Impfstoffversorgung im Pandemiefall

Impfstoffproduktion bis 2029 auf Abruf: IDT in Dessau schließt langfristigen Vertrag mit Bund

Von Daniel Salpius und Frank Krause Aktualisiert: 16.03.2022, 17:33
IDT Biologika Pharmapark Rodleben
IDT Biologika Pharmapark Rodleben (Foto: Thomas Ruttke)

Dessau/MZ - Der Rodlebener Biopharma-Hersteller IDT Biologika soll der Bundesregierung langfristig bei der Bewältigung der Corona-Pandemie helfen. Die IDT ist eines von insgesamt fünf Unternehmen, mit denen der Bund Verträge zur Bereitstellung von Corona-Impfstoffen für die kommenden Jahre bis 2029 abschließen will. Das habe das Kabinett am Mittwoch beschlossen, heißt es in einer Pressemitteilung des Bundesministeriums für Gesundheit.

Mit Hilfe der Verträge kann die Bundesregierung auf Produktionskapazitäten der IDT sowie der anderen Unternehmen zugreifen - für den Fall, dass die Corona-Pandemie andauere oder es zu einer neuen Pandemie komme, heißt es. Die Partnerschaft umfasse aber auch Vereinbarungen zur Herstellung und Lieferung von Impfstoffen an die Bundesregierung.

„Dass IDT Biologika Teil des Bereitschaftsprogrammes der Bundesregierung ist, steht für großes Vertrauen in unsere Leistungsfähigkeit“

In Rodleben herrschte am Mittwoch Freude über die Zusage aus Berlin. „Dass IDT Biologika Teil des Bereitschaftsprogrammes der Bundesregierung ist, steht für großes Vertrauen in unsere Leistungsfähigkeit und Verlässlichkeit. Es gibt uns als Unternehmen Planungssicherheit und stärkt den Standort hier in der Mitte Deutschlands“, sagte Geschäftsführer Jürgen Betzing auf MZ-Nachfrage.

Für den Fall, dass der Bund Kapazitäten abruft, sieht Betzing sein Unternehmen gut vorbereitet. Man investiere bereits seit Jahren in den Standort, steigere Kapazitäten und Kompetenzen. Aktuell befindet sich ein zusätzliches Produktionsgebäude für 100 Millionen Euro im Bau. Im Zuge dessen entstünden seit 2020 rund 350 Arbeitsplätze sowie Räumlichkeiten für die Wirkstoffherstellung bis zur Abfüllung und Verpackung. Sie werden laut IDT Anfang 2023 in Betrieb gehen und unmittelbar danach für die Versorgung der Bundesregierung bereitstehen.

Somit seien künftig „sowohl die laufenden Projekte unserer Kunden gesichert als auch die kurzfristige Pandemieversorgung“, erklärte Betzing. 2021 hatten noch langjährige Kunden der IDT zurückgesteckt und Kapazitäten für die Herstellung von Astrazeneca und Johnson & Johnson zur Verfügung gestellt.

Der Bund zahlt den Unternehmen ab dem Zeitpunkt der Bereitschaft ein jährliches Bereitschaftsentgelt

„Wir haben die Lehren aus der Corona-Pandemie und der anfänglichen Impfstoffknappheit gezogen: Mit den Verträgen sichern wir die Impfstoffproduktion und -versorgung für die kommenden Jahre und treffen Vorsorge für die Bürgerinnen und Bürger in Deutschland“, lässt sich Bundeswirtschafts- und Klimaschutzminister Robert Habeck in einer Pressemitteilung zitieren. Auch Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) begrüßt die Entscheidung: „Pandemiebekämpfung funktioniert am besten mit entschlossenem Handeln, weitsichtiger Planung und ausreichend Ressourcen.“

Der Bund zahlt den Unternehmen ab dem Zeitpunkt der Bereitschaft ein jährliches Bereitschaftsentgelt. Dafür müssen diese Kapazitäten erhalten und im Abruffall zeitnah für die Produktion von ausreichend Impfstoff für die Bürgerinnen und Bürger zur Verfügung stellen. Die Kosten sollen sich auf bis zu 2,861 Milliarden Euro für die Jahre 2022 bis 2029 belaufen.

„Taskforce Impfstoffproduktion“ hatte vor einen Jahr ihre Arbeit aufgenommen

Die „Taskforce Impfstoffproduktion“ hatte bereits vor einem Jahr unter der letzten Bundesregierung ihre Arbeit aufgenommen. Das Mandat soll nun nach der erfolgreichen Ausarbeitung der Verträge zum 31. März 2022 enden.

Neben der IDT gehören auch BioNTech, die Bietergemeinschaft CureVac/GSK, die Bietergemeinschaft Wacker/CordenPharma und Celonic zu den verpflichteten Unternehmen.