Hymne für Fußballverein

Hymne für Fußballverein: Ein Roßlauer hat für RB Leipzig komponiert

Roßlau/Leipzig - Frank Dreibrodts Lied „Stolz des Ostens“ soll vor Heimspielen von RBL in Leipzig zu hören sein.

Von Lisa Garn 01.08.2016, 16:51

Manchmal saß er im Winter frierend in einem fast leeren Stadion. Und manchmal, da waren die Diskussionen über diesen neuen Verein heftig. Aber als die Fangemeinde für die Rasenballer Leipzig (RB) wuchs und die ersten Aufstiege kamen, stand Frank Dreibrodt irgendwann in der Arena und sagte: „Wir brauchen jetzt aber eine Hymne!“ Der Roßlauer hat sie nun geschrieben, eine Hymne für die Fans - und gegen die Kritiker.

Sein rockiger Song „Stolz des Ostens“ soll vor den Heimspielen von RB gespielt werden. Außerdem gibt es einen Live-Auftritt mit Band zur Saisoneröffnung Mitte August. „Das erste Mal wird die Hymne im September gespielt, wenn Borussia Dortmund nach Leipzig kommt“, sagt der 38-Jährige. „Das ist für mich was ganz Großes.“ Dabei war Dreibrodt anfangs gar nicht mal so begeistert vom bis heute umstrittenen Verein.

Als sich RB Leipzig vor sieben Jahren gründete, ist er zufällig mal mitgegangen, irgendwann regelmäßig. „Ich glaube, keiner ist ein RB-Fan der ersten Stunde. Man muss erst etwas erleben mit dem Verein, Spiele sehen. Das wächst Stück für Stück“, sagt Dreibrodt. Und sicher spielen die Erfolge eine Rolle. RB Leipzig gibt es erst seit 2009 - und doch spielt er jetzt schon in der Ersten Bundesliga. Der Grund: Red Bull-Chef Dietrich Mateschitz investiert Millionen in den Klub. Und das stört viele.

Hass und Wut auf Club und Anhänger

Spieler und Fans werden beschimpft, Hass-Plakate werden gehisst, vor allem bei Auswärtsspielen ist die Wut auf den „Plastikklub“ groß. Erst im Juli waren vor einem Testspiel in Frankfurt/Oder Nägel und Schrauben in den Strafräumen des Stadions verteilt worden. Dreibrodt will mit seinem Song auch jene ansprechen, die stets und ständig kritisieren.

Vor ein paar Jahren schon hatte er sich an den Verein gewandt: RB hat Geld, ein wunderbares Stadion, tolle Fans, Aufstiege – aber ein Club-Lied hat er nicht. Ein Novum im deutschen Profifußball wäre das. „Andere haben Hymnen, wir hatten zwar Fangesänge, aber keinen eigenen Song. Das wollte ich ändern. Aber RB wollte nicht.“

Vater ist Stadtmusikdirektor

Dreibrodt stammt aus einer sehr musikalischen Familie. Sein Vater Willi Dreibrodt ist der Roßlauer Stadtmusikdirektor, Leiter des Männerchors und Blasorchesters. Sohn Frank spielt mehrere Instrumente, Klavier, Gitarre, Trompete, Schlagzeug und singen kann er auch. Er ist Mitglied im Roßlauer Blasorchester, war in mehreren Bands und ist seit über zehn Jahren Sänger der Band „Hörinfarkt“, die Stile von Ska, Punk und Rock’ n’ Roll vereint. Gegründet in Dessau, leben die Mitglieder nun in und um Leipzig. Auch Dreibrodt wohnt dort seit 2000, arbeitet als Diplom-Ingenieur bei BMW, hat geheiratet und zwei Söhne. Auch Fußball war Teil des Lebens, in Roßlau und Coswig hat er selbst gespielt.

An der Idee zur Hymne für RB hatte er sich festgebissen. Und schließlich stimmte der Verein 2015 doch zu. Der Fanverband, unter dessen Dach 26 Fanclubs organisiert sind, sollte auf der Internetseite eine Ausschreibung starten. Eine Arbeitsgruppe Hymne wurde gegründet.

Für die Aktion „Fans singen für Fans“ ab Februar 2016 reichten Berufsmusiker und Laien über 20 Songs ein. 5.600 Nutzer stimmten ab, Dreibrodts Song kam in die Endrunde – und siegte bei der finalen Abstimmung im Mai. Den Text musste er beim Verein vorlegen. So eine Hymne ist eben doch etwas Sensibles.

Was Dreibrodt mit dem Lied ausrücken will.

Dreibrodt will den Fans ein Lied geben, das Stolz ausdrückt, Kraft und Geschlossenheit. „Wir haben keine Geschichte, das stimmt. Aber wir müssen sie eben jetzt gemeinsam schreiben“, sagt der Musiker. „Mit dem Song zeigen wir, dass wir Selbstvertrauen haben, ohne arrogant zu sein.“ Ein paar andere Punkte waren auch wichtig: Keine Diskriminierung, keine Gewalt, Fairness und der Bezug zur Stadt.

Die Argumente der RB-Kritiker, die versteht Dreibrodt nur bedingt. „Ich sehe den großen Unterschied zu anderen Clubs nicht. Außer, dass Fans weniger mitbestimmen können als in anderen Vereinen. In allen hochklassigen Clubs gibt es Sponsoren, die viel Geld hineinstecken. Punkt.“

Mit den Kindern im Stadion

In Familie im Stadion zu sitzen, das funktioniert noch nicht so ganz. Die Söhne sind acht und elf Jahre alt. Der letzte Versuch scheiterte: Zwei Tore hatte Frank Dreibrodt verpasst – beim ersten war er mit dem Kleinen auf Toilette, beim zweiten schon weg, weil den Kindern langweilig war. Aber der Ältere, darauf besteht Sohn Sebastian, hat trotzdem Anteil an der Hymne. Er schrieb die letzte Strophe.

Bisher existiert nur ein Demo, Instrumente und Gesang hat Dreibrodt selbst eingespielt. Für eine professionelle Studio-Aufnahme fehlt allerdings Geld, etwa 800 Euro. „Der Fanverband hat mir sehr geholfen. Nun hätte ich mir mehr Unterstützung vom Verein gewünscht.“ Aber der habe gemeint, das sei Sache der Fans. Dreibrodt sucht nun Sponsoren.

Wer hat den besseren RB-Song geschrieben, Krumbiegel oder Dreibrodt?

Aber war da nicht noch was? Sebastian Krumbiegel von den Leipziger „Die Prinzen“ hatte doch auch eine Hymne geschrieben. Eine, die er dem RB-Vorstand bei einer Privatsession präsentierte und nun Vereinshymne heißt. Als „Du bist mein Verein“ im Mai öffentlich vorgestellt wurde, waren die Meinungen geteilt.

Von RB heißt es auf Nachfrage, dass immer klar gewesen sei, dass der Verein eine eigene Hymne wollte. Krumbiegels Version hätte überzeugt, man freue sich aber, dass es auch einen Fan-Song gebe. Offizielles und festes Lied sei jedoch das vom Prinzensänger. Dass es nun quasi eine Doppel-Hymne gibt, dazu will Dreibrodt nicht viel sagen. Nur: „Es gibt eine Vereins-Hymne und einen Fan-Song“, so Dreibrodt. „Beides wird im Stadion gespielt. Und ich freue mich einfach, dass mein Lied bald tausende Stimmen singen.“

(mz)