Ein neuer alter Bus

Ein neuer alter Bus: Willkommen in Dessau, „Berliner Stern“

Berlin/Dessau - Der Traum der Nahverkehrsfreunde Dessau ist wahr geworden. Noch steht der über 30 Jahre alte Bus in Berlin - das soll sich bald ändern.

Von Tina Schwarz 01.01.2017, 08:00

Lange haben die Mitglieder des Vereins Nahverkehrsfreunde Dessau auf ihn gewartet: Den historischen Omnibus mit dem silbernen Mercedes-Stern. Lange hat das Geld gefehlt, den alten Berliner zu kaufen. Doch jetzt können sie ihn endlich nach Dessau-Roßlau holen.

Der Bus war ein Zufallsfund in Berlin

„Der Bus war eigentlich ein Zufallsfund“, erinnert sich Dirk Edelmann, Mitinitiator und zweiter Vorsitzender des Vereins. Im Juni 2015 machten er und ein anderes Vereinsmitglied einen Ausflug nach Berlin zu den Feierlichkeiten anlässlich ’150 Jahre Straßenbahn.’

„Wir wollten uns ursprünglich eigentlich nur die historischen Straßenbahnkorsos anschauen“, erzählt Edelmann, der eine Ausbildung zum Straßenbahnfahrer in Leipzig macht. „Aber wir dachten uns, wenn wir schon mal hier sind, können wir uns auch gleich die berühmte Buslinie 218 anschauen.“

Auf dieser sind regelmäßig historische Fahrzeuge der Arbeitsgemeinschaft Traditionsbus Berlin unterwegs, die alte Busse sammeln und aufbereiten. Auch zum Verkauf werden einige Exemplare angeboten. „Dort haben wir auch unseren Bus entdeckt“, erzählt der Nahverkehrsfreund. Verliebt hatten sie sich in das Mercedes Benz-Fahrzeug mit der Nummer 0305 aus dem Jahr 1983.

Dieser hat schon ein bewegtes Leben hinter sich. Zwischen 1983 und 2001 war das Fahrzeug für die Berliner Verkehrsbetriebe als Linienbus im Einsatz. Danach ging er mit drei anderen Bussen an eine Künstlerin, die diese einige Zeit für ein rollendes Opernprojekt nutzte.

Alle Fahrzeuge sind deswegen innen sowie außen mit kleinen Spiegeln beklebt. Danach kam der Bus zu dem Berliner Verkehrsverein, der die Busse seit einiger Zeit aber wieder unter den Hammer bringen will.

Spendenaktion für den Bus gestartet

Für Edelmann und seine Mitstreiter eine günstige Gelegenheit, den einstigen Linienbus in die Doppelstadt zu holen. 5.000 Euro müssen sie dafür aufbringen. Sehr viel Geld für den kleinen Verein.

Die Suche nach Sponsoren und Spenden begann. „Wir sind dann aber irgendwo bei 2.500 Euro stehen geblieben. Danach verlief das Projekt im Sand“, erklärt Edelmann. Bis das Autohaus Moll aus Oranienbaum, das bereits eine erhebliche Summe gesponsert hatte, dem Verein vor ein paar Monaten aus der Patsche half und den Bus komplett bezahlte.

„Wir schlossen eine Kooperation ab. Der Bus gehört dem Autohaus, wir können ihn aber kostenfrei für unsere Sonderfahrten nutzen“, erklärt der Straßenbahnfahrer. Mit der benötigten Summe im Gepäck fuhren die Nahverkehrsfreunde wieder nach Berlin und kauften den Oldtimer.

Mühsam haben sie alle Spiegel abgemacht. „Sonst darf der Bus nämlich nicht im Straßenverkehr teilnehmen“, erzählt Edelmann. Zur Erinnerung an seine Vergangenheit bleiben im Innenraum jedoch ein paar davon erhalten. „Man soll dem Bus ja schließlich seine Geschichte ansehen.“

Der historische Bus soll in Zukunft noch eine Außenwerbung bekommen. Auch kleinere Reparaturen müssen noch durchgeführt werden. „Der Lack muss an einigen Stellen noch ausgebessert werden“, so Edelmann weiter. Spätestens im Frühjahr soll der Bus nach Dessau-Roßlau überführt werden.

„Am liebsten wäre es mir natürlich noch in diesem Jahr“, sagt Edelmann voller Vorfreude. Bei der Überführung will er mit dem Oldtimer über den Dessauer Busbahnhof fahren. „Damit hat man dann mal den Vergleich zwischen alt und neu und kann schon etwas Werbung machen.“

Rund- und Themenfahrten durch Dessau

Für ihre Rund- und Themenfahrten haben sie bisher historische Bahnen und einen Bus der Dessauer Verkehrsgesellschaft angemietet. Der war allerdings aus dem Jahr 1996 und nicht so richtig nostalgisch. „Im letzten Jahr hatten wir fünf Fahrten mit rund 120 Fahrgästen gemacht.

Das hat uns bestätigt, das zu wiederholen.“ Auch im kommenden Jahr wollen die Nahverkehrsfreunde historische Rundfahrten anbieten. Aber auch für Hochzeiten und Geburtstagsfeiern kann der Bus gemietet werden. Außerdem wünscht sich der Verein, dass der „Berliner Stern“ für Themenfahrten zum Bauhausjubiläum 2019 eingesetzt wird. (mz)