Bernburg

Bernburg: Mit Albrecht dem Bären die Stadt entdecken

BERNBURG/MZ. - Carl-Heinz Schmidt kennt seine Stadt - und die Stadt kennt Carl-Heinz Schmidt. Er gehört zweifellos zu den bekanntesten Gesichtern Bernburgs und ist eng mit seiner Heimat verbunden. "Ich bin mit Leib und Seele Bernburger", sagt er mit viel Bestimmtheit und noch mehr Stolz. Man glaubt es ihm aufs ...

Von FELIX FILKE 30.03.2011, 17:03

Carl-Heinz Schmidt kennt seine Stadt - und die Stadt kennt Carl-Heinz Schmidt. Er gehört zweifellos zu den bekanntesten Gesichtern Bernburgs und ist eng mit seiner Heimat verbunden. "Ich bin mit Leib und Seele Bernburger", sagt er mit viel Bestimmtheit und noch mehr Stolz. Man glaubt es ihm aufs Wort.

Im Juni 1959 in der Saalestadt geboren, wurde sein Interesse für deren Geschichte und Geschichten schon in Kindertagen geweckt. Sein stadthistorisch ebenfalls sehr interessierter Vater führte ihn bei Spaziergängen beinahe systematisch an die Thematik heran und erzählte ihm so manche wissenswerte Anekdote. Dieses Interesse behielt sich der gelernte Gas- und Wasserinstallateur all die Jahre bei - auch als eine Art Ausgleich, weil er mit der Arbeit im elterlichen Sanitärbetrieb unzufrieden war. "Dabei habe ich mich nie wohlgefühlt."

Wohl fühlt sich Carl-Heinz Schmidt hingegen dann, wenn er anderen Menschen von seiner Stadt erzählen kann - und zwar nicht als pure Informationsvermittlung, sondern ebenso als Unterhaltung und auch ein wenig zur Selbstdarstellung. Kurz gesagt: Wenn er Stadtführer sein kann. Dafür hat er vor einigen Jahren einen Lehrgang an der Volkshochschule besucht und ist seitdem zertifizierter Gästeführer für die Region Anhalt-Bernburg.

Bei den Führungen hat er sich auf die Verkörperung zweier Figuren spezialisiert: den sagenumwobenen Priester Ruprecht und den Stammvater der Askanier, Albrecht der Bär. Als Verkleidung für ersteren - der laut der Sage vom "Tanzwunder von Cölbigk" im Jahr 1020 vor der Kirche feiernde Bauern verflucht haben soll und auf den die Figur des Nikolausbegleiters "Knecht Ruprecht" zurückgehen soll - dient ihm eine Mönchskutte. Als Albrecht schlüpft Schmidt in mittelalterliche Gewänder samt Kettenhemd und Schwert und besucht derart herausgeputzt mit den Touristen die historisch interessanten Orte in Bernburg. Dazu gehört vor allem die "Kulturinsel", wie er die Ballung von Schloss, Theater, Metropol und Rathaus nennt, aber auch die Schenktreppe, der Markt und die Marienkirche.

Zu Gute kommt ihm bei seinen Führungen ein gewisses schauspielerisches Talent, das er auch schon bei mehreren Rollen im städtischen Theater unter Beweis stellte. Mittlerweile bedeuten diese Bretter aber nicht mehr seine Welt und er hat sich eine andere Bühne gesucht - die Stadt Bernburg.

Albrecht den Bären mimte er jedoch auch schon bei diversen Veranstaltungen außerhalb, so etwa beim Fläming-Frühlingsfest und beim Leopoldfest in Dessau. Und vor zwei Jahren fuhr das Alter Ego des Carl-Heinz Schmidt mit mehreren anderen Leuten in einer Planwagenkolonne vom belgischen Brügge bis ins brandenburgische Brück (Fläming) - über 1000 Kilometer in sechs Wochen. "Man bekommt ein ganz anderes Zeitgefühl", möchte Schmidt diese Erfahrung keinesfalls missen. Zukünftig möchte er sein Programm erweitern und beispielsweise eine Stadtführung mit Sakralbauten als Schwerpunkt anbieten.