Filmproduktion

Filmproduktion : Märchenhaftes im Schloss

Dessau/MZ - „Ruhe bitte, Probe!“ Schauspieler, Kameramann, Regie und Aufnahmeleitung gehen auf ihre Positionen. Es wird still im „Salon de compagnie“ des Mosigkauer Schlosses. Das vorbereitete Motiv stellt die Hochzeitsvorbereitungen dar: „Nikolas beugt sich dem Willen seines ...

Von Martin Paul

„Ruhe bitte, Probe!“ Schauspieler, Kameramann, Regie und Aufnahmeleitung gehen auf ihre Positionen. Es wird still im „Salon de compagnie“ des Mosigkauer Schlosses. Das vorbereitete Motiv stellt die Hochzeitsvorbereitungen dar: „Nikolas beugt sich dem Willen seines Vaters.“

Der Ton muss eingerichtet, das Licht richtig gesetzt werden. Die Kamera für Patrick Popow ist auf Schienen montiert, um den besten Blickwinkel auf die Szenerie zu bekommen. „Wir gehen auf Anfang. Und bitte!“ König Sigismund (Christian Steyer) und Prinz Nikolas (Philipp Danne) stehen sich gegenüber. Durch die hohen Fenster fällt das Licht der aufgebauten Scheinwerfer.

„Im 18. Jahrhundert war der Salon das Spielzimmer von Prinzessin Anna Wilhelmine von Anhalt-Dessau“, erklärt Kristina Schlansky von der Kulturstiftung Dessau- Wörlitz. „Dort hat die höfische Gesellschaft die Nachmittage verbracht.“ Also durchaus passend als Kulisse für einen Märchenfilm um Könige, Prinz und eine verliebte Meerjungfrau.

In dem geschmückten ehemaligen Spielzimmer ist ein schwerer Esstisch aufgebaut, mit Blumenschmuck dekoriert und Geschirr und Weinkaraffen sind verteilt. „Danke. Für die Esszimmerszene sollte der Diener dann hier in der Ecke stehen“, korrigiert Regisseurin Irina Popow die Aufstellung.

Noch bis zum heutigen Sonnabend dreht das Filmteam der Erfurter Produktionsfirma Kinderfilm im Auftrag des MDR das bekannte Märchen über die kleine Meerjungfrau nach Hans Christian Andersen. Weitere Stationen sind unter anderem der Sommerspeisesaal im Schloss Oranienbaum und die Wörlitzer Anlagen.

„Insgesamt 15 Drehtage sind eingeplant“, erklärt der Aufnahmeleiter der Produktion Paul Markurt, „und unser Meer wird der Geiseltalsee werden.“ Er organisiert die einzelnen Drehtermine, spricht sich mit Statisten, Darstellern und Zulieferern ab, koordiniert die Film-Teams und plant den engen Tagesablauf.

Mit dem Mosigkauer Schloss als Drehort ist er sehr zufrieden. „Wir werden viel von der Kulturstiftung unterstützt. Dafür müssen wir aber sehr auf das sensible Kulturgut achten.“ Das sei der Preis dafür, wenn man in einem historischen Gebäude filmt. „Aber bis jetzt ist bei all dem Gedränge nichts Gravierendes passiert“, berichtet Kristina Schlansky.

Die Stative werden mit Tennisbällen abgefedert und unter Kameraschienen und Kisten werden Teppiche gelegt, um den wertvollen Parkettfußboden zu schonen. Auch ist immer ein Mitarbeiter der Kulturstiftung vor Ort, um Hinweise für den richtigen Umgang mit den Gegenständen zu geben. „Das Wertvollste hier sind sicher unserer Gemälde. Die kann man auch nicht ersetzen, wenn jemand ausversehen dagegen stößt“, erklärt die Museumsführerin Kathleen Magister. Und an Erfahrung mit Filmteams mangelt es nicht. „Mosigkau ist ja schon seit langen Zeiten Filmschloss“, erzählt Schlansky.

Schon zu DEFA-Zeiten wurde hier für das Fernsehen gedreht, beispielsweise „Das Duell“ nach Anna Seghers oder der Mehrteiler „Sachsens Glanz und Preußens Gloria“. Und 2010 ist die „Prinzessin auf der Erbse“ für die ARD-Reihe „Sechs auf einen Streich“ aufgenommen. „Das Schloss scheint mit seinem Ambiente sehr anziehend für Märchenfilme zu sein“, mutmaßt Kristina Schlansky.

Nicht nur die Kulisse, auch die Geschichte von Hans Christian Andersen ist für Paul Markurt sehr gut für die Verfilmung geeignet. Die Meerjungfrau rettet einen Prinzen, verliebt sich und muss sich entscheiden, ob sie ihr Leben am Meeresgrund für ihn aufgeben will. „Am Ende ist es die Frage, was man bereit ist, für die Liebe zu tun“, fasst Markurt zusammen.

„Weit draußen im Meere ist das Wasser so blau wie die Blütenblätter der schönsten Kornblume“, beginnt das Märchen „Die kleine Seejungfer“ bei Hans Christian Andersen. „Wie es bei uns endet, verrate ich natürlich nicht“, schmunzelt Markurt.