16
Während der Eröffnung neuer Ferropolis-Rundgänge
Während der Eröffnung neuer Ferropolis-Rundgänge Foto: Thomas Klitzsch

Gräfenhainichen/MZ - Der 13. März 2020 war ein Freitag, was ja gemeinhin als ein Unglückstag gilt. Doch für die Stadt aus Eisen sollte dieser Tag ein Glückstag werden. Denn an diesem Tag übergab der Leiter der EU-Verwaltungsbehörde EFRE/ESF, Thorsten Kroll, an den Geschäftsführer der Ferropolis gGmbH Thies Schröder einen Fördermittelbescheid über 1,087 Millionen Euro aus Mitteln der Europäischen Union.

Dieses Geld sollte die Erschließung und denkmalgerechte touristische Nutzung von Tagebaugroßgeräten im Jahr 2020 vorantreiben. Die Sanierungsmaßnahmen mit einem geplanten Gesamtvolumen von 1,2 Millionen Euro sollten im Laufe des Jahres umgesetzt werden mit dem Ziel, dass nach Abschluss der Arbeiten der Absetzer „Medusa“ als zweites großes Bergbauzeugnis für alle Besucher begehbar ist. Das Besondere daran: Auch Gäste mit Handicap sollen dann das Dach des Maschinenhauses in 20 Metern Höhe über einen Fahrstuhl erreichen können.

Mit Verspätung

Dieses Ziel ist erreicht, nur dass es mit dem Datum aus solch bekannten Gründen wie zum Beispiel Corona nicht geklappt hat. Die feierliche Eröffnung konnte erst am gestrigen 6. Mai stattfinden. Und damit im Jahr 2022 und eine Woche, bevor es wieder einen Freitag, den 13. gibt. Landrat Christian Tylsch würdigte das Ereignis: „Heute ist ein besonderer Tag für den Landkreis!“ Auch Ministerpräsident Reiner Haseloff und Geschäftsführer Thies Schröder anerkannten das Geleistete und freuten sich über die neue Attraktion. Anschließend stimmte der Bürgermeister mit allen Gästen zusammen das Steigerlied an.

Bevor die eigentliche Sanierung des Großgerätes damals umgesetzt werden konnte, mussten die Schwellen des darunter befindlichen Gleisbettes ausgetauscht werden. Da stellt sich natürlich die Frage, in welcher Verbindung die Schwellen und ein Tagebaugroßgerät stehen.

Erst die Schwellen

Ein Absetzer wie „Medusa“ bewegt sich auf Schienen, unter denen sich die Schwellen befinden, welche gewissermaßen als Bindeglied und Auflagefläche dienen. Auf den Schwellen liegt also eine vergleichsweise große Last, rund 1.200 Tonnen, weswegen eine Erneuerung unabdingbar war. Hierzu mussten die einzelnen Schwingen demontiert und Teile des Gerätes auf einer Schienenverlängerung herausfahren. Danach wurden die Schwellen Stück für Stück ausgetauscht.

Das Hauptanliegen der Sanierung war es, das Dach des Maschinen- und des E-Hauses begehbar zu machen. Langjährige Korrosion, dazu eine Konstruktion, die nicht für Menschenmassen vorgesehen war, und der Denkmalschutz waren die größten Herausforderungen dieses Unterfangens. Das bedeutete, es musste zum einen eine Grundsanierung des Stahlbaus erfolgen und zum anderen das Dach so erneuert werden, dass es den zu erwartenden Traglasten standhält.

Erschwerend kam hinzu, dass das Dach stark gewölbt war, um anfallendes Regenwasser abfließen zu lassen. Diese Wölbung hätte jedoch einer inklusiven Nutzung durch Rollstuhlfahrer im Wege gestanden. Deshalb wurde im neuen Dach die Wölbung so gering wie möglich gehalten. Weiterhin bietet das Geländer, das neu montiert wurde, zusätzlichen Schutz für die Besucher der Besuchsplattform. Als Ministerpräsident Haseloff diese betrat, stellte er fest: „Das ist schon eine neue Qualität.“ Hier dürfen sich nun maximal 80 Personen zugleich aufhalten.

Das Kernelement der Sanierungen jedoch sollte die barrierefreie Begehung des Absetzers „Medusa“ sein. Dies wurde durch den Anbau eines Fahrstuhls verwirklicht, der neben dem Absetzer angebaut wurde. Seit Freitag heißt es offiziell: Freie Fahrt!

Kevin Lindner  in Rollstuhl und Hündin Lia können nun den Lift zum Dach der  "Medusa“   nehmen.
Kevin Lindner in Rollstuhl und Hündin Lia können nun den Lift zum Dach der "Medusa“ nehmen.
Foto: Thomas Klitzsch