800 Teilnehmer erhalten jetzt Post

Jugendweihen in Dessau-Roßlau müssen bis zum Herbst warten

Wie schon 2020 wird symbolischer Abschied von der Kindheit verschoben. 800 Teilnehmer erhalten jetzt Post.

Von Heidi Thiemann
Susanne Bettführ vom Jugendweihe-Verein musste auch in diesem Frühjahr wieder alle Feiertermine auf den Herbst verschieben. (Foto: Thomas Ruttke)

Dessau-Roßlau - „Es ist zum Verzweifeln“, sagt Susanne Bettführ und bereitet Hunderte Briefe vor, in denen sie Jugendweihelingen und ihren Eltern mitteilen muss, dass im Frühjahr 2021 keine Jugendweihen gefeiert werden können in Dessau-Roßlau, Zerbst und Bitterfeld-Wolfen. Alle sind auf den Herbst verschoben, erklärt die Dessau-Roßlauer Geschäftsstellenleiterin des Vereins Jugendweihe in Sachsen-Anhalt.

Corona macht - wie schon 2020 - einen Strich durch die Rechnung. Bettführ, die seit 25 Jahren Jugendweihen organisiert, kann sich nicht erinnern, das jemals zuvor solch eine Feier im Frühjahr verschoben werden musste. Eine Feier, die für Achtklässler der symbolische Abschied von der Kindheit ist. Rund 800 Mädchen und Jungen hatten sich auch in diesem Jahr dafür angemeldet.

Einige der Teilnehmer wollten im vergangenen Jahr schon dabei sein, hatten dann aber Hoffnung in 2021 gesetzt

Einige der Teilnehmer wollten im vergangenen Jahr schon dabei sein, hatten dann aber Hoffnung in 2021 gesetzt, auf dass die Pandemie-Situation sich bessere. Wenn die Jugendweihe nun erst im Herbst gefeiert wird, sind diese Schüler aber schon in der zehnten Klasse. Ob sie noch dabeibleiben, hat Bettführ ihre Zweifel. Bislang hat sie zwar für dieses Jahr kaum eine Abmeldung erhalten, doch denkt sie, dass sich das nach dem Verschicken der Briefe generell ändern könnte.

Anders als in Vorjahren läuft es auch in der Vorbereitung auf den für die Jugendlichen so wichtigen Moment. Jugendarbeit, die sonst angeboten und sehr gut nachgefragt wird, ist nicht möglich. „Kein Torte-Backen bei Konditorei Mrosek, kein Tanzen in Wolfen, keine Führung bei der Polizei, keine Gerichtsverhandlung, keine Modenschauen bei Druschke in Dessau oder auf Gut Mößlitz, keine Reisen“, nennt die 59-jährige Geschäftsstellenleiterin Beispiele. Auch Elternabende können nicht durchgeführt werden.

2020 gab es erstmals vier Feiern an einem Tag und acht an einem Wochenende

Dass die auf den Herbst verschobenen Feiern dennoch sehr schön werden können, davon geht sie aus. Gute Erfahrungen seien im vergangenen Jahr gesammelt worden. „Erstmals gab es vier Feiern an einem Tag und acht an einem Wochenende“ - aufgrund pandemiebeschränkter Teilnehmerzahlen. „Doch alles klappte bestens“, ist Bettführ froh über die Hilfe ihrer 15 Ehrenamtlichen. Auch die Künstler und Festredner hatten sich auf die Veränderungen eingestellt.

Nicht alle 2020 zur Jugendweihe angemeldeten Jugendlichen hatten an der Feier teilgenommen. Einige hatten verschoben auf 2021, ein Großteil hatte die Urkunde, das Jugendweihebuch und ein kleines Geschenk genommen und Zuhause gefeiert. Wenngleich Bettführ dafür Verständnis hat, weiß sie doch, dass die vom Jugendweihe-Verein ausgerichtete Feier auch einen ganz wichtigen Moment hat: „Die Jugendlichen stehen auf der Bühne im Rampenlicht.“ Diesen Augenblick auf dem Weg ins Erwachsenwerden könne ihnen keiner nehmen. (mz)