Mendelssohn-Preis

Mendelssohn-Preis: Anne Pollok ist erste Preisträgerin

Dessau/MZ - Im Jahr 1930 signalisierte Albert Einstein, seinerzeit Mitglied der Dessauer Moses-Mendelssohn-Stiftung, man solle einen Preis für wissenschaftliche Arbeiten um den großen deutschen Philosophen der Aufklärung stiften, dessen Wiege 1729 in Dessau stand. Das Stiftungskuratorium stimmte noch im selben Jahr für Einsteins Vorschlag. Zwei Jahre danach musste sich das Kuratorium jedoch eingestehen: Nach den vorliegenden umfangreichen Gutachten komme keine der vier eingereichten Arbeiten für einen Preis in ...

Von Annette Gens 26.02.2013, 10:00

Im Jahr 1930 signalisierte Albert Einstein, seinerzeit Mitglied der Dessauer Moses-Mendelssohn-Stiftung, man solle einen Preis für wissenschaftliche Arbeiten um den großen deutschen Philosophen der Aufklärung stiften, dessen Wiege 1729 in Dessau stand. Das Stiftungskuratorium stimmte noch im selben Jahr für Einsteins Vorschlag. Zwei Jahre danach musste sich das Kuratorium jedoch eingestehen: Nach den vorliegenden umfangreichen Gutachten komme keine der vier eingereichten Arbeiten für einen Preis in Frage.

Was die 1929 ins Leben gerufene Moses-Mendelssohn-Stiftung (Mitglieder waren u.a. neben Einstein, Hugo Jungers, Max Planck, Max Liebermann, Walter Gropius) der Situation und später der politischen Entwicklung in Nazi-Deutschland wegen nicht mehr auf den Weg bringen konnte, ist seit Samstag vollbracht. Die im Jahre 2009 neu gegründete Moses Mendelssohn-Stiftung hat im Anhaltischen Theater zum ersten Mal den Moses-Mendelssohn-Preis für Geisteswissenschaften vergeben.

Mit Anne Pollok wurde eine gebürtige Detmolderin mit dem mit 3000 Euro dotierten Preis geehrt. Pollok widmete sich vor fünf Jahren in ihrer an der Martin-Luther-Universität Halle eingereichten und verteidigten Dissertation dem Schaffen Mendelssohns unter dem Thema „Facetten des Menschen - zur Anthropologie Moses Mendelssohns“.

„Mit Anne Pollok ehren wir eine junge Wissenschaftlerin, die vor wenigen Jahren einen neuen Baustein in das schon gewaltige Gefüge der Mendelssohn-Forschung gesetzt hat“, würdigte Laudator Cord Friedrich Berghahn vom Institut für Germanistik der technischen Universität Braunschweig und Mitglied des Wissenschaftlichen Beirates der Dessauer Moses-Mendelssohn-Stiftung. Dass Polloks Wissen nicht nur im Bereich einer sehr ausgesuchten Leserschaft bleibt, dafür sorgte die gebürtige Detmolderin höchstpersönlich. Ihre beiden Mendelssohn-Editionen erschienen 2010 beim Felix Meiner Verlag in Hamburg.

Die Preisträgerin ist mit 34 Jahren recht jung. Als Professorin lehrt sie mittlerweile in den USA - was viele zum Festakt am Samstag mit Hochachtung zur Kenntnis genommen hatten. Polloks steiler Karriere voraus ging ein Studium der Germanistik, Philosophie und Jura an der Philipps-Universität Marburg. Schon während ihrer Dissertation arbeitete sie wissenschaftlich in South Carolina.

Angelika Storz, Vorsitzende der Moses-Mendelssohn-Stiftung zur Förderung der Geisteswissenschaften, erhofft sich nach der Preisverleihung weitere Impulse - auch von Pollok. Mit der Universität in South Carolina (Columbia) steht der Abschluss eines Kooperationsvertrages bevor. „Wir sind sicher, dass unsere Stiftung auch künftig etliche wissenschaftliche Leistungen würdigen kann“, meinte Storz im Rückblick auf die Geschichte von 1930. Die nächste Preisverleihung steht in zwei Jahren bevor.