Antisemitische Hetz-Mail

Hetz-Mail an DWG in Dessau: Polizei ermittelt jetzt in ganz Mitteldeutschland gegen Neonazi

Dessau - Nach der Strafanzeige der Dessauer Wohnungsbaugesellschaft (DWG) gegen den Thüringer Neonazi Jörg Krautheim wird die Polizei in Mitteldeutschland die Ermittlungen bündeln.

09.09.2016, 06:00
Neonazis bei einer Demonstration.
Neonazis bei einer Demonstration. dpa-Zentralbild

Nach der Strafanzeige der Dessauer Wohnungsbaugesellschaft (DWG) gegen den Thüringer Neonazi Jörg Krautheim wird die Polizei in Mitteldeutschland die Ermittlungen bündeln.

Der Grund: Krautheim hatte seine antisemitische Hetz-Mail unter dem Betreff „Satanische Verse des Mosaismus“ am Sonntagabend nicht nur an die DWG und die Pressestelle der Dessau-Roßlauer Stadtverwaltung geschickt, sondern nach MZ-Informationen bundesländer-übergreifend an mehrere Arbeitsagenturen, Ausländerbehörden, Pressestellen der Polizei, aber auch an das Landeskriminalamt Thüringen.

„Der Fall hat überregionale Bedeutung. Wir stehen mit allen zuständigen Dienststellen und Behörden in den jeweiligen Bundesländern im Kontakt“, sagte Sebastian Opitz, Sprecher der Polizeidirektion Ost in Dessau.

Engangement in NPD und bei „Die Rechte“

Krautheim, Jahrgang 1978, ist in der rechtsextremen Szene in Mitteldeutschland kein Unbekannter. Der Thüringer war einst Mitbegründer der „Kameradschaft Gera“ und war engagiert bei der NPD und der Partei „Die Rechte“.

Auf seiner Webseite wirbt der Thüringer offen für das NSDAP-Programm, veröffentlicht dort Beiträge von Holocaust-Leugnern und stellt für die von ihm initiierte Verbreitung und Versendung von verbotenen Büchern schon mal Strafanzeigen gegen sich selbst.

Es ist erstaunlich, dass die Webseite noch online ist. Die Polizei führt Krautheim nach MZ-Informationen als „Politisch Motivierten Straftäter Rechts“.

In diesem Fall gilt „Null-Toleranz-Prinzip“ für die DWG

Die DWG ist zentraler Partner der Stadt Dessau-Roßlau bei der dezentralen Unterbringung von Flüchtlingen und seit 1992 Kooperationspartner der Jüdischen Gemeinde Dessau.

Man lasse nicht zu, dass jüdische Mitbürger verunglimpft und beleidigt werden, sagte DWG-Sprecher Walter Matthias, an den die Mail persönlich gerichtet war. Bei dem Thema Rassismus und Antisemitismus gelte in der DWG das „Null-Toleranz-Prinzip“. (mz/sb)