Bernsteinförderung in der Goitzsche

Bernsteinförderung in der Goitzsche bei Pouch: Investor an versucht Einwände auszuräumen

Bitterfeld/Pouch - Investor versucht Einwände auszuräumen und will - wenn die Erlaubnis vorliegt - Bernstein aus dem See fördern, um ihn touristisch zu vermarkten.

14.03.2018, 10:58

Die Bernsteinförderung im Goitzsche-See erhitzt derzeit die Gemüter. Während einige den Salzeintrag in den See, der bei der Bernsteinförderung entsteht, bemängeln, sprechen andere davon, dass die fossilen Harze illegal gefördert werden.

Über diese Vorwürfe sprach MZ-Redakteur Detmar Oppenkowski mit Ingo Jung, Geschäftsführer der Goitzsche Bernstein GmbH & Co. KG.

Nach den Probeförderungen in den Jahren 2015 und 2016 ist festzustellen, dass die Arbeitsplattform seit Monaten auf dem Wasser ist, aber keine Förderung stattfindet. Wo liegt das Problem?

Ingo Jung: Ich habe den Eindruck, dass derzeit alles in einen Topf geworfen wird. Daher lassen Sie mich zur Klarstellung folgendes voranstellen: Bereits zur DDR-Zeiten wurde in Bitterfeld Bernstein gefördert und zur Schmuckverarbeitung an die Ostsee geschickt. An diese - wenn man so will - Tradition wollen wir anknüpfen und wieder Bernstein fördern.

Die Besonderheit ist: Unser Tagebausee ist deutschlandweit das einzige Gebiet mit einem abbaufähigen Bernsteinvorkommen. Weltweit sind wir zudem die einzigen, die das fossile Harz unter Wasser abbauen. Dafür haben wir über Jahre die notwendige Technologie entwickelt und eine Million Euro investiert.

Denn das Ziel ist es, den Bernstein - der eine lange Geschichte in unserer Region hat - als touristische Attraktion zu entwickeln, um etwa Familien von Januar bis Dezember an den See zu locken. Parallel zur geplanten Förderung erarbeitet der Goitzsche-Zweckverband ein Konzept für die Bernsteinerlebniswelt. Damit wollen wir das Thema von der Entstehung über den Abbau bis hin zur Verarbeitung umfassend darstellen.

Für die Förderung gibt es allerdings keine Genehmigung ...

Ingo Jung: Das ist richtig. Zwar hat der Landkreis Anhalt-Bitterfeld uns mitgeteilt, dass aus ökologischer Sicht keinerlei Bedenken bestehen, dennoch darf er uns für dieses Jahr keine Genehmigung erteilen, weil eine schifffahrtrechtliche Erlaubnis des Landesverwaltungsamtes in Halle noch aussteht. Die Behörde ist mittlerweile der Meinung, dass die Arbeitsplattform als Fahrgastschiff und nicht wie in den Vorjahren als Schwimmkörper eingestuft werden muss.

Übersetzt heißt das: Über die Einstufung der Technik herrschen unterschiedliche Ansichten. Daher kommt es zu massiven Verzögerungen. Deshalb haben wir Rechtsmittel eingelegt und erwarten in den nächsten Tagen eine Entscheidung. Fakt ist: Wir setzen alles daran, den Bernstein zu fördern, wenn nicht jetzt, dann im nächsten Winter.

„Die Förderplattform war in diesem Jahr noch nicht in Betrieb“

Trotz der fehlenden Genehmigungen sollen Sie aber dennoch Bernstein abgebaut und somit illegal gefördert haben. Ist das richtig?

Ingo Jung: Nein, wir haben in diesem Jahr die Plattform, von der der Bernstein gefördert werden soll, noch nicht in Betrieb gehabt.

Der Landkreis hat aber festgestellt, dass es Aktivitäten auf der Plattform gab. Was entgegnen Sie?

Ingo Jung: Der Landkreis hat Anfang Februar festgestellt, dass zwar Mitarbeiter auf der Plattform waren. Die haben aber keinen Bernstein gefördert, sondern Sicherungsarbeiten wegen der bevorstehenden Frostperiode durchgeführt. Denn es handelt sich um eine hochsensible technische Anlage, die auch gewartet und gepflegt werden muss.

Zu den unterschiedlichen Bewertungen der Plattform kommt die Kritik hinzu, dass das Salz, das bei Inbetriebnahme der Anlage in den See gelangt, Schäden für die Natur bedeuten könnte ...

Ingo Jung: Zunächst muss man verstehen, was wir eigentlich vorhaben. Der Bernstein wird aus einer Tiefe von 20 bis 30 Metern aus dem vorhandenen Schluff gewonnen. Er wird mittels eines Saugrohrs auf die Arbeitsplattform befördert, mit Hochdruck gewaschen und in einem speziellen Verfahren getrennt. Dafür ist Salz erforderlich. Dieser gesamte Prozess ist durch Fachberater in den letzten Jahren überprüft und durch ein Monitoringverfahren, also einer systematischen Erfassung und Überwachung, begleitet worden.

Dennoch wird Salz eingetragen ...

Ingo Jung: Zum Verständnis: Jeder natürliche Süßwassersee hat einen gewissen Natriumchloridgehalt. Dieser liegt zwischen 55 und 60 Milligramm pro Liter. Wenn wir fördern würden, dann käme es zu einem Salzeintrag von 0,2 bis 0,3 Milligramm pro Liter - das ist weniger als ein Prozent.

Der Salzeintrag durch den Winterdienst ist weitaus höher und beeinträchtigt die Wasserqualität des Sees - die erstklassig ist - auch nicht. Außerdem können wir als Gewässereigentümer keinerlei Interesse daran haben, die Goitzsche während der geplanten Bernsteinförderung im Winter zu verschmutzen, denn dann bleiben uns im Sommer die Gäste weg.

Eine Bernsteinerlebniswelt macht nur Sinn, wenn auch echter Bernstein vorhanden ist

Einige Beobachter fragen auch nach der Kosten-Nutzen-Rechnung des Vorhabens.

Ingo Jung: Für die Region hätte die Bernsteinförderung eine hohe Bedeutung für die touristische und wirtschaftlich tragfähige Entwicklung des gewässeraffinen Tourismus’. Der Bitterfelder Bernstein hat ein hohes Inklusenvorkommen. Dabei handelt es sich um Insekteinschlüsse. Unser Ziel ist es daher, die weltweit größte Inklusensammlung hier anzusiedeln.

Zudem: Eine Bernsteinerlebniswelt macht nur Sinn, wenn auch echter Bernstein vorhanden ist. Ein weiterer Vorteil gegenüber anderen Urlaubsstandorten, wie etwa dem Leipziger oder Lausitzer Seenland, die ebenfalls wassertouristische Angebote an Tagebauseen anbieten. Die saisonale Förderung von Bernstein und die ganzjährige lokale Präsentation von geografisch zuordenbaren Bernsteinerzeugnissen wäre daher ein Alleinstellungsmerkmal im Wettbewerb um Gäste. (mz)