Bilder-Übergabe an Anhaltische Gemäldegalerie Bilder-Übergabe an Anhaltische Gemäldegalerie: Willkommen zu Hause!

Washington/Dessau - Es ist irgendwie passend, dass ein „Verlorener Sohn“ unter den drei Bildern ist, die am Montag nach Dessau an die Anhaltische Gemäldegalerie zurückkehren. In den Kriegswirren in einen Salzstock nach Bernburg gebracht und 1945 verschwunden, wurden die Bilder Anfang Mai in Washington dem deutschen Botschafter übergeben. Der feierliche Akt fand viel Aufmerksamkeit, nicht zuletzt, weil George Clooneys Film „Monuments Man“ bei der Rückgabe geholfen hatte. Am Montag wird Robert M. Edsel, Vorsitzender der Stiftung Monuments Man Foundation, die Bilder mit nach Dessau bringen.
Glückliche Fügung
Die Bilder sind nicht nur als kostbare Einzelstücke eine glückliche Fügung für das Haus, sondern sie bereichern sozusagen ihre „Familie“, das heißt die Sammlung auf ihren jeweiligen Gebieten. Sammlungsleiterin Monika Zisché kann das bestätigen.
So ist der „Verlorene Sohn“ ein Werk des Antwerpener Malers Frans Francken III (1607-1667), das heißt einem Sprössling in dritter Generation der Malerfamilie Francken. Von seinem Vater, Frans Francken dem Jüngeren, besitzt die Dessauer Galerie drei Gemälde, von dessen Vater vier. Von dem jüngsten Francken gab es in der Sammlung nur dieses eine Bild, so dass die „Familie“ in diesem Fall wirklich wieder komplett ist.
Die Franckens bedienten die Nachfrage nach religiösen Bildern. Antwerpen war anfangs eine Hochburg der Reformation gewesen, aber nach der spanischen Eroberung 1585 wurde sogleich die Rekatholisierung eingeleitet. Die Protestanten mussten fliehen oder zum katholischen Glauben übertreten, was Priester denn auch in regelmäßigen Glaubensprüfungen kontrollierten. Ein Sujet wie die Aufnahme des Verlorenen Sohnes bei seinem Vater wurde im allegorischen Sinne verstanden, als Gleichnis für die göttliche Gnade und Barmherzigkeit.
Franz de Paula Fergs (1689-1740) „Landschaft mit Staffage“, das zweite Bild, zeigt sich von niederländischer und italienischer Malerei beeinflusst. Der Künstler selbst stammt allerdings aus Wien und lebte lange Zeit in London. Von ihm besaß die Galerie drei Werke, und laut Inventarliste lagen die anderen beiden, noch immer verschollenen Bilder in der gleichen Kiste im Bernburger Kalischacht Solvayhall. Dennoch gibt es jetzt wieder drei Bilder von ihm in der Galerie, weil zwei kleinformatige Hafenszenen neuerdings Franz de Paula Ferg zugeschrieben werden.
In privaten und öffentlichen Sammlungen ist Ferg vielfach vertreten. Aber sein Leben, das sei angemerkt, endete tragisch. In London, wird berichtet, scheint er Opfer depressiver Zustände geworden zu sein. Er verdingte sich als Porzellanmaler, verarmte aber zusehends und musste praktisch jedes frisch gemalte Werk zum Pfandhaus bringen. Eines Nachts fand man ihn tot und von Entbehrungen gezeichnet auf der Straße.
Derlei Probleme hatte der aus Weimar stammende Christian Wilhelm Ernst Dietrich (1712-1774) sicher nicht. Nicht nur stand seine Kunst bei Sammlern hoch im Kurs, er wurde auch vom sächsischen Kurfürst August II. gefördert, und von August III. zum Dresdner Hofmaler ernannt. Seine „Baumbestandene Felsenlandschaft, im Vordergrund ein Gewässer und eine Staffagegruppe (Alexander der Große und Diogenes)“ steht stellvertretend für seine idealisierende Landschaftsmalerei, für die er auf eine lang zurückreichende Tradition zurückgriff und sich sehr nahe an den herausragenden Meistern des Faches orientierte.
Verschollene Landschaften
Dietrich ist bisher mit zwei seiner Hauptwerke größeren Formates und Themen aus der antiken Mythologie in der Dessauer Sammlung präsent. Verschollen bleiben zwei weitere seiner Landschaftsbilder sowie zwei „Charakterköpfe“. Diese Bilder gehörten wie auch das zurückgekehrte in den 700 Bilder umfassenden Bestand der Amalienstiftung. (mz)