"Haus Zwei" aus Aschersleben

Wernigerode, Auftritt, Haus Zwei, Aschersleben, Rolf Lehmann, Hagen Eisfeld, Steffen Wendel, Autumn Blues Band, Most Wanted

Aschersleben - Man hört sie schon proben, da ist man gerade einmal mit dem Auto die Einfahrt hinaufgefahren, so kraftvoll schallt Stevie Ray Vaughans „Tin Pan Alley“ durch die Mauern des  ehemaligen Heizhauses im Fallersleber Weg in Aschersleben. Im weißen Gebäude, das  mittlerweile sowohl als Abstellraum für Deko-Artikel als auch Werkstatt für Hifi-Geräte genutzt wird, würde man von Draußen vieles vermuten - am wenigsten aber einen Proberaum dreier Mittfünfziger, die einmal wöchentlich mit ihrer Blues-& Rockband ...

Von Elisabeth Krafft

Man hört sie schon proben, da ist man gerade einmal mit dem Auto die Einfahrt hinaufgefahren, so kraftvoll schallt Stevie Ray Vaughans „Tin Pan Alley“ durch die Mauern des  ehemaligen Heizhauses im Fallersleber Weg in Aschersleben. Im weißen Gebäude, das  mittlerweile sowohl als Abstellraum für Deko-Artikel als auch Werkstatt für Hifi-Geräte genutzt wird, würde man von Draußen vieles vermuten - am wenigsten aber einen Proberaum dreier Mittfünfziger, die einmal wöchentlich mit ihrer Blues-& Rockband üben.

Entstehungsgeschichte

Bis vor einem Jahr  gab es diesen Proberaum auch noch nicht. Damals spielten Gitarrist und Sänger Steffen „Murphy“ Wendel, Bassist Hagen Eisfeld und Schlagzeuger Rolf Lehmann zwar schon in verschiedenen, regional bekannten Combos wie „Most Wanted“ oder „Autumn Blues Band“, in einer gemeinsamen Band musizierten sie aber noch nicht.  Und das, obwohl sich die Aschersleber schon seit zirka zwei Jahrzehnten kennen.

„Wir wussten aber  bis letztes Jahr gar nicht, ob wir zusammen funktionieren“ erinnert sich Schlagzeuger Rolf. Ihre Unsicherheit war jedoch unbegründet. Denn nach ihrer ersten gemeinsamen Session stand fest: Die Musiker funktionieren nicht nur zusammen, sie ergänzen sich perfekt.  Und so war auch die Auswahl des Bandnamens schnell getroffen: Haus Zwei. „Der sagt alles und nichts und lässt viel Raum für Spekulationen“ erklärt Hagen Eisfeld lachend – der Name ist außerdem vom 17 Quadratmeter großen Gartenhaus des Bassisten inspiriert, in dem die Männer schon so einige Nächte durchzecht haben.

Im Gegensatz zur Namensfindung, die vergleichsweise schnell über die Bühne ging, war  die Suche nach einem geeigneten Proberaum die bis dahin größte Hürde, die die Musiker zu nehmen hatten. Denn die Proberaumsituation in Aschersleben sei schrecklich - es gäbe kaum Angebote und die wenigen, die es gibt, seien nicht zufriedenstellend, fasst Hagen die frustrierende Suche zusammen. Ein befreundeter Handwerker rettete sie schließlich aus ihrer misslichen Lage und stellt seine Werkstatt  als Proberaum zur Verfügung.

Fehlender Übungsort

Nachdem es zuerst danach aussah, als würde der Traum von „Haus Zwei“ am fehlenden Übungsort scheitern, konnten sich die Musiker nun über eine Übungsstätte freuen, die über alle Annehmlichkeiten verfügt: ein Bad, eine Küche und „immer ausreichend Schwarzbier im Kühlschrank“, fasst „Murphy“ zusammen und betont:. „Ohne Chris wäre das alles nicht möglich.“  

Nachdem sich die Aschersleber Musiker zuerst ausschließlich  darauf konzentrierten, Bluesrock-Songs zu covern, empfanden sie die Festlegung auf ein Genre jedoch bald als zu einengend. Schließlich änderten sie nicht nur ihre Stilrichtung, sondern das komplette Bandkonzept: Aus Bluesrock wurde Blues und Rock, ihre Coversongs wurden durch eigene Stücke ergänzt, zudem  schwenkten sie um auf deutsche Texte. Letzteres erklärt sich dadurch, dass „Murphy“ zeitgleich mit der Neuausrichtung der Band auch seine Fähigkeiten als Songwriter entdeckte. Wobei für ihn gleichzeitig feststand: „Wenn ich Songtexte schreibe, dann nur auf Deutsch.“ Er selbst sei von seinem ungeahnten Talent am meisten überrascht gewesen, erklärt er heute. Doch mal wieder gab es keinen Raum für Zweifel: Denn Hagen und Rolf waren begeistert und die ersten Songs mit deutschem Text schnell eingespielt.

Fünf eigene Songs gehören mittlerweile zum Repertoire der befreundeten Musiker. Und es werden wöchentlich mehr. Der Einfluss ihrer musikalischen Vorbilder ist dabei nicht zu überhören: „Haus 2“ klingen nach einer gut dosierten Kombination aus  den Jazz- und Blues-Gitarristen Al Di Meola und Chris Duarte, Rockmusiker Udo Lindenberg und der englischen Rockband Led Zeppelin. Und seitdem die Aschersleber ihre ersten Songideen zu Papier gebracht haben, halten sie den kreativen Fluss ständig am Laufen.

Dreiköpfige Endkontrolle

Dabei entstehen neue Titel nicht nur in Handarbeit, sondern müssen auch eine dreiköpfige Endkontrolle überstehen. Was nicht überzeugt, wird weiterentwickelt oder fliegt raus. Dabei haben die Musiker ihr Ziel ständig vor Augen: Ende dieses Jahres wollen sie ihre Debutplatte  mit eigenen Songs aufnehmen. „Eine auf den Punkt gebrachte Produktion, das volle Programm, vielleicht sogar mit Background-Sängerinnen. Wir sind jetzt 50 Jahre alt - wir wollen nicht mehr warten.“

Auftritt bei Rock im Marstall II

Ihre ersten Auftritte haben die Musiker bereits absolviert - dabei seien die Reaktionen des Publikums durchweg positiv ausgefallen und zu ihrem Erstaunen hätten sich alle Altersgruppen  vom Sound des Trios mitreißen lassen. Am Sonnabend, dem 12. März, folgt schon ihr nächster Gig. Dann spielen „Haus 2“ gemeinsam mit weiteren regionalen Bands bei „Rock im Marstall II“ im Fürstlichen Marstall Wernigerode.
 Dort wollen sie neben einigen Bluesrock-Klassikern erstmals auch Songs aus eigener Feder darbieten und beim Publikum „antesten“, wie Hagen es lächelnd formuliert. Doch eigentlich sind sich die Aschersleber schon jetzt sicher, dass sie ihr Publikum nicht enttäuschen werden. „Wer Bluesrock mag, der wird uns lieben.“ (mz)