Nach Brand in Dessau

Nach Brand in Dessau: Was wird aus der einstigen Großraum-Disco?

Dessau - Um 3.23 Uhr geht der Alarm ein. Feuerwehren rücken aus. Schnell steht jedoch fest: Der Schaden geht in die Millionen. Die Großraum-Disco „Big“ an der Brauereibrücke in Dessau ist vollständig ausgebrannt. 15 Jahre ist das nun her. Geschehen ist seitdem ...

Von Lisa Garn

Um 3.23 Uhr geht der Alarm ein. Feuerwehren rücken aus. Schnell steht jedoch fest: Der Schaden geht in die Millionen. Die Großraum-Disco „Big“ an der Brauereibrücke in Dessau ist vollständig ausgebrannt. 15 Jahre ist das nun her. Geschehen ist seitdem nichts.

Das Grundstück gehört einem Eigentümer aus Russland. Doch die Stadtverwaltung kommt seit Jahren nicht an ihn heran. Es existiert offenbar noch nicht einmal eine Adresse. „Er ist für uns trotz mehrfacher Versuche nicht erreichbar“, erklärte Stadtsprecher Carsten Sauer.

Mehrere Schreiben und behördliche Verfügungen wollte das Bauordnungsamt dem Besitzer bereits zustellen lassen. Der letzte Versuch liegt etwa ein halbes Jahr zurück. Es bestehe weder ein Dialog mit dem Eigentümer, noch sei bekannt, was er mit dem Grundstück vorhabe.

Instandhaltungskosten muss Stadt tragen

Stattdessen muss die Stadt immer wieder auf eigene Kosten eingreifen, weil Vandalen unterwegs waren oder weil witterungsbedingt Teile herabgefallen sind. „Zwei- bis fünfmal jährlich sind Sicherungsmaßnahmen nötig.“

Die Kosten trägt die Stadt. Erst 2014 und 2015 ließ sie Fenster und Türen zumauern sowie Stahlgitter anbringen. Ende des vergangenen Jahres wurde eine Auffangvorrichtung angebaut, um lose Bauteile aufzufangen.

2014 und 2015 sind der Stadt so Kosten in Höhe von rund 26.000 Euro entstanden. „Darin sind nicht die verwaltungsinternen Leistungen der Behörde sowie diverse Gefahrenbeseitigungen durch die Berufsfeuerwehr enthalten.“ Zurück erstattet wurden die Kosten bisher nie.

Es kommt nur ein Abriss in Frage - den will auch die Stadt. „Aus unserer Sicht ist eine wirtschaftliche Folgenutzung unmöglich“, so Sauer. Damit keine weiteren Kosten für die Sicherung anfallen, um das Ortsbild zu verbessern und weitere Gefahrenpotenziale zu vermeiden, sei dieser Abriss kurzfristig nötig.

Abriss nicht möglich

Das Objekt im Rahmen einer Ersatzvornahme selbst abreißen zu lassen, erwägt die Stadt derzeit aber nicht. „Das ist privates Eigentum und es ist im Sinne der Gefahrenabwehr immer das mildeste Mittel zu wählen“, so Sauer. „Man kann nicht einfach vollendete Tatsachen schaffen.“

Das mildeste Mittel sind derzeit Sicherungsmaßnahmen. Zum anderen stünde bei einem Abriss durch die Stadt die Frage der Kosten, die die Kommune nach den bisherigen Erfahrungen bei dem Objekt vermutlich allein tragen müsste. Von dem Gebäude gehe derzeit keine dringliche Gefahr aus, sagt Sauer. Sollte sich dies auf lange Sicht ändern, müsse der Fall neu überdacht werden.

Der Klinkerbau in der Johann-Meier-Straße wurde Mitte der 30er Jahre nach Plänen des Dessauer Architekten Kurt Elster gebaut. Er entwarf auch die Schade-Brauerei und das ehemalige AOK-Gebäude, das heute Kurshaus des Philanthropinums ist. Die Ruine an der Brauereibrücke war einst das Sozialgebäude der Gärungschemie.

Viele kennen das Haus seit 1995 als Diskothek „Tiffany“ und später als das „Big“. Die Großraum-Disco war ein Anziehungspunkt für Besucher aus der Region. 2001 brannte das Haus komplett aus.

Die Polizei ging von Brandstiftung aus, konnte aber den Fall nie aufklären. 2006 hatte die obere Denkmalschutzbehörde zugestimmt, dass das denkmalgeschützte Haus abgerissen werden kann. Vor einigen Jahren soll ein Eigentümerwechsel stattgefunden haben. (mz)