Corona-Pause sorgt für Neuorientierung

Zwei Jahre ohne Camp - Fußball-Heldin Sarholz aus Roßlau beendet Projekt Torwartschule

Von Tobias Grosse Aktualisiert: 03.02.2022, 11:10
Anna Sarholz bei einem ihrer letzten Spiele für Leipzig.
Anna Sarholz bei einem ihrer letzten Spiele für Leipzig. Foto: imago images / Hartenfelser

Rosslau/MZ - Am Montagmorgen zog Anna Felicitas Sarholz auch gedanklich einen Schlussstrich. Und zwar so, wie man das in der heutigen Zeit eben macht. Über die sozialen Medien.

Es sei „an der Zeit, das Kapitel Torwartschule an den Nagel zu hängen“, schrieb die 29-Jährige, die einst beim SV Germania Roßlau das Fußballspielen erlernt hatte und später mit Turbine Potsdam die Champions League gewonnen hat, auf ihren Seiten. 2015 hatte sie das kleine Unternehmen gegründet, seitdem Camps für Torhüterinnen und Torhüter ausgerichtet und individuelles Training angeboten. 2020 hatte sie schon einen ersten Hilferuf gestartet. Nun aber ist Schluss.

Fußball fehlt nicht mehr

Es ist ein Mix aus verschiedenen Einflüssen, der zu der Entscheidung geführt hat. Einerseits freilich der Coronapandemie, die es Sarholz in den letzten fast zwei Jahren schwer gemacht hat, ihre Camps auszurichten. Dazu kommt eine berufliche Veränderung in den Rettungsdienst - und vor allem die Erkenntnis, dass Fußball in ihrem Leben nicht mehr die Rolle spielt, die er die vergangenen zwei Jahrzehnte gespielt hat. „Ich habe im letzten halben Jahr mitbekommen, das mir Fußball als solcher nicht gefehlt hat“, schrieb die ehemalige Bundesliga-Torhüterin. „Das ist ein Zeichen für mich, einen Punkt zu setzen.“

Aber natürlich geht der Schlussstrich auch mit einem weinendes Auge einher. „Ich durfte in den letzten sieben Jahren so unendlich viel erleben und habe viele neue Freunde gefunden“, schrieb Sarholz, die von 2000 an beim SV Germania Roßlau spielte. 2006 ging sie zum Spitzenclub Turbine Potsdam, gewann später dreimal den Deutschen Meistertitel und die Champions League. Sarholz hielt im Elfmeterschießen zwei Elfmeter und traf einmal selbst. Viele Verletzungen sorgten in der Folge aber dafür, dass ihr die ganz große Karriere verwehrt blieb. Bis zum vergangenen Sommer war sie noch Torwarttrainerin und Stand-by-Spielerin bei Zweitligist RB Leipzig.

„Ich bin dankbar“

Ihre Heimatregion hat sie dennoch nie vergessen, war mit ihren Camps regelmäßig in der Gegend. Ihr Ex-Club Roßlau und Preußen Greppin waren sogar Partnerclubs der Torwartschule. Greppin einer der festen Standorte, jeden Dienstag war Sarholz - vor Corona - dort. „Ich durfte jungen Menschen etwas von meinem Wissen mitgeben und habe hoffentlich dem einen oder anderen helfen können“, erklärte sie zum Abschied. „Ich bin sehr dankbar für die Zeit.“