Provokante E-Mail

DWG stellt Strafanzeige: Dessauer Wohnungsbaugesellschaft zeigt Thüringer Neonazi an

Dessau - Bekannter Neonazi verschickt Mail mit antisemitischen Inhalt - als gezielte Provokation?

07.09.2016, 07:29
Neonazis bei einer Demonstration.
Neonazis bei einer Demonstration. dpa-Zentralbild

Die Dessauer Wohnungsbaugesellschaft (DWG) hat am Dienstag gegen den bekannten Thüringer Neonazi Jörg Krautheim Strafanzeige wegen Volksverhetzung gestellt. Der größte Vermieter der Doppelstadt hatte am Sonntagabend eine umfängliche E-Mail mit antisemitischen Inhalt von dem rechtsextremen Akteur erhalten. Die gleiche E-Mail soll auch bei der Pressestelle der Stadtverwaltung eingegangen sein.

Warum Dessau als Ziel?

„Mir ist ein Rätsel, wie der Mann auf Dessau und auf uns gekommen ist“, sagte Walter Matthias, Sprecher der DWG und seit Jahren in der Stadt in der Integration von Flüchtlingen engagiert.

Allerdings müsse Krautheim etwas recherchiert haben: Die Mail war nicht an die allgemeine DWG-Adresse, sondern direkt an Matthias geschickt worden. „Ich muss davon ausgehen, dass das gezielt passiert ist. Beim Inhalt hat mir ob der ganzen judenfeindlichen Thesen schon der Atem gestockt.“

Die DWG ist zentraler Partner der Stadt bei der dezentralen Unterbringung von Flüchtlingen. In dem Strafantrag wird zudem darauf verwiesen, dass die DWG seit 1992 als wichtiger Kooperationspartner mit der Jüdischen Gemeinde Dessau verbunden ist und viele Mitglieder in Wohnungen des Unternehmens wohnten. Man lasse nicht zu, dass jüdische Mitbürger verunglimpft und beleidigt werden, sagte Matthias. Bei dem Thema Rassismus und Antisemitismus gelte in der DWG das „Null-Toleranz-Prinzip“.

Neonazi stellte Strafanzeigen gegen sich selbst

Krautheim, Jahrgang 1978, ist in der rechtsextremen Szene kein Unbekannter - und immer wieder durch Provokationen auffällig geworden.

Der Thüringer war einst Mitbegründer der „Kameradschaft Gera“ und war engagiert bei der NPD und der Partei „Die Rechte“. Auf seiner Webseite wirbt der Thüringer offen für das NSDAP-Programm, veröffentlicht dort Beiträge von Holocaust-Leugnern und stellt für die von ihm initiierte Verbreitung und Versendung von verbotenen Büchern schon einmal Strafanzeigen gegen sich selbst. (mz/sb)