Wildvögel und Fotografie

Wildvögel und Fotografie: Jens Haberlandt ist „Der Eulenmann”

Bernburg - Derzeit verhandelt er mit einer Filmtieragentur und mit Jochen Schweizer - das bekannte Unternehmen bietet Erlebnisgutscheine an. Der gelernte Baufacharbeiter, der später seine Brötchen als Lkw-Fahrer und Mitarbeiter einer Biogasanlage verdiente, begann vor etwa zehn Jahren, sich für Fotografie zu interessieren.

Von Torsten Adam
Jens Haberlandt hat seine Leidenschaft für Wildvögel zum Beruf gemacht. Hier streichelt der „Eulenmann“ den Uhu Locke, im Hintergrund beobachtet Bonni das Geschehen.

Hund, Katze, Hamster, Wellensittich - der Haustiere gibt es viele, die den Menschen gewöhnlich den Alltag versüßen. Aber eine Eule, die mit der Familie auf der Couch Fernsehen guckt?

Das ist dann doch eher eine Seltenheit, für Jens Haberlandt aber etwas ganz Normales, wenn er die Greifvögel mit der Hand aufgepäppelt hat. Der Bernburger züchtet diese erhabenen Tiere und möchte sich damit eine Existenz aufbauen.

Zu Jahresbeginn hat der 49-Jährige ein Gewerbe angemeldet und wirbt als „Der Eulenmann“ für sich. Seine angebotenen Fotoshootings seien auf zwei Monate hinaus ausgebucht, Besuche mit seinen gefiederten Freunden in Kindergärten und Seniorenheimen würden auch immer gefragter.

Derzeit verhandelt er mit einer Filmtieragentur und mit Jochen Schweizer - das bekannte Unternehmen bietet Erlebnisgutscheine an. Der gelernte Baufacharbeiter, der später seine Brötchen als Lkw-Fahrer und Mitarbeiter einer Biogasanlage verdiente, begann vor etwa zehn Jahren, sich für Fotografie zu interessieren.

„Als die digitalen Spiegelreflexkameras bezahlbar wurden“, erklärt Jens Haberlandt. Sein neues Hobby begeisterte den zweifachen Familienvater so sehr, dass er bald schon nach Gleichgesinnten suchte - und sie 2014 beim Fotostammtisch Köthen fand, dessen Leitung er schon bald übernahm.

In Andreas Rößler, dem Vorsitzenden des Ornithologischen Vereins Cöthen, fand der Bernburger einen Mentor, der ihn mit auf Fotopirsch und zum Nistkästen-Reinigen in die Natur nahm und ihm später einen verletzten Turmfalken anvertraute.

Als sich Haberlandt um einen verletzten Turmfalken kümmerte, ist er vom „Vogel-Virus” infiziert 

Jens Haberlandt päppelte ihn daheim auf, um ihn danach auszuwildern. Spätestens zu diesem Zeitpunkt sei er mit dem Vogel-Virus infiziert gewesen. Der Bernburger nahm Kontakt zur bekannten Eulenfotografin Tanja Brandt auf, um sich über die Haltungsvoraussetzungen für diese Vögel zu informieren.

Auf einem weitläufigen Gelände am Stadtrand, gut bewacht von einem Schäferhund, begann Jens Haberlandt mit dem Bau von Volieren, seine Vision in die Tat umzusetzen. Er erwarb den erforderlichen Sachkundenachweis und die Genehmigungen von Unterer Naturschutzbehörde und Veterinäramt.

In Deutschland seien die Vorschriften zum Glück sehr streng, damit mit den Eulen, die zur höchsten Artenschutzstufe zählen, kein Schindluder getrieben werden kann. „Es existiert eine richtige Mafia, die solche Tiere auf Bestellung aus Gehegen klauen lässt.“ Auch deshalb gibt der 49-Jährige Kunden nicht preis, wo genau er seine Eulen hält.

Seriöse Halter sowie Zoos und Vogelparks geben Tiere nur an vertrauenswürdige Adressen

Das Vogel-Abenteuer begann vor zwei Jahren mit der Anschaffung des ersten Steinkauz-Paares von einem Züchter an der Nordsee. Das sei gar nicht so einfach gewesen, weil seriöse private Eulenhalter ebenso wie Zoos und Vogelparks die Tiere nur an vertrauenswürdige Adressen abgeben - und einen solchen Ruf musste sich der Bernburger schließlich erst mal erarbeiten.

Mittlerweile im Besitz von drei Steinkäuzen und drei Uhus, der größten Eulenart weltweit, verkauft er Nachwuchs nur an Käufer, die er selbst gesehen hat und wo er sich vor Ort über die Haltungsbedingungen mit eigenen Augen informiert hat.

„Es gibt zwar auch einen Tierversandhandel, aber ich verschicke generell keine Eulen“, betont der 49-Jährige, dass das Tierwohl für ihn oberste Priorität hat. „Ich muss Buch führen über jedes Tier, das zu beringen ist, und jeden Ausflug, das wird regelmäßig überprüft.“

So dürfe er die Eulen nicht zur Jagd einsetzen, aber natürlich schon mit ihnen draußen herumlaufen. „Bis auf eine Ausnahme sind es Handaufzuchten.“ Dass die Vögel dadurch fehlgeprägt werden und ihn als Elternersatz wahrnehmen, wisse er.

„Wie aber sonst könnte man den Menschen diese tollen Tiere nahebringen?“, fragt er. Jens Haberlandt verweist darauf, dass es den Eulen bei ihm nicht schlechter gehe als in der freien Wildbahn. Die trägen „Könige der Nacht“ fliegen nur, wenn sie auf Futtersuche sind.

„Sonst sitzen sie den ganzen Tag nur und gucken. Man könnte sie auch in den Schrank stellen“, erzählt lachend ihr Ziehvater, der seine Vögel zwecks Training gern auch mal in die Stadt zum Einkaufen mitnimmt. Dann sitzt ein mächtiger Uhu auf seiner Schulter.

„Natürlich festgebunden, damit die Eule niemanden verletzt, falls sie sich erschrecken sollte.“ Frau und Kinder zeigen Verständnis für seine Passion, unterstützen den „Vogel-Vater“ so gut es geht.

Die Weiber, wie die Weibchen bezeichnet werden, sind größer als Männchen

In der Fabelwelt stehen Eulen für Weisheit und Klugheit. Sie sind aber auch sehr sture und nachtragende Tiere, weiß Jens Haberlandt. Deshalb sollte es vermieden werden, die Vögel zu ärgern.

Durch dieses Wissen geht er sehr behutsam mit seinen Eulen um. Untypisch für die Tierwelt: Die Weiber, wie die Weibchen tatsächlich seit jeher bezeichnet werden, sind deutlich größer als die Männchen, die Terzel genannt werden.

Die ein Jahr alte Bonni, die aus dem Tierpark Köthen stammt, bringt es auf eine stattliche Flügelspannweite von 1,70 Meter. Entsprechend groß ist ihr Hunger. Fünf, sechs tote Eintagsküken verputzt sie pro Tag. Darüber hinaus stehen Mäuse, Ratten oder Hamster auf ihrem Speiseplan. Das Futter besorgt Jens Haberlandt bei Lieferanten, die auch die umliegenden Zoos versorgen, oder Züchtern, die Tierhandlungen bedienen.

Die Nächte werden für ihn demnächst wieder sehr kurz sein: Der Bernburger übernimmt diese Woche ein Schneeeulenküken vom Tierpark Perleberg zur Handaufzucht. „Das braucht im ersten Monat alle zwei Stunden Futter, rund um die Uhr.“

Anschließend könne das Intervall auf vier Stunden, schließlich auf einen Tag erhöht werden - wie bei den ausgewachsenen Tieren, die bis zu 60 Jahre alt werden können. Dass die weiße Eule später genauso wie der nun drei Monate alte Uhu Locke auf der Familiencouch Platz nimmt und mit Fernsehen schaut - völlig normal im Hause Haberlandt. (mz)

Steinkauz Eddi wartet aufs Weibchen, das demnächst zu ihm kommen soll.