Bruno-Hinz-Halle in Bernburg Bruno-Hinz-Halle in Bernburg: Michelmanns Rache?

bernburg - Eine E-Mail von Michael Kulus, Staffelleiter der 3. Handball-Liga Ost, hat das Präsidium des SV Anhalt Bernburg in den vergangenen Tagen in helle Aufregung versetzt: Die Bruno-Hinz-Sporthalle soll ab der Saison 2015/16 nicht mehr für den Spielbetrieb freigegeben werden. Eine erneute Zulassung könne nur dann in Betracht kommen, wenn zwischen Torauslinie und Hallenwand ein Sicherheitsabstand von mindestens 1,30 Meter eingehalten wird, heißt es in dem Schreiben, das der MZ vorliegt. Derzeit sind es in der „Hinz-Hölle“ jedoch nur 85 Zentimeter. Bemängelt wurden zudem zu geringe Abstände zwischen Seitenlinie und Hallenwand.
Rachefeldzug aus Aschersleben?
„Wir spielen bereits seit dem Aufstieg in die 2. Bundesliga, der immerhin schon 14 Jahre zurückliegt, mit einer unbefristeten Ausnahmegenehmigung. Nie ist etwas passiert. Es ist jedoch kein Zufall, dass wir gerade zum jetzigen Zeitpunkt dieses Schreiben vom Deutschen Handball-Bund (DHB) erhalten haben“, erklärt Bernburgs Vereinspräsident Reinhard Krause. Er vermutet als Hintergrund einen persönlichen Rachefeldzug von Ascherslebens Oberbürgermeister Andreas Michelmann. Der 55-Jährige ist zugleich Vizepräsident des DHB und dort für den Amateur- und Breitensport verantwortlich, gehört außerdem zum Vorstand des in die fünfte Liga durchgereichten HC Aschersleben.
„Herr Michelmann wollte unbedingt, dass der SV Anhalt und der HCA fusionieren. Schließlich hat er zwei große Hallen in Aschersleben, in denen jedoch derzeit kein Spitzensport angeboten werden kann. Durch seinen Einfluss wurde unsere Sondergenehmigung gekippt“, ist Krause überzeugt. Trotz erheblicher Differenzen in den jeweiligen Saisonetats (Aschersleben: 100 000 Euro, Bernburg: 300 000 Euro) habe Michelmann eingefordert, dass beide Vereine im Falle einer Fusion das gleiche Stimmrecht haben sollen. Diesen Vorschlag lehnte die Bernburger Seite jedoch ab, zumal der SV Anhalt auch noch die Spielgenehmigung für die 3. Liga mitbringen würde.
Nach den gescheiterten Gesprächen soll der DHB-Vizepräsident laut Krause die Spielkommission auf die Missstände in der Bernburger Halle aufmerksam gemacht und damit einen Stein ins Rollen gebracht haben. Aber nicht nur der SV Anhalt, sondern auch die HG 85 Köthen sowie die Bundesliga-Reserven des SC Magdeburg und TSV Hannover-Burgdorf bekamen ähnliche Post vom Staffelleiter.
Was sagt Michelmann selbst zu den Vorwürfen? „Da verbietet sich jeglicher Kommentar, das ist mir einfach zu dumm“, wies er die Anschuldigungen zurück. Richtig sei, dass es immer wieder mal Gespräche über eine Fusion gegeben habe, was auch vernünftig sei, um die Kräfte zu bündeln. Laut Michelmann sei der letzte Vorstoß diesbezüglich sogar von Bernburger Seite gekommen. Und zum eigentlichen Sachverhalt sagt er: „Die Spielkommission für die 3. Liga verfolgt erstmals die eingeforderten Sicherheitsstandards mit Nachdruck.“ Von 120 Spielorten der Männer- und Frauenteams bundesweit, seien nun nach Köthens Abstieg nur noch drei Hallen problematisch. Am 23. Juni werde das DHB-Präsidium in Hamburg die neuen Durchführungsbestimmungen beschließen. „Im Vordergrund steht die Sicherheit der Sportler“, beteuert Michelmann.
Doch droht dem Handball-Standort Bernburg jetzt wirklich das Aus? Der SV Anhalt schrieb Staffelleiter Kulus zurück, dass eine sofortige Hallensperrung eine Insolvenz des Vereins nach sich ziehen würde, da er die Hälfte seines Budgets aus Verträgen über Bandenwerbung in der Hinz-Halle absichere. Der Vorstand drohte damit, sich die beantragte Verlängerung der Ausnahmegenehmigung notfalls auf dem Gerichtsweg einzuklagen, um eine Pleite abwenden zu können. Zumal es bereits Planungen für die geforderten baulichen Veränderungen gebe. Laut Krause könnte der Umbau aber erst nach der nächsten Saison, frühestens im April 2016, beginnen. Oberbürgermeister Henry Schütze und die Bernburger Freizeit GmbH (BFG) hätten Unterstützung zugesichert.
Wogen haben sich geglättet
Am vorigen Samstag machte sich dann Kulus beim Relegationsturnier um den Klassenerhalt in der 3. Liga persönlich ein Bild von den Zuständen in der Bruno-Hinz-Halle. Und die Wogen haben sich geglättet. „Er hat mir bei einem sehr intensiv geführten Gespräch zugesichert, dass wir für die kommende Saison noch einmal eine Ausnahmegenehmigung erhalten werden, mit der Auflage, dass spätestens ab dem Spieljahr 2016/17 die Sicherheitsstandards gewährleistet sind“, sagt Anhalt-Präsident Reinhard Krause. Und auch Andreas Michelmann versichert, dass die drei betroffenen Drittliga-Vereine Gelegenheit bekommen werden, auf die Situation zu reagieren.
Die BFG, die die kommunale Halle im Auftrag der Stadt bewirtschaftet, hat sich mit der Problematik bereits beschäftigt. „Ich habe einen Planer und Statiker hinzugezogen und es liegt ein Vorschlag vor, der nun im Aufsichtsrat diskutiert werden muss“, so Geschäftsführer Roland Reichelt. Eine Kostenschätzung stehe aus, voraussichtlich müsste aber mit einer Summe im niedrigen sechsstelligen Bereich gerechnet werden. Unter anderem soll die Außenwand auf der Parkplatz-Seite um zwei bis drei Meter versetzt werden. Und durch die notwendige Verschiebung des Zeitnehmertisches könnten einige Sitzplätze wegfallen. „Allein können wir das Vorhaben aber nicht finanzieren. Entweder die Stadt gibt dafür einen Zuschuss oder der Landessportbund Fördermittel“, betont Reichelt. Für ihn ist die DHB-Forderung völlig unverständlich: „Uns ist kein einziger Unfall in der Halle bekannt, der auf die geringen Abstände zurückzuführen ist.“ Zudem wisse der Verband genau, dass die meisten Kommunen, die in der Regel Eigentümer der Hallen sind, selbst finanziell mit dem Rücken zur Wand stehen. (mz)
