Cyber-Angriff auf Anhalt-Bitterfeld

Hacker haben doch nicht Drucker-Sicherheitslücke genutzt - Experte der Bundeswehr eingetroffen

Von Frank Czerwonn Aktualisiert: 05.08.2021, 09:26
Blick auf die Landkreis-Verwaltung von Anhalt-Bitterfeld.
Blick auf die Landkreis-Verwaltung von Anhalt-Bitterfeld. (Foto: Ute Nicklisch)

Köthen/MZ - Vier Wochen nach dem verheerenden Cyberangriff auf den Landkreis Anhalt-Bitterfeld rätseln die IT-Experten weiter, wie die Hacker in das Netzwerk der Verwaltung eingedrungen sind. Denn: Die bisherige Vermutung wurde wieder verworfen. „Die ursprüngliche Annahme, dass für den Hackerangriff die als ‚PrintNightmare‘ bekannt gewordene Sicherheitslücke ausgenutzt wurde, hat sich nicht bestätigt“, teilt Kreissprecher Udo Pawelczyk mit. Die Klärung, wie das Computervirus ins System geschleust wurde, ist aber wichtig - auch um beim Neuaufbau des Netzwerks künftige Angriffe möglichst auszuschließen.

Deutschlandweit ist es der erste Fall für Amtshilfe der Bundeswehr in einem Landkreis

Dabei hilft nun auch die Bundeswehr. Der angekündigte Mitarbeiter vom Cyber- und Informationsraum (CSI) der Bundeswehr ist Dienstagabend eingetroffen. „Er unterstützt den Krisenstab personell und wird als Koordinator der Maßnahmen zur Wiederherstellung des neuen IT-Systems, insbesondere in Hinsicht auf Sicherheitsfragen, tätig“, erklärt Pawelczyk. Er bringe also zusätzliche Know-how ein.

Ein Sprecher des Orga-Bereichs des CIR bestätigt die Abkommandierung. „Wir sind mit einem Stabsoffizier vor Ort.“ Er solle alle nötigen Maßnahmen koordinieren, die getroffen werden müssen, um das IT-System des Landkreises wieder herzustellen und möglichst sicher zu machen. „Das ist bundesweit das erste Mal, dass die Bundeswehr nach einem Cyberangriff auf eine Kommunalverwaltung Amtshilfe bei der Wiederherstellung des IT-Netzwerks leistet.“ Bislang gab es solche Amtshilfe vor allem nach Naturkatastrophen wie Hochwasser und Schneechaos. Das Verteidigungsministerium hatte Montagabend die Amtshilfe gebilligt.

189 Fahrzeuge wurden zum Neustart am Dienstag in Köthen zugelassen

Unterdessen hat die Kfz-Zulassungsstelle im Landratsamt in Köthen am ersten Tag der Wiedereröffnung 189 Fahrzeuge zugelassen. Für Verwirrung sorgte bei manchen Kunden, dass sie elektronisch einen Hinweis auf einen vor dem Hackerangriff gebuchten Termin in Bitterfeld oder Zerbst erhielten. „Das ist irreführend, kann aber derzeit nicht unterbunden werden“, so Pawelczyk. „Kfz-Zulassungen erfolgen bis auf Widerruf nur in Köthen.“ Das gelte auch für Termine, die für Bitterfeld oder Zerbst vergeben wurden. Die dortigen Mitarbeiter arbeiten ebenfalls in Köthen. Zudem können ab sofort auch Neukunden einen Termin telefonisch buchen.

Separate Ab- und Ummeldungen können in Köthen nicht durchgeführt werden. Das geht aber in den Zulassungsstellen von Halle und Dessau-Roßlau. Abmeldungen und gleichzeitige Zulassungen sind jedoch in Köthen möglich.