Kampf gegen Corona

Wo bekommt man in Anhalt-Bitterfeld derzeit eine Booster-Impfung?

Das Interesse an Auffrischungen ist da, aber ohne Impfzentren bleibt diese Aufgabe an den Hausärzten hängen. Landkreis und Zörbig kündigen Entlastung an.

Von Robert Martin, Andrea Dittmar und Michael Maul 15.11.2021, 13:53
Die Corona-Impfstoffe für die mobilen Teams, die zuvor in den Impfzentren lagerten, werden künftig im Landratsamt aufbewahrt.
Die Corona-Impfstoffe für die mobilen Teams, die zuvor in den Impfzentren lagerten, werden künftig im Landratsamt aufbewahrt. (Foto: André Kehrer)

Bitterfeld/Köthen/MZ - Die Inzidenzen steigen wieder rasant an, viele Menschen entscheiden sich nun für eine Impfung. Vor allem das Interesse an den Auffrischungsimpfungen, den sogenannten Boostern, ist groß. Doch wie kommt man aktuell in Anhalt-Bitterfeld an eine Spritze? Nachdem die Impfzentren in Wolfen und Köthen ihre Türen geschlossen haben, gibt es zwei Möglichkeiten: über mobile Impfteams und über niedergelassene Ärzte.

An vielen Orten in Sachsen-Anhalt wird bereits dezentral geimpft. So hat die Magdeburg eine Webseite geschaltet, auf der man unbürokratisch Impftermine buchen kann. Im Landkreis Börde sind mobile Impfteams zwischen verschiedenen Stationen unterwegs, die angekündigt werden.

Bisher gibt es keinerlei dezentrale Impfangebote in Anhalt-Bitterfeld

Doch der Landkreis Anhalt-Bitterfeld hinkt hinterher: Bisher gibt es keinerlei dezentrale Impfangebote. Geplant ist, frühestens in dieser Woche wenigstens mit Auffrischungsimpfungen in Pflegeheimen zu beginnen. Zudem kamen diese Woche die Bürgermeister der Kommunen zusammen, um über das weitere Vorgehen zu beraten. Dabei bot der Kreis an, die beiden mobilen Impfteams auch wieder in die Kommunen zu senden, um dort alle anderen Bürger zu impfen. Der Kreis würde die Impfstoffe stellen und zentral einlagern. Die Resonanz sei positiv gewesen, so Kreissprecher Udo Pawelczyk.

Der Stadt Zörbig dauert das alles zu lange. Sie plant nun, erneut ein dezentrales Impfzentrum einzurichten. Das sagte Bürgermeister Matthias Egert (CDU) gegenüber der MZ. Dort können sich Einwohner, unabhängig vom Alter, eine Boosterimpfung geben lassen. „Wer Bedarf hat, dem wollen wir die Möglichkeit bieten.“ Von Hausärzten sei das Signal gekommen, dass sie Hilfe gebrauchen können. Nun ist die Stadt dabei, eine Telefonnummer einzurichten, bei der sich Interessierte melden können. Gleichzeitig beginne die Stadt, die nötige Technik wieder heranzuschaffen. Das alles geschehe auf eigene Kosten, so der Bürgermeister.

Eine etablierte Möglichkeit, an eine Impfung zu kommen, ist der Weg über den Hausarzt

Eine etablierte Möglichkeit, an eine Impfung zu kommen, ist der Weg über den Hausarzt. Eine MZ-Abfrage unter niedergelassenen Allgemeinmedizinern in Anhalt-Bitterfeld hat ergeben, dass das Interesse an Impfungen zurückkehrt.

„Die Nachfrage nimmt deutlich zu“, berichtet Andreas Petri, Hausarzt in Gröbzig. Haben er und seine Mitarbeiter in den vergangenen Wochen zwischen 20 und 30 Menschen pro Woche immunisiert, könnte er aktuell „zwischen 60 und 90 Patienten“ den Piks verpassen. Das peilt er auch an, hat gerade noch 60 Impfdosen nachbestellt. Klar in der Überzahl sind Auffrischungsimpfungen, sagt er. Von der Idee, die Impfzentren wieder zu öffnen, hält er wenig. Wenn das die Ärzte gut organisieren, bräuchte man diese nicht.

In ihrer Hausarztpraxis in Zscherndorf impft Petra Bergholz selbst. „Wir kennen unsere Patienten am besten“, sagt sie.
In ihrer Hausarztpraxis in Zscherndorf impft Petra Bergholz selbst. „Wir kennen unsere Patienten am besten“, sagt sie.
(Foto: André Kehrer)

Eine Hausärztin aus Wolfen wünscht sich, dass die Impfzentren wieder öffnen - als Entlastung

Ähnlich sieht es Petra Bergholz, die in Zscherndorf eine Hausarztpraxis betreibt. Auch bei ihr steigt die Nachfrage, aber sie sieht große Unterschiede zwischen den Altersgruppen. „Die alten Leute fragen sehr viel nach, bei den Jüngeren ist das noch verhalten.“ Sie ist der Meinung, dass der Mehraufwand durch die Impfungen mit guter Planung durchaus machbar ist. „Wenn die Ärzte gut organisiert sind, brauchen wir keine Impfzentren“, erklärt Petra Bergholz. „Wir kennen unsere Patienten am besten“, sagt sie.

Es gibt jedoch auch andere Stimmen. Eine Hausärztin aus Wolfen, die namentlich nicht genannt werden möchte, wünscht sich, dass die Impfzentren wieder öffnen - zur Entlastung: „Wir haben in der Praxis schon viel Stress und müssen neben der Corona- auch noch die Grippeschutzimpfung durchführen.“

„Die Belastung für die Ärzte und das Praxispersonal ist hoch“

Dass diese Zeit für die niedergelassenen Ärzte eine große Belastung darstellt, weiß auch Heike Liensdorf. Sie ist Sprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalt und sagt: „Die Belastung für die Ärzte und das Praxispersonal ist hoch.“ Zwar seien die Abläufe, zu denen auch Aufklärung und Dokumentation gehören, inzwischen bei vielen eingespielt, doch der bürokratische Mehraufwand hindere viele daran, sich auf ihre eigentliche Arbeit zu konzentrieren.

Als Beispiel nennt Heike Liensdorf das Aufteilen der Impfdosen aus den Mehrdosenbehältern in den Praxen - beim Biontech-Impfstoff sind es sechs Impfdosen pro Fläschen - auf die Einzelspritzen. Sie schlägt vor, die Corona-Impfstoffe, wie auch beim Grippeimpfstoff üblich, in Einzeldosen zu liefern, um Ärzte zu entlasten.

Eine Übersicht über impfende Hausärzte bietet die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen-Anhalt auf ihrer Internetseite: https://www.kvsa.de/praxis/verordnungsmanagement/coronavirus/impfpraxen.html.