Arbeitsplätze gerettet

Arbeitsplätze gerettet: Überraschende Wende: Karstadt bleibt in Dessau

Essen/Dessau - Gute Nachrichten aus dem Hause Karstadt hatten in den vergangen Jahren Seltenheitswert. Doch diese Nachricht schlug ein wie der Blitz ins Kontor: Die Dessauer Karstadt-Filiale wird weiterbestehen und nicht wie bisher geplant zum 31. März 2016 schließen. Möglich wird dies durch einen Eigentümerwechsel der Immobilie. „Nach konstruktiven Gesprächen sowohl mit dem Alt- und dem Neueigentümer der Immobilie konnten wir einen neuen Mietvertrag auf angepasster wirtschaftlicher Basis abschließen“, sagte Karstadt-Arbeitsdirektor Miguel Müllenbach. Karstadt will in Dessau 70 Arbeitsplätze ...

Von Annette Gens 15.10.2015, 09:25

Gute Nachrichten aus dem Hause Karstadt hatten in den vergangen Jahren Seltenheitswert. Doch diese Nachricht schlug ein wie der Blitz ins Kontor: Die Dessauer Karstadt-Filiale wird weiterbestehen und nicht wie bisher geplant zum 31. März 2016 schließen. Möglich wird dies durch einen Eigentümerwechsel der Immobilie. „Nach konstruktiven Gesprächen sowohl mit dem Alt- und dem Neueigentümer der Immobilie konnten wir einen neuen Mietvertrag auf angepasster wirtschaftlicher Basis abschließen“, sagte Karstadt-Arbeitsdirektor Miguel Müllenbach. Karstadt will in Dessau 70 Arbeitsplätze erhalten.

Der Verkauf der Immobilie wurde am Mittwoch dieser Woche besiegelt, berichtet der Karstadt-Konzern in Essen einen Tag später in einer kurzen und knappen Pressemittelung. Alteigentümer Highstreet, die Immobilien-Holding des Karstadt-Konzerns mit Sitz in Amsterdam, verkaufte die Immobilie an die Hamburger Deutsche Euroshop AG. Die Aktiengesellschaft, die insgesamt 19 Shoppingcenter betreibt, ist 100-prozentige Eigentümerin des Dessauer Rathauscenters - und seit Mittwoch auch des Dessauer Karstadt-Gebäudes.

Rathauscenter ist erfreut

Durch den Verkauf und offensichtlich durch die parallel dazu gelaufenen Mietverhandlungen mit dem Karstadt-Konzern hat sich das Blatt für Dessau gewendet. Vor Ort waren die Reaktionen positiv. „Das ist eine sehr, sehr gute Nachricht für Dessau-Roßlau und für uns“, zeigte sich Anica Helbing, Managerin im Dessauer Rathauscenter, erfreut über das Bleiben von Karstadt. Mit der Deutschen Euroshop AG verbindet das Center immerhin der Name Otto: Rathauscenter-Betreiber ECE Projektmanagement ist eine Tochtergesellschaft des Otto-Konzerns. Alexander Otto wiederum hält 17,3 Prozent der Anteile an der Deutschen Euroshop AG, dem Käufer und Retter.

Am Donnerstagvormittag hatte das Kaufhaus wegen einer kurzfristig anberaumten Mitarbeiterversammlung später geöffnet. „Für alle kam die Nachricht über die Rettung des Hauses total unerwartet, die Reaktionen unter den Mitarbeitern war entsprechend verhalten, denn alle waren sprachlos“, schilderte Annette Dieckmann, Leiterin der Dessauer Karstadt-Filiale. „Wir sind alle sehr glücklich, dass wir auch künftig für unsere Kunden in Dessau da sein werden. Aber wir erwarten jetzt auch ein Engagement der Stadt Dessau zur Verbesserung unserer Rahmenbedingungen“, sagte Dieckmann und erinnert beispielsweise an den vergangenen Sonnabend und den Bauernmarkt. Die Dessau-Roßlauer seien mit Freude über den Markt am Rathaus geschlendert. „Von dieser Stimmung profitiert der Handel“, erklärte die Karstadt-Filialleiterin und mahnte an: „Solche Veranstaltungen brauchen wir mehr in Dessau.“ Da sei vor allem die Stadt in der Pflicht.

Für die Filiale beginnt jetzt ein Neustart. Die Mitarbeiter müssen sich nicht mehr beruflich umorientieren. Vor allem aber hört für sie mit der Entscheidung ein langjähriges Bangen und Hoffen um den Arbeitsplatz auf. Vier Jahre wurde über Schließung von Karstadt in Dessau diskutiert. Einige Mitarbeiter haben sich inzwischen umorientiert. Weitere nahmen eine neue Tätigkeit in anderen Karstadt-Filialen auf. Denn niemand glaubte mehr an eine Wende, wie sie jetzt vollzogen wurde. Auch Karstadt selbst schloss diese Wende noch vor Wochen aus. Karstadt Dessau war totgeglaubt und sollte am 31. März 2016 beerdigt werden.

Noch im Juli war Karstadt-Chef Stephan Fanderl sicher, lediglich die Filiale in Mönchengladbach-Rheydt erhalten und für 100 Beschäftigte den Arbeitsplatz sichern zu können. Dort hatte die Stadt die Immobilie gekauft. Den anderen Schließungsfilialen, wozu auch Dessau zählte, hatte der Konzern-Chef damals wenig Hoffnung auf ein ähnliches Happy End gemacht. Karstadt wollte 2016 die Filialen in Recklinghausen, Bottrop, Dessau und Neumünster aufgeben.

Mietvertrag über fünf Jahre

Die 70 Arbeitsplatze in Dessau sollen zumindest fünf Jahre erhalten bleiben. Denn so lange läuft - unbestätigten Angaben zufolge - der Mietvertrag zwischen Karstadt und dem neuen Eigentümer des Gebäudes. Es sind fünf Jahre, die auch Dessau-Roßlau - was die Belebung der Innenstadt betrifft - nutzen muss. So sieht das auch Dessau-Roßlaus Oberbürgermeister Peter Kuras. Der war erfreut über die guten Nachrichten für das Oberzentrum Dessau-Roßlau. Der Karstadt-Chefin stimmte Kuras zu. Der Bauernmarkt vorige Woche habe gezeigt, dass die Leute ihn mögen. „Wir müssen die Innenstadt beleben, Veranstaltungen organisieren: Die Resonanz des Marktes hat uns dabei noch einmal ermutigt.“ (mz)