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Mit fachkundiger Anleitung gegen VerschwendungReparaturcafé eröffnet in Dessauer Innenstadt - Flicken statt Wegwerfen ist die Devise

Unter den Arkaden in der Ferdinand-von-Schill-Straße ist ein Werkstatt-Café entstanden, wo jedermann Hilfe bekommt. Verschiedenen Angeboten wurden feste Tage zugeordnet.

Von Heidi Thiemann 06.11.2023, 07:00
Das Werkstattcafé  unter den Arkaden in der Ferdinand-von-Schill-Straße.
Das Werkstattcafé unter den Arkaden in der Ferdinand-von-Schill-Straße. Heidi Thiemann

Dessau/MZ. - In den Geschäften unter den Arkaden in der Ferdinand-von-Schill-Straße ist wieder Leben eingezogen. Nachdem Studenten der Hochschule Anhalt bereits die Anlaufstelle „mitte“ geschaffen hatten, ist nebenan das Werkstattcafé eingerichtet worden. Donnerstagabend wurde Eröffnung gefeiert. Beide Initiativen werden gefördert von der Stadt über das Programm „Zukunftsfähige Innenstädte und Zentren“ des Bundesbauministeriums.

Am Mittwochabend herrschte im Werkstattcafé noch eifriges Gewusel, wurde die Eröffnung am Donnerstagabend vorbereitet. Es wurde gebohrt, geschraubt, gehämmert, alles an seinen Platz geräumt. Mittendrin Laura Spengler und Rainer Hänsch. Beide hatten im Juni beim Straßenfest in der Johannisstraße bereits Werbung für das neue Angebot gemacht. Reparieren statt wegwerfen ist das Programm der ehrenamtlichen Initiative, die nun endlich loslegen kann.

Stadt übernimmt Kaltmiete

Im September wurde der Mietvertrag unterschrieben, sagt Laura Spengler, doch erst einmal musste der Laden hergerichtet werden. Alte Dinge wurden herausgerissen. Es wurde renoviert, Wände gestrichen, Fliesen neu verlegt, ein Stück Wand gemauert, ein kleiner Tresen und ein kleine Küche gebaut und das Lager hergerichtet. Auch die Elektrik musste auf Vordermann gebracht werden. Viele der Dinge, die nun im Werkstattcafé genutzt werden, sind Spenden oder Dinge vom Sperrmüll, die aufgearbeitet worden sind und also nicht weggeworfen werden müssen. „Das entspricht auch unserer Grundidee und hat Spaß gemacht“, gibt Laura Spengler zu.

Vor viereinhalb Jahren ist sie nach Dessau gekommen, arbeitet am Umweltbundesamt und hatte Lust darauf, neben ihrem Schreibtisch-Job etwas Praktisches zu machen. Beim Bürgerbeteiligungsprojekt „Zukunftsreise“ hatte sie mitgemacht und da herausgehört, so ein Werkstattcafé-Angebot fehlt in der Stadt. Bisher gibt es das Repair-Café „machBar“ bei der Awo, das jeden ersten und dritten Mittwoch Hilfe gibt bei der Reparatur elektrischer Geräte. Das liegt aber etwas abgelegen, findet Rainer Hänsch, der sich dort auch engagiert hatte. Über die zentrumsnahe Lage des Werkstatt-Cafés vis-a-vis der Katholischen Kirche sind Spengler, Hänsch und die anderen Mitstreiter deshalb froh. Froh sind sie auch, dass die Projektschmiede Dessau als Trägerverein für das Café fungiert und kein extra Verein gegründet werden musste.

Laura Spengler und Rainer Hänsch gehören zu den Ehrenamtlichen im Werkstattcafé.   Das befindet sich in der  Ferdinand-von-Schill-Straße. Am Mittwochabend wurde noch gebaut und alles hergerichtet für die Eröffnung.
Laura Spengler und Rainer Hänsch gehören zu den Ehrenamtlichen im Werkstattcafé. Das befindet sich in der Ferdinand-von-Schill-Straße. Am Mittwochabend wurde noch gebaut und alles hergerichtet für die Eröffnung.
Fotos: Heidi Thiemann

Für zwei Jahre übernimmt die Stadt die Kaltmiete für den Laden. Die Nebenkosten, so Spengler, sollen durch Spenden aufgebracht werden. Einen finanziellen Zuschuss gab es obendrein für den Ausbau des Geschäfts vom Amt für Zentrales Gebäudemanagement der Stadt.

Nun ist alles soweit vorbereitet, dass das Werkstatt-Café loslegen kann. „Wir haben verschiedenen Angeboten feste Tage zugeordnet“, erklärt Spengler. An den einzelnen Tagen sind immer Mitstreiter vor Ort, die Anleitung geben können. Montags geht es um textile Arbeiten, also Handarbeiten und Reparatur. Dafür kann auch eine Nähmaschine genutzt werden. Der Dienstag ist der Tag der Elektrogeräte-Reparatur. Dieser Bereich ist aber erst im Aufbau, hier werden noch Mitstreiter gesucht, die helfen können. Der Mittwoch ist der Energieberatung vorbehalten und offen für weitere Angebote von Vereinen. Am Donnerstag ist der Tag der Fahrradreparatur und am Freitag ist das Motto „offene Werkstatt“ für Leute, die handwerklich arbeiten möchten, denen aber das passende Werkzeug fehlt. Alle Angebote sollen immer zwischen 16 und 19 Uhr stattfinden - außer in den typischen Urlaubszeiten.

Wissen weitergeben

Wer ins Werkstatt-Café kommt, bekommt keine Reparatur umsonst. „Wir wollen auch keine Konkurrenz zum bestehenden Handwerk sein“, versichert Laura Spengler, „sondern wir bieten Hilfe zur Selbsthilfe an. Wir haben auch nicht den Anspruch, alle Probleme zu lösen.“ Vielmehr wird bei schwierigen Reparaturen an Handwerksbetriebe verwiesen. Zu DDR-Zeiten, sagt Rainer Hänsch, wurde vieles selbst repariert. Das Wissen, wie es geht, wolle man gerne vermitteln.

Das Werkstatt-Café steht auch Vereinen und Initiativen offen, die Workshops am Wochenende, Veranstaltungen oder Treffen durchführen möchten. „In der Regel werden wir hierfür einen kleinen Beitrag zur Deckung der laufenden Kosten erheben“, so Spengler.