Graffiti

Künstler erschafft 3D-Bild an Fassade eines Plattenbaus in Bernburg

Welche weiteren Änderungen die Wohnungsgenossenschaft für Mieter Vor dem Nienburger Tor in Vorbereitung hat.

Von Torsten Adam
Die Fassade des Blocks Vor dem Nienburger Tor 32 bis 35 wird ab August von einem Künstler in 3D-Optik gestaltet.
Die Fassade des Blocks Vor dem Nienburger Tor 32 bis 35 wird ab August von einem Künstler in 3D-Optik gestaltet. Foto: Torsten Adam

Bernburg/MZ - Ausgerechnet ein DDR-Plattenbau soll Bernburg ein Stückchen attraktiver machen. Der derzeit aufgrund von umfangreichen Sanierungs- und Umbauarbeiten noch eingerüstete Fünfgeschosser mit den Adressen Vor dem Nienburger Tor 32 bis 35 soll sich bis Ende September in einen Blickfang verwandeln.

Seine Lage an der Annenbrücke scheint dafür prädestiniert. Die Wohnungsgenossenschaft Bernburg als Eigentümer hat den Graffitikünstler Marco Brzozowski mit der Fassadengestaltung beauftragt. Der Mann aus dem brandenburgischen Premnitz ist nicht irgendein Graffitisprayer. Seine Kunst nennt sich Illusionsmalerei.

Eines seiner beeindruckendsten, dreidimensional wirkenden Werke ist der Giebel eines Mehrfamilienhauses in Mühlhausen. An ihm erzählt er die Geschichte der thüringischen Stadt in 21 Episoden. Wer es mit eigenen Augen gesehen hat, muss so begeistert sein wie Peter Arlt.

Der geschäftsführende Vorstand der Wohnungsgenossenschaft schwärmt von diesem Anblick und beauftragte Marco Brzozowski, einen ähnlichen Hingucker für Bernburg zu schaffen. Der 3D-Sprayer wird nicht nur den Giebel auf der Saale-Seite gestalten, sondern auch die Fassadenfront zur Annenstraße. Mit welchen Motiven genau, will Peter Arlt noch nicht preisgeben. „Das wird sicher eine schöne Überraschung“, ist er überzeugt.

„Rund zwei Monate werde ich bis zur Vollendung brauchen.“

Graffitikünstler Marco Brzozowski

Neugierige Passanten werden ab Montag, 2. August, Tag für Tag mitverfolgen können, wie das Kunstwerk wächst. „Rund zwei Monate werde ich bis zur Vollendung brauchen“, schätzt der 36-jährige Künstler. Seine dreidimensionale Wirkung werde das Kunstwerk aber erst richtig entfalten, wenn die Rüstung gefallen ist.

Eine Leidenschaft fürs Malen und Sprayen hatte Marco Brzozowski, der derzeit im Schweden-Urlaub Energie für den Großauftrag in Bernburg tankt, schon als Jugendlicher. „Während meine Freunde an den Strand fuhren, setzte ich mich hin und malte Bilder“, sagt er im Gespräch mit der MZ.

Seine Kunst brachte sich Marco Brzozowski als Autodidakt selbst bei, eine Ausbildung zum Mediendesigner erweiterte seine Möglichkeiten noch. „Dass aus meinem Hobby mal ein Beruf wird, hätte ich mir nicht träumen lassen“, sagt er.

Fassadenkünstler Marco  Brzozowski verewigte im thüringischen Mühlhausen an einem Hausgiebel die Stadtgeschichte.
Fassadenkünstler Marco Brzozowski verewigte im thüringischen Mühlhausen an einem Hausgiebel die Stadtgeschichte.
(Foto: Marco Brzozowski)

2007, direkt nach der Lehre, machte sich der Premnitzer mit seiner Firma 360art selbstständig und hinterließ seitdem vielerorts seine künstlerischen Spuren. Im Vorjahr schuf er am Kraftwerk seiner Heimatstadt das mit 2.250 Quadratmetern größte Gemälde des Landes Brandenburg.

Im Bernburger Mehrfamilienhaus arbeiten parallel Handwerker weiter. Seit Jahresbeginn lässt der Großvermieter an dem Plattenbau aus den 1970er Jahren ein Wärmedämmverbundsystem anbringen, Heizungsanlage und Elektrosteigleitung erneuern sowie Außenaufzüge installieren.

Dafür werden die Treppenhäuser gewechselt, damit die Mieter mit dem Fahrstuhl bequem bis vor die Wohnungstür fahren können und nicht auf einem Zwischenpodest aussteigen müssen. „Während des Treppenhaus-Tausches ziehen die Mieter für fünf Tage aus. Bei Bedarf bringen wir sie in Gästewohnungen, Hotels oder Pensionen unter“, sagt Peter Arlt. Für die vier Eingänge werden die Aufzüge im Abstand von drei Wochen installiert. Drei der vier Türme stehen bereits.