Staudenknöterich gedeiht in Dessau

Staudenknöterich gedeiht in Dessau: Projekt sucht Mittel gegen die invasive Pflanze

Dessau - Staudenknöterich gedeiht in Dessau-Nord prächtig. Projekt „Envisage“ nutzt Vorkommen, um Mittel gegen die invasive Pflanze zu finden.

Von Thomas Steinberg 24.05.2018, 06:00

Eine Spaziergängerin mit Hund beobachtet, wie ein Mann eine Walze vor sich herschiebt und glaubt, Sisyphos bei der Arbeit zu sehen. „Sie werden dem nicht mehr Herr“, ruft sie Philip Martini mit Bedauern in der Stimme zu.

Martini und seine Kollegin Elke Schenke hoffen, die Frau möge irren. Auch wenn sie irgendwie recht hat. Denn bis heute ist kein wirklich wirksames Kraut gewachsen gegen den Staudenknöterich, der sich nicht nur in Deutschland ständig ausbreitet. In Dessau-Nord, hinter dem „Riekchen“, gedeiht die schnellwüchsige Staude prächtig und macht fast alle anderen Pflanzen platt.

Man will auch in Dessau gegen invasive Pflanzen wie den Staudenknöterich vorbereitet sein

Schenke und Martini sind Landschaftsplaner und arbeiten beim Landschaftspflegeverband „Grüne Umwelt“ mit Sitz in der Bördegemeinde Sülzetal. Ein Verein, der eingebunden ist in das Forschungsprojekt „Envisage - Neophyten in der Landwirtschaft“, das nach Wegen sucht, invasive Pflanzenarten wie Staudenknöterich, Riesenbärenklau oder das Orientalische Zackenschötchen aus landwirtschaftlich genutzten Flächen herauszuhalten. Das Problem mag noch nicht massiv sein, aber man will vorbereitet sein, um nicht überrascht zu werden wie Schweizer Landwirte von der Erdmandel-Plage.

Envisage vereint unterschiedliche Disziplinen und Ansätze. Schenke und Martini erledigen vor allem die Feldarbeit. Die sich hinter dem „Riekchen“ und vor allem für Martini als sportliche Herausforderung entpuppt: Unermüdlich schiebt er das geschätzte 60 Kilo schwere Gerät ins Staudenknöterich-Dickicht und walzt die Pflanzen mit ihren handgroßen Blättern platt.

Voriges Jahr war das Team zum ersten Mal unterwegs. Schenke bildet aus Daumen und Zeigefinger ein O. „So dick waren damals manche Stängel.“ Dieses Jahr sind sie schwächer, oft nur daumendick. Eine Folge der Walzarbeit, hofft Schenke. Um die Frage sicher beantworten zu können, bedarf es weiterer Versuche.

Die Behandlung mit Herbiziden schien die Knöteriche am Mulde-Bootshaus kalt zu lassen

Während Philip Martini walzt, notiert Elke Schenke die Veränderungen. Manchmal bleiben die erhofften aus - die Behandlung mit Herbiziden schien die Knöteriche am Mulde-Bootshaus kalt zu lassen. „Das war ziemlich enttäuschend“, gibt Martini zu. Aber dann - über den Jahreswechsel - zeigt sich: „Er hat doch einen mitgekriegt.“

Dass Naturschützer zu Herbiziden greifen, mag auf den ersten Blick befremden, und lässt sich mit der speziellen Fragestellung des Projekts erklären, die auf Landwirte zielt. „Wir können denen nicht sagen, trampelt den Knöterich platt wie die Freiburger Bachpaten.“ Viel zu aufwendig.

Aber ob Walze oder Herbizid, mit denen kann jeder Landwirt umgehen. (mz)