Rückblick auf 2021

Private Wetterstation in Süd: Was zeichnete das Wetter 2021 in Dessau aus?

Hobbymeteorologe Dirk Lindner hat mit seiner privaten Wetterstation in Dessau-Süd seit 15 Jahren alle Daten im Blick.

Von Heidi Thiemann 22.01.2022, 12:00
Hobbymeteorologe Dirk Lindner an seiner Wetterstation.
Hobbymeteorologe Dirk Lindner an seiner Wetterstation. (Foto: Thomas Ruttke)

Dessau/MZ - Wetter ist eigentlich immer, sagt man. Doch wie war’s im vergangenen Jahr? Recht durchschnittlich, charakterisiert der Deutsche Wetterdienst (DWD) das Wetterjahr 2021 in Deutschland, und dennoch war es auch ein Jahr von Wetterextremen mit katastrophalen Folgen. Wem kommt etwa nicht die Flutkatastrophe im Ahrtal in den Sinn? Ausgelöst durch großflächigen Dauerregen und Starkniederschläge.

Doch von solchen extremen Auswüchsen war in der Doppelstadt nichts zu spüren, sagt Dirk Lindner, der im Süden der Stadt eine private Wetterstation betreibt. Obwohl, nass war es hier mitunter auch sehr - und das mehr als in anderen Jahren.

Das elfte zu warme Jahr in Folge

„Der Stationsstandort blieb aber von extremen Wetterlagen verschont“, erklärt er mit Blick auf seine aufgezeichneten Daten. Und wie die Experten vom DWD, so erklärt auch der Hobbymeteorologe in Dessau, es war wettertechnisch ein eher normales Jahr. Doch was heißt normal? „Zu warm und eher sonnenscheinreich mit überdurchschnittlicher Niederschlagsmenge“, fasst er die zwölf Monate zusammen.

Wirklich zu warm? Im Jahr zuvor, 2020, hatte Lindner das bislang wärmste Jahr an seiner Wetterstation verzeichnet. 11,4 Grad Celsius war damals die Durchschnittstemperatur und lag 0,1 Grad über der von 2019 und 0,2 Grad über der von 2018. 2021 war es aber weniger warm: 10,08 Grad Celsius im Durchschnitt.

Und trotzdem, verweist Lindner, lag dieser Wert um 0,48 Grad über dem normalen langjährigen Wert. Das deckt sich mit den Daten des Deutschen Wetterdienstes, der für Deutschland das elfte zu warme Jahr in Folge feststellte.

Vom kältesten zum wärmsten Tag: 50 Grad Unterschied

Am kältesten im Dessauer Süden war es am 14. Februar. Knackige minus 16,3 Grad wurden an diesem Tag gemessen. Gut 50 Grad wärmer war es dagegen am heißesten Dessauer Tag. Das war der 19. Juni. Lindners Technik, registrierte schweißtreibende 33,8 Grad Celsius.

Als vergleichsweise trockenes Bundesland hat der Deutsche Wetterdienst Sachsen-Anhalt im vergangenen Jahr charakterisiert. 610 Liter pro Quadratmeter waren im Landesdurchschnitt gefallen. Lindners Wetterstation aber maß mehr: Hier summierten sich die Niederschläge auf 659,4 Liter.

Doppelt so viel Niederschlag wie im trockensten Jahr 2018

Dies sind 112,2 Prozent der normalen Niederschlagsmenge (562,8) am Standort, stellt der Hobbymeteorologe fest. Immerhin ist die Regenmenge doppelt so groß wie 2018, das mit 328 Litern pro Quadratmeter als das trockenste Jahr in Lindners Aufzeichnungen steht. 2007 war das regenreichste mit 822 Litern.

Verteilt hatte sich der Regen 2021 auf 178 Tage im Jahr. Doch so viel wie am 9. Juli schüttete es das ganze Jahr nicht an einem einzigen Tag: 63 Liter. Innerhalb von 15 Stunden gab es so viel Niederschlag wie im gesamten Monat Juni zuvor.

Langzeitfaten Niederschlagsmengen in Dessau
Langzeitfaten Niederschlagsmengen in Dessau
(Grafik: MZ/Bischof)

Doch nicht nur Regen, auch Schnee fiel vom Himmel. 2020 gab es keinen einzigen Flockenwirbel im Süden der Doppelstadt. Doch im vergangenen Jahr war das anders. An insgesamt 22 Tagen gab es weiße Pracht. Die höchste gemessene Schneedecke betrug 23 Zentimeter. Das war am 8. Februar.

Zwar kein Rekord, doch reichlich Sonnenschein

Und auch über reichlich Sonnenschein konnten sich die Dessauer im vergangenen Jahr freuen. Der deutsche Wetterdienst gab für Sachsen-Anhalt 1.610 Stunden aus. In Dessau-Süd maß Dirk Lindner sogar 64 Sonnenstunden mehr. „Das waren 105 Prozent der normal am Standort zu erwartenden Zeit“, sagt er, denn im Mittel sind es hier 1.591 Stunden. Die Sonnenscheinbilanz war also überdurchschnittlich.

Und dennoch gab es auch schon Jahre, die weit darüber lagen. Mit 1.893 Sonnenstunden verwöhnte Klärchen die Sonnenköppe im Jahr 2018. Doch sollte sich niemand über 2021 beschweren: 2013 waren es lediglich 1.425 Stunden.

Den aktuellen Überblick und viele weitere Daten auf der Seite DessauWetter

Nun aber dürfen alle gespannt sein, wie sich 2022 entwickelt. Wird es zu warm, zu kalt, zu nass, zu trocken? Lindners Technik, die seit Oktober 2006 vollautomatisch und lückenlos Temperatur, Sonne, Regen und viele weitere Wetterdaten erfasst, wird das auch 2022 weiter machen.

Verfolgt werden kann das jederzeit auf seiner Webseite, die sich DessauWetter nennt. Hier gibt es Informationen über das aktuelle Wetter, aber auch ein umfangreiches Datenarchiv.