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Einwohner : Dessau-Roßlau weiter älteste Stadt Deutschlands

Dessau-Roßlau - Auf der Karte aller Bundesländer erscheint Dessau-Roßlau dunkelrot - und ist damit als älteste Stadt in Deutschland ausgewiesen.

Von Lisa Garn 27.10.2017, 14:39

Auf der Karte aller Bundesländer erscheint Dessau-Roßlau dunkelrot - und ist damit als älteste Stadt in Deutschland ausgewiesen.

Die Einwohner haben mit 49,3 Jahren das höchste Durchschnittsalter der gesamten Republik. Zusammen mit dem Landkreis Altenburger Land, in dem das Alter ebenso hoch ist. Auf Platz drei folgt die Stadt Suhl in Thüringen mit 49 Jahren.

Es ist ein trauriger Spitzenplatz, den das Nachrichtenmagazin „Spiegel“ in seiner aktuellen Ausgabe beschreibt. Dort hat man sich mit der Bevölkerungsstruktur befasst und online eine Deutschlandkarte mit mehreren Kategorien aufbereitet. Das Durchschnittsalter in Deutschland liegt bei 43,9 Jahren.

Weniger und ältere Einwohner in Dessau-Roßlau

Die Zahlen, basierend auf Daten des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) und des Statistischen Bundesamtes bis 2015, bestätigen einen Rekord. Im vergangenen Jahr war Dessau-Roßlau schon laut Statistischem Landesamt die älteste Stadt in Sachsen-Anhalt.

Das Durchschnittsalter sei im vergangenen Vierteljahrhundert dramatisch angestiegen, war eine der Kernaussagen. Und 2014 gehörte die Stadt zu den vier Regionen mit den meisten Rentnern in Europa. Das hatte Eurostat, das statistische Amt der Europäischen Union, ermittelt.

„Es ist ein Trend, der sich für Dessau-Roßlau verfestigt hat“, schätzt Andreas Simm, Direktor des Interdisziplinären Zentrums für Altern ein, das an der Uni in Halle angegliedert ist. „Die Zahlen werden sich weiter so entwickeln.“

Die Stadt weiß das. Im aktuellen Sozialbericht von Dessau-Roßlau, der unter anderem die Bevölkerungsentwicklung zwischen 2011 und 2015 analysiert, heißt es: Die Stadt hat weiter Einwohner verloren, wenn auch nicht mehr so stark - und sie ist noch älter geworden. 2011 lag der Anteil an Senioren bei 28,5 Prozent - 2015 waren es dann knapp 30 Prozent.

Stadt hatte kurz nach der Wende 100.000 Einwohner

Kurz nach der Wende hatte Dessau noch fast 100 000 Einwohner. Danach begann ein extremer Abwärtstrend. Nach der Fusion im Jahr 2007 kam Dessau-Roßlau noch einmal auf 90 000. Doch der Einwohnerschwund setzte sich fort. Ende 2015 hatte die Doppelstadt knapp 83 300 Einwohner. Die Aufnahme von Flüchtlingen hat anschließend erstmalig nach der Wende wieder dazu geführt, dass die Zahl leicht gestiegen ist. Aktuell liegt sie laut Stadtverwaltung bei 84 995 Einwohnern.

Mit dem Bevölkerungsrückgang und einer hohen Altersstruktur haben besonders Kommunen im Osten Deutschlands zu kämpfen. „Weil nach der Wende viele strukturschwache Gebiete an junger Bevölkerung verloren haben, altern diese schneller“, analysiert das BBSR. „Die Kluft zwischen wachsenden Groß- und Universitätsstädten und den Gebieten jenseits der Ballungsräume hat sich in den letzten Jahren vertieft.“

Arbeitsplätze im Fokus

Wie viele andere Kommunen sucht auch Dessau-Roßlau nach Lösungen. Doch die Entwicklung in Größenordnungen zu stoppen, das dürfte schwierig werden, meint Altersforscher Simm. „Trends umzukehren ist ein sehr schwerer Prozess. Ob und wie man es schaffen kann, ist wirklich ein Problem. Hier stehen Arbeitsplätze im Mittelpunkt, die Versorgung mit Infrastruktur, um für Familien attraktiv zu werden, oder auch eine gezielte Zuwanderung.“

Mittelfristig müsse es um den Zuzug junger Menschen gehen, die Kinder bekommen. Langfristig dann um höhere Geburtenraten. Um Einwohnerzahlen zu steigern, müsste eine Geburtenrate von über 2 erreicht werden. Deutschlandweit liegt diese bei 1,5. (mz)