Getötete Studentin

Dessau: Trauerfeier von getöteter Studentin mit Familie und Freunden

Dessau - Eine weiße Chrysantheme. 1,20 Euro zahlt der junge Chinese bei Regina Dockendorf, seit 1990 Blumenhändlerin am Zentralfriedhof in Kleinkühnau. Noch eine Verbeugung. Der nächste Kunde, gleicher Wunsch, gleicher Ablauf. Die Studenten, die Abschied von Yangjie Li nehmen, kaufen alle eine weiße Chrysantheme. 50 Einladungen haben die Eltern der in Dessau-Roßlau getöteten Studentin verschickt. Alle sind gekommen, vor allem Angehörige und Freunde des ...

Von Ralf Böhme 02.06.2016, 15:33

Eine weiße Chrysantheme. 1,20 Euro zahlt der junge Chinese bei Regina Dockendorf, seit 1990 Blumenhändlerin am Zentralfriedhof in Kleinkühnau. Noch eine Verbeugung. Der nächste Kunde, gleicher Wunsch, gleicher Ablauf. Die Studenten, die Abschied von Yangjie Li nehmen, kaufen alle eine weiße Chrysantheme. 50 Einladungen haben die Eltern der in Dessau-Roßlau getöteten Studentin verschickt. Alle sind gekommen, vor allem Angehörige und Freunde des Mordopfers.

Abschied von Yangjie Li

Donnerstagnachmittag ist es hier still, wie jetzt wohl nirgendwo in Dessau-Roßlau. Die Menschen verbindet die Konzentration auf etwas Unvermeidliches, den Abschied von Yangjie Li. Die Gäste auf dem Weg zur Trauerhalle verstehen sich ohne Worte. Gesten und Blicke genügen. Blumenhändlerin Regina Dockendorf kann sich an keine vergleichbare Trauerfeier erinnern.

Auf die Minute, Punkt 15 Uhr, sitzen die Gäste, darunter Vertreter der Hochschule Anhalt und der chinesischen Botschaft, auf ihren Stühlen. Zuvor haben sie den Eltern, die bereits im Raum gewesen sind, ihr Mitgefühl ausgedrückt. Blickfang ist das inzwischen weithin bekannte Bild von Yangjie Li. Es zeigt die Architekturstudentin lächelnd, vor sich eine künstlerische Arbeit und Werkzeuge. Das Foto, aufgenommen von einer Hochschullehrerin, ist erst wenige Wochen vor dem Tod der Studentin entstanden.

Zusammensein zählt in diesen Minuten

Medienvertreter sind zur Trauerfeier nicht zugelassen. Die MZ respektiert diesen Wunsch selbstverständlich. Ein Teilnehmer berichtet nach der einstündigen Veranstaltung. Nur eine schlichte graue Urne mit der Asche der Toten habe auf einem Podest gestanden, umrankt von weißen Blumen. Nicht lange Reden, so der Augenzeuge, sondern das Zusammensein zählt in diesen Minuten. Zum Abschied stecken sich die Teilnehmer nach Landessitte eine weiße Blume an das Revers.

Im Anschluss an das Zeremoniell trifft sich der engste Familienkreis, der seine Abreise für Freitag plant, in der Hochschule Anhalt. Die Bildungsstätte ist für Yangjie Li für drei Semester ein zweites Zuhause gewesen. Ab Herbst hätte sie dort an ihrer Masterarbeit schreiben sollen.

Die Eltern konnten ihr getötetes Kind vor der Einäscherung noch einmal sehen. Das bestätigen die Menschen, die sie während des Aufenthaltes in Deutschland betreuen.

„Unvorstellbar ist das Leid"

Auch Polizisten, die mit dem Vater von Yangjie Li lange Gespräche geführt haben, sind zum Friedhof gekommen. Markus Loichen, Leiter Zentrale Aufgaben des Polizeireviers Dessau-Roßlau: „Unvorstellbar ist das Leid, das die Angehörigen ertragen müssen.“ Damit verbunden sei der Wunsch der Familie, möglichst bald Klarheit über die Umstände des Todes, den Schuldigen und alle damit verbundenen Fragen zu erlangen. „Im Moment steht der Fall im Mittelpunkt unserer Arbeit.“

Bis zum Wochenbeginn war die Leiche des Mordopfers noch in der Gerichtsmedizin in Halle untersucht worden. Erst anschließend erfolgte die Freigabe, Voraussetzung für die Einäscherung und die Überführung der sterblichen Überreste nach China.

Puzzle fügt sich zusammen

Die Ermittlungsgruppe Anhalt, verstärkt von Beamten aus dem Landeskriminalamt, sei schon weit voran gekommen, sagt Loichen. Zwei dringend Tatverdächtige sitzen in Untersuchungshaft. „Was uns die nächste Zeit beschäftigt“, so Loichen, „ist in keinem Tatort-Krimi zu sehen.“ Da gehe es um akribische Kleinarbeit, das Zusammenführen von tausenden Informationen, um Gutachten und nochmalige kriminaltechnischen Untersuchungen an verdächtigen Stellen. „Eine Riesenherausforderung, der sich jeder Beteiligte stellt.“

Zum aktuellen Stand: Nach MZ-Informationen soll sich das Puzzle für die Ermittler allmählich zusammenfügen, auch wenn die Verdächtigen schweigen. Es zeichnet sich offenbar ab, dass viele Spuren, Aussagen und andere Hinweise den Verdacht gegen die Tatverdächtigen erhärten. Entlastendes, nach dem nach Angaben eines Ermittlers „selbstverständlich in gleichem Umfang“ gesucht werde, finde sich bislang dagegen wenig. (mz)