Tod von Oury Jalloh

Tod von Oury Jalloh: Brandversuch sorgt vorab für Kritik

Dessau - Vor mehr als elfeinhalb Jahren starb Oury Jalloh bei einem Brand in einer Dessauer Polizeizelle - unklar ist jedoch immer noch, was damals genau geschah. Ein neuer Brandversuch im sächsischen Dippoldiswalde soll nun nun bei der Aufklärung ...

16.08.2016, 12:24
Rosen liegen vor dem Bild von Oury Jalloh, der 2005 in einer Dessauer Po­li­zei­zelle starb.
Rosen liegen vor dem Bild von Oury Jalloh, der 2005 in einer Dessauer Po­li­zei­zelle starb. dpa-Zentralbild

Vor mehr als elfeinhalb Jahren starb Oury Jalloh bei einem Brand in einer Dessauer Polizeizelle - unklar ist jedoch immer noch, was damals genau geschah. Ein neuer Brandversuch im sächsischen Dippoldiswalde soll nun nun bei der Aufklärung helfen.

An Donnerstag will der Sachverständige Kurt Zollinger vom Forensischen Institut Zürich im Auftrag der Dessauer Staatsanwaltschaft den Brand nachstellen. Die zentrale Frage ist, ob der an Händen und Füßen gefesselte Asylbewerber aus Sierra Leone das Feuer selbst gelegt haben kann.

Zwei lange Gerichtsprozesse

Jalloh war am 7. Januar 2005 in Dessau festgenommen worden, weil er im Verdacht stand, unter Einfluss von Alkohol und Drogen zwei Frauen belästigt zu haben. Er wehrte sich heftig. In zwei langen Gerichtsprozessen blieb ungeklärt, wie es in der Nacht zu dem tödlichen Brand kam.

Während Behörden und Gerichte keine Hinweise auf ein Tötungsdelikt fanden, ruft die „Initiative in Gedenken an Oury Jalloh“ seit Jahren die Parole „Oury Jalloh - das war Mord“ aus.

Eigene Gutachten organisiert

Die Initiative hatte eigene Brand-Gutachten in Auftrag gegeben. Der Brandgutachter Maksim Smirnou aus Irland baute die Polizeizelle teilweise nach, zündete Matratzen und Schweinekadaver an und filmte die Ergebnisse.

Im November 2013 wurde sein Fazit veröffentlicht: Jalloh konnte das Feuer gar nicht selbst legen, sondern wurde vermutlich mit Benzin übergossen und angezündet. Die Initiative stellte daraufhin Anzeige wegen Mordes gegen Unbekannt.

Im vergangenen Jahr präsentierte die Initiative nochmals neue Gutachten, die eine Beteiligung von Polizisten für wahrscheinlich hielten. Es spreche wenig dafür, dass der Brand von Jalloh selbst gelegt worden sei, erklärten die Experten aus England und Kanada.

Polizisten keine guten Zeugen

Dass so viele Spekulationen und Verdachte keimen, liegt auch daran, dass die Polizisten als Zeugen in den Prozessen wenig zur Aufklärung beitrugen. Viele sagten, sie könnten sich nicht mehr erinnern oder seien sich nicht sicher.

Mit der exakten Nachstellung der Szene vom 7. Januar 2005 hatten sich von den Gerichten beauftragte Gutachter schwergetan, weil es viele Details zu beachten gilt: Wie war die Belüftung in der Zelle? Wie eng waren die Fesseln? Wo genau könnte das Feuer ausgebrochen sein?

Selbst die Art der Matratze war nach Jahren nur noch sehr schwer zu ermitteln. Es war auch nie geklärt worden, wie das Feuerzeug, mit dem der Asylbewerber den Brand gelegt haben soll, in die Zelle gelangt sein könnte.

Neuer Brandversuch heftig kritisiert

Der neuerliche Brandversuch in Dippoldiswalde wird von der Oury-Jalloh-Initiative schon vorab heftig kritisiert - und hat diese nach eigenen Angaben versucht, mit Eilanträgen zu stoppen. Weil der Termin und Ort einseitig festgesetzt seien. Weil die Anwälte und die Sachverständige der Nebenklage an diesem Tag im Urlaub sind.

Aber auch, weil ihrer Meinung nach keine nachvollziehbare Informationen zu Versuchsplanung, Versuchsaufbau und Versuchsdurchführung vorliegen. Zudem wird der Ausschluss der von der Staatsanwaltschaft geladenen Medienvertreter gefordert. „Die jetzt mit unlauterem Medienrummel zur Schau zu stellenden Brandversuche zur „Nachstellung des Brandgeschehens vom 7.1.2005 müssen alleine schon deswegen scheitern“, heißt es zudem in einer Pressemitteilung der Initative, „weil sie die für den Fall zentrale Frage nach dem Feuerzeug erneut bzw. immer noch nicht berücksichtigen.“

Die Staatsanwaltschaft Dessau hat auf die Eilanträge mit einem Antwortbrief reagiert, der von der Initiative als „sachlich inkorrekt und tendenziell manipulativ“ kritisiert wird, vor allem aber nicht als vorschriftsmäßige Bescheidung angesehen wird. Die Staatsanwaltschaft Dessau hält an dem Brandversuch fest.

Dienstgruppenleiter verurteilt

Der Einzige, der bislang in dem Fall juristisch zur Verantwortung gezogen wurde, ist der damalige Dienstgruppenleiter im Polizeirevier. Der Polizist hatte zugegeben, mindestens zweimal den Feueralarm ausgeschaltet zu haben.

Das Landgericht Magdeburg verurteilte den Beamten im Dezember 2012 wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe von 10.800 Euro. (mz/dpa/sb)