Kampf gegen den Knöterich

Kampf gegen den Knöterich: Feldversuch in Jeßnitz mit ersten positiven Ergebnissen

Jeßnitz - Im Hochwassergebiet an der Jeßnitzer Flutbrücke zeigt ein Feldversuch erste positive Ergebnisse. Nach drei Jahren ist das Kraut fast besiegt.

Von Michael Maul 15.04.2019, 10:24

Was in der Zeit der Blüte schön anzusehen ist, macht vielen Menschen Sorgen: Der Knöterich. Er besiedelt in kürzester Zeit riesige Flächen und verdrängt die vorher dort lebende Vegetation. Speziell an Hochwasserschutzanlagen können die Pflanzen mit ihren meterlangen Wurzeln Schäden anrichten, die die Standfestigkeit der Dämme beeinträchtigen.

Um dem entgegenzuwirken hat der Mühlbecker Landschaftsplaner Thomas Eisel gemeinsam mit der holländischen Firma Rootbarrier sowie der Koordinationsstelle Invasive Neophyten in Halle vor mehreren Jahren einen Feldversuch auf dem Gelände an der Jeßnitzer Flutbrücke gestartet. Mit verschiedenen Methoden sollte versucht werden, dem Knöterich Herr zu werden und ihn zu vernichten.

Erde bis in eine Tiefe von 30 Zentimetern abgetragen und gesiebt

„Beim ersten Versuchsabschnitt an der Baustelle des neu zu bauenden Schöpfwerkes in der Nähe der Kleingartenanlage ,Kochs Mühle‘ haben wir Erde bis in eine Tiefe von 30 Zentimetern abgetragen und sie gesiebt“, beschreibt Eisel den Anfang der Versuchsreihe. Beim zweiten Abschnitt, den man von der Flutbrücke aus sehen kann, habe man eine Fläche von 20 mal 20 Metern mit einer Polypropylen-Folie so abgedichtet, dass kein Licht an die Pflanzen gelangen konnte.

Damit habe man die überlebenswichtige Photosynthese der Pflanze unterbunden und ihr quasi den Lebenssaft abgedreht, erklärt Eisel. Was die Pflanze nun nach drei Jahren Dunkelheit getan oder nicht getan hat, wurde am Donnerstag mit dem Entfernen der Folie sichtbar.

„Wir können mit dem Versuch sehr zufrieden sein“, sagt Bart van der Hart, der Mitbegründer der Firma Rootbarrier aus Zeewolde. In Holland habe man auch sehr große Probleme mit dem Knöterich und wolle die in Jeßnitz gewonnenen Erkenntnisse umsetzen. Auch für Thomas Eisel ist das Ergebnis zufriedenstellend.

Jetzt werde sich zeigen, inwieweit man der Pflanze mit dreijährigen Dunkelheit den Garaus gemacht habe

„Unsere schon fast fünf Jahre andauernde Zusammenarbeit mit Rootbarrier hat mit diesem Versuch in Jeßnitz positive Früchte getragen“, freut sich der Mühlbecker. Jetzt werde sich zeigen, inwieweit man der Pflanze mit der dreijährigen Dunkelheit wirklich den Garaus gemacht habe. Oberflächlich betrachtet sei das Wurzelwerk abgestorben, wie es aber in etwa einem halben Meter Tiefe und weiter darunter aussehe, können man erst einmal nur erahnen.

Bei 50 Zentimetern habe man ein Wurzelstück gefunden, dass nach Eisels Angaben vielleicht überlebensfähig sei. „Jetzt kommt wieder Licht an die freigelegten Wurzeln und wir müssen uns überraschen lassen“, sagt der Landschaftsplaner und verspricht: „Ich werde immer ganz genau hinsehen, ob sich da etwas tut.“

Pflanzen wurden auf Versuchsfeld wie in einem Sarkophag eingeschlossen

In einem dritten Versuchsfeld, dass sich etwa 800 Meter hinter der Flutbrücke in Richtung Raguhn befindet, versuche man seit dem vorigen Jahr, die Pflanzen wie in einem Sarkophag einzuschließen und sie damit von der Versorgungskette abzuschließen. „Dieser umweltfreundliche und ohne Chemie stattfindende Versuch befindet sich in der Anfangsphase und es können noch keine Ergebnisse genannt werden.“

Für den Landschaftsplaner und Umweltschützer ist es wichtig, die Menschen zu sensibilisieren. Wenn sich alle über die schnelle Ausbreitung und die Schäden durch den Knöterich Gedanken machen und mit Abfällen sorgsam umgehen würden, könnte die Pflanze auch in den heimischen Gärten ausgemerzt werden. „Denn man muss wissen: Der Japanische Staudenknöterich, der eine enorme Wuchsleistung von bis zu 25 Zentimeter pro Tag hat, macht sich breit, so dass es den anderen Pflanzen schnell an Platz und Licht fehlt. (mz)