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Mausoleum in Dessau Mausoleum in Dessau: Wertvolle Sanierungsanregungen von der Fachhochschule Potsdam

Von Annette Gens 23.11.2019, 13:00
Absolventin Antonie Döß, Prof. Jan Raue und Fördervereinsvorsitzender Dino Höll im Mausoleum.
Absolventin Antonie Döß, Prof. Jan Raue und Fördervereinsvorsitzender Dino Höll im Mausoleum. Thomas Ruttke

Dessau - Im September gab es für Antonia Döß eine glatte Eins für ihre Arbeit über den Umgang mit Fehlstellen im Dessauer Mausoleum. Wenige Wochen später steht die 24-jährige Absolventin der Fachhochschule Potsdam mit ihrem betreuenden Professor im Mausoleum, dem Ort, der sie über Wochen und Monate beschäftigt hat.

Döß gibt eine Einführung in die bunte Mosaikwelt des markanten Dessauer Gebäudes, die im Laufe der Jahrzehnte Fehlstellen aufweist. Sechszehn vertikale Bänder mit geometrisch-ornamentalen Mustern gliedern die halbrunde Apsiswand. Die meisten dieser Bänder sind in Körperhöhe zerstört.

Auffällig: Vor allem die goldenen Glassteinchen wurden gestohlen. Die Frage ist bei einer fortlaufenden Sanierung des Kuppelbaus, wie soll man mit diesem Fakt umgehen? Sollen die Steine rekonstruiert, also ersetzt, werden oder sollten diese Fehlstellen sichtbar bleiben?

Wichtige Zuarbeiten im Umgang mit dem einzigen verbliebenen Kuppelbau der Stadt

Antonia Döß meint, letztlich hänge die Entscheidung davon ab, wie das Mausoleum einmal genutzt werden soll. Viel wichtiger für die Absolventin der Fachhochschule und derzeit freie Restauratorin ist, dass im Mosaik einige wenige Hohlstellen vorhanden sind. Diese gefährdeten Stellen wurden im vergangenen Jahr während einer Semesterarbeit im Mausoleum von Studenten notgesichert. Sie sollten jetzt aber unter Beobachtung bleiben.

Die Fachhochschule Potsdam und deren Fachbereich Konservierung und Restaurierung - Wandmalerei liefert für den Dessauer Förderverein Mausoleum wichtige Zuarbeiten im Umgang mit dem einzigen verbliebenen Kuppelbau der Stadt. Das Gebäude befindet sich aufgrund von Kriegsschäden und jahrzehntelangem Leerstand noch immer in einem vernachlässigten Zustand.

Seit 2007 engagiert sich der Verein für eine denkmalgerechte Sanierung. Seit drei Jahren geht es dank einer Jugendbauhütte, die der Förderverein und die Stadtverwaltung als Gebäude-Eigentümer initiieren, und mit Unterstützung von engagierten Vereinsmitgliedern vorwärts.

Die Baugeschichte des Gebäudes ist kompliziert

Die Baugeschichte des Gebäudes ist kompliziert. Wenn es auch optisch in eine andere Zeit gehört, so ist es doch ein Bau der Moderne. Was die Verwendung der Baumaterialien betrifft, die Architekt Franz Heinrich Schwechten vor rund 120 Jahren auswählte, sei das monumentale Gebäude „eine Schnittstelle von der Tradition zur Moderne“. Verwendet wurde unter anderem mit Zementputz ein damals moderner Baustoff, erinnerte Fördervereinsmitglied Robert Hartmann. Dessaus letzter Kuppelbau sei definitiv Teil des experimentellen Bauens im zu Ende gehenden 19. Jahrhundert gewesen.

Wenngleich die Jugendbauhütte an das Mosaik noch lange keine Hand anlegen wird, so sind die Erkenntnisse der Fachhochschul-Studenten einmal eine sehr wichtige Arbeitsgrundlage für Planer. Die Arbeit der 24-jährigen Nürnbergerin Antonia Döß wird dann definitiv ein Leitfaden zur Vorbereitung zur Sanierung sein.

Übrigens wird nicht nur diese als „sehr gut“ bewertete Bachelor-Arbeit der Studentin dem Dessauer Förderverein weiterhelfen. Die Fachhochschule in Potsdam bleibt im Mausoleum dank eines Werkvertrages mit dem Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie weiter am Ball. Im Oktober waren zuletzt wieder Studenten von Prof. Jan Raue in Dessau.

Eine weitere Studentengruppe beschäftigt sich mit bauphysikalischen Fragestellungen

So beschäftigen sich momentan Masterstudierende mit der Frage, wie die Bauherren mit dem reich geschmückten und eindrucksvollen Mosaikboden des Mausoleums umgehen sollten. Die Keramiksteine weisen ebenfalls Fehlstellen und Risse auf. Die Studenten erarbeiten Empfehlungen für Reinigung, Konservierung und zur Wiederherstellung des Bodens.

Eine weitere Studentengruppe beschäftigt sich mit bauphysikalischen Fragestellungen. Sie konzentriert sich auf im Mausoleum verwendete Baumaterialien. Die Verwendung von Gips und Zement in Kombination, wie vor Ort vorgefunden, ist ungewöhnlich. Deshalb muss man die Frage klären, wie man mit so einem Befund umgehen sollte. (mz)

Das imposante Gebäude im Georgengarten.
Das imposante Gebäude im Georgengarten.
Thomas Ruttke