Riesige Nachfrage durch Corona

Riesige Nachfrage durch Corona: Online-Shop für Krisenvorsorge arbeitet im Akkord

Dessau - Dessauer Online-Shop für Krisenvorsorge erlebt seit der Corona-Pandemie eine nie dagewesene Nachfrage.

Von Detmar Oppenkowski
Hendrik Schirmer (re.) und Geschäftspartner Thomas Zitzl betreiben den Outdoor-Laden und Internet-Shop „Fluchtrucksack“.

Seit Wochen steht das Telefon bei Hendrik Schirmer wegen der anhaltenden Corona-Krise nicht mehr still.

Der 48-jährige Dessauer betreibt mit Geschäftspartner Thomas Zitzl in der Karlstraße einen auf den ersten Blick eher unscheinbaren Laden für Outdoor-Aktivitäten, Survival und Krisenvorsorge - sowie einen Online-Shop namens „fluchtrucksack.de“.

Während sich die Internet-Bestellungen wegen der sich ausbreitenden Pandemie nach eigenen Angaben sprunghaft verachtfacht haben, dient das Geschäft mittlerweile fast ausschließlich als Lager. Ruck- und Schlafsäcke, Trinkflaschen oder Leuchtstäbe - alles, was im Ernstfall benötigt wird, ist hier zu finden.

Die tragbaren Notfallkits sind im Amerikanischen als „bug-out bag“ bekannt und enthalten die für die Evakuierung nach einer Katastrophe benötigten Gegenstände für einige Stunden oder auch Tage.

„Nach meinen Schätzungen haben sich 90 Prozent der Bevölkerung noch nie mit der Krisenvorsorge auseinandergesetzt“

Mit diesem Angebot besetzt Hendrik Schirmer eine Nische, die aktuell immer größer wird. „Man muss sich das so vorstellen: Nach meinen Schätzungen haben sich 90 Prozent der Bevölkerung noch nie mit der Krisenvorsorge auseinandergesetzt. Acht Prozent sind dafür sensibilisiert. Und nur zwei Prozent haben tatsächlich vorgesorgt.“ Aufgrund der anhaltenden Corona-Berichterstattung finde ein Umdenken statt, so dass immer mehr Menschen darüber nachdenken, was sie im Fall der Fälle wirklich benötigen - und sich daher bei ihm melden.

Dabei stehe weniger der Flucht-, sondern eher der Notfallrucksack im Vordergrund. Das ist ein 65-Liter-Tornister, der fünf Kilogramm wiegt und aus 77 Einzelteilen besteht, unter anderem Kocher, Notration, Taschenlampe, Erste-Hilfe-Set, Feuerzeug, Signalpfeife oder ein Tierabwehrspray. Diese Grundausstattung sei eigentlich für einen „Blackout“, also einen länger andauernden Stromausfall konzipiert. Auch die australische Botschaft in Österreich hat sich 2018 aus diesem Grund von Schirmer und Zitzl mit Notfallrucksäcken ausstatten lassen.

Elbeflut 2002 als einschneidendes Ereignis für Hendrik Schirmer

Da sich aufgrund der Corona-Krise die konkrete Bedrohungslage verändert habe, lassen sich aktuell vor allem Menschen aus betroffenen Gebieten, wie Bayern, Baden-Württemberg oder Nordrhein-Westfalen, individuell beraten und Notfallrucksäcke nach ihren Erfordernissen zusammenstellen. „Durch die Corona-Pandemie sind viele auf uns aufmerksam geworden. Es gibt einen immensen Beratungsbedarf. Vor allem viele Frauen, die vorher nicht zu unserem Kundenstamm gehörten, wollen nun wissen, wie sie sich vorbereiten können.“ Aufgrund der enormen Nachfrage sei man daher aktuell zehn bis zwölf Stunden in dem zum Lager umfunktionierten Laden - sowohl in der Woche als auch am Wochenende.

Dass Hendrik Schirmer sich mit dem Thema befasst und einen Laden eröffnet hat, hängt mit der einschneidenden Erfahrung zusammen. „Ich war 2002 in Meißen als die Elbeflut die Stadt einnahm und war - wie alle anderen auch - völlig unvorbereitet. Damals habe ich zu mir gesagt: So etwas passiert dir nie wieder.“ (mz)