Lohelandhaus in Bernburg

Lohelandhaus in Bernburg: Stadt stellt nun den Abrissantrag

Bernburg - Rat entscheidet sich gegen den Erhalt des Denkmals.

Von Torsten Adam 15.12.2017, 13:55

Das Lohelandhaus in Bernburg hat keine Zukunft. Mit 23:14-Stimmen erteilte der Stadtrat mehrheitlich der Verwaltung das Mandat, für das marode Einzeldenkmal am Rande des Stadtparks Alte Bibel den Abrissantrag zu stellen.

Sogar einstimmig votierten die Räte dafür, den Mietvertrag mit dem Kaninchenzuchtverein für dieses Objekt schnellstmöglich zu kündigen.

Lohelandhaus in Bernburg: Schimmelbude oder Zeugnis?

Der Abstimmung vorangegangen war eine kontroverse Diskussion über das Mitte der 1930er Jahre errichtete Holzhaus, an dem sich die Geister scheiden.

Für die einen ist es eine wertlose Schimmelbude, für die anderen ein wertvolles Zeugnis der Reformfrauenbewegung Loheland, das sogar im Kontext mit dem Bauhaus Dessau stehe.

Dessen Direktorin Claudia Perren hatte gegenüber der Bernburger Kulturstiftung versichert: „Wir teilen Ihre Auffassung zur Bedeutung des Gebäudes und unterstützen, nicht nur vor dem Hintergrund des bundesweit vorbereiteten und kulturpolitisch bedeutsamen Bauhausjubiläums 2019, einen angemessenen Umgang mit diesem einzigartigen Zeit- und Architekturdokument.“

An der Ratsentscheidung änderte ihre Meinung freilich nichts.

Lohelandhaus in Bernburg: Jahrzehnten hat es niemanden interessiert

Oberbürgermeister Henry Schütze (parteilos) hob noch einmal hervor, dass es vorrangig um die Entscheidung gehe, ob die Stadt einen ihrer wichtigsten Straßenzüge - die Wilhelmstraße - entwickeln wolle oder eben nicht

Hier gebe es nämlich keinerlei Parkmöglichkeiten hinter den Häusern, umso dringender sei die Schaffung von Stellflächen in unmittelbarer Nähe - eben auf dem nicht öffentlich zugänglichen Areal des Lohelandhauses.

Aus Sicht des OB ist unstrittig, dass die Belebung der Wilhelmstraße mit ihren sechs stadtbildprägenden Einzeldenkmalen für die Stadtentwicklung weitaus wichtiger sein dürfte als die Rettung eines verborgen gelegenen Hauses, um dessen Schicksal sich jahrzehntelang niemand geschert hatte.

Wie zuvor Gerd Klinz (FDP) betonte auch Thomas Sacher (CDU), dass die knappen öffentlichen Mittel für die Stadtsanierung nicht für die Rettung aller Denkmäler Bernburg reichen werden: „Ich würde dieses Geld lieber fürs Schloss, Kurhaus oder Metropol ausgeben.“ (mz)