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Das große PflanzenWarum Ascherslebener ihrer Stadt einen Baum spenden

Rund 40.000 Blumenzwiebeln wurden von Bürgern in die Erde gebracht. Wie viele Baumspenden aus privater Hand nun gepflanzt wurden.

Von Rolf Strehler 15.11.2021, 09:30
Beim Pflanzen war auch Teamarbeit gefragt.
Beim Pflanzen war auch Teamarbeit gefragt. Foto: Frank Gehrmann

Aschersleben/MZ - Wie die MZ angekündigt hatte, sind am vergangenen Samstag rund 40.000 Blumenzwiebeln, insbesondere Krokusse, Narzissen und Blausterne in die Erde des Stadtparks gesteckt worden. Die ganze Pflanzaktion am Samstag hatte sich auf die Zusammenarbeit des Verschönerungsvereins mit der Aschersleben Kulturanstalt, dem Bauwirtschaftshof sowie engagierten Vereinen und Bürgern gestützt.

Das Wetter hatte es gut gemeint, und so waren etwa 60 Bürger dem Aufruf gefolgt und hatten sich an der „Kartoffel“, wie der Volksmund den großen Globus am Stadtpark liebevoll nennt, eingefunden. Der Ascherslebener Karnevalsverein ACC Union war nahezu vollständig erschienen.

Augenzwinkernd erklärten die Narren, auch mal was Vernünftiges tun zu wollen, weshalb man schon zum dritten Mal hier teilnehmen würde. Auch die beiden Kandidaten für den frei werdenden Posten des Oberbürgermeisters, Maik Planert und Steffen Amme sowie weitere bekannte Vertreter aus Politik und Wirtschaft waren anwesend, legten selbst Hand an und konnten sich ein Bild davon machen, wie Bürger sich für ihre Stadt einsetzen.

Nicht unerwähnt bleiben sollen die zahlreichen Kinder, die ihren Eltern beim Zwiebelstecken tatkräftig geholfen haben, darunter auch zwei kleine Nachwuchshandballer, wie zu erfahren war.

Die Kosten in Höhe von 2.700 Euro hatte der Verschönerungsverein Aschersleben zur Verfügung gestellt - eine sinnvolle und nachhaltige Investition, wie nicht nur der Autor meint. Der Vereinsvorsitzende, Andre Könnecke, begrüßte die zahlreichen Freiwilligen und erklärte:

„Im kommenden Frühjahr wird es dann hier so schön bunt aussehen, wie auf dem Foto, das ich hier hochhalte.“

Andre Könnecke, Vorsitzender des Verschönerungsvereins Aschersleben

„Grabt bitte an den markierten Stellen kleine Löcher und legt eine Handvoll Zwiebeln hinein. Im kommenden Frühjahr wird es dann hier so schön bunt aussehen, wie auf dem Foto, das ich hier hochhalte.“ Wenn schon einmal Helfer zur Verfügung standen, wurde der Samstag auch gleich genutzt, um das benachbarte Rosarium winterfest zu machen.

Wer schon einmal, besonders an heißen Sommertagen, durch den Stadtpark spaziert ist, wird das Schattendach der altehrwürdigen Baumriesen sehr schätzen. Vor 200 Jahren noch als Friedhof, später unter anderem als Schulgarten genutzt, hat sich hier ein wahres urbanes Kleinod entwickelt.

Nicht umsonst stehen die einstige Laga-Fläche, wie auch das angrenzende Rosarium unter Denkmalschutz. Bänke und Spielgeräte inspirieren Alt und Jung, die herrliche Umgebung zu genießen. Auffällig ist der sehr gute Pflegezustand des gesamten Stadtparks, der viel Zuwendung sowie die ordnende Hand gärtnerischen Sachverstands deutlich erkennen lässt.

Von Gärtnermeister Holger Dietrich, dem guten Geist des Stadtparks, war zu erfahren, dass die herrlich bunt blühenden Flächen nicht von selbst kommen, vielmehr sind sie das Ergebnis fleißiger Arbeit. In diesem Zusammenhang steht auch die Initiative „Mein Baum für Aschersleben“.

Sechs Bäume wurden im Zoo Aschersleben eingesetzt, zwei auf Friedhof Winningen

Diese ökologisch sinnvolle Aktion hilft einerseits der Stadt und bietet den Spendern eine bleibende Erinnerung an ganz bestimmte, teilweise sehr persönliche, emotionale Ereignisse. Im Verlauf der letzten Wochen seien 23 Baumspenden aus privater Hand gepflanzt worden. Sechs Bäume wurden im Zoo eingesetzt, zwei Setzlinge stehen auf dem Friedhof im Ortsteil Winningen.

Weitere Jungbäume kann man auf den Eine-Terrassen bewundern. Sie sind an den Stützgestellen und ab dem Frühjahr an den sogenannten Gießsäcken gut zu erkennen. Die Standorte der Bäume folgen genauen Richtlinien. Beispielsweise dürfe die Anzahl der Bäume auf einem Naturdenkmal nicht willkürlich durch Neuanpflanzungen erhöht werden, weshalb die gesponserten Bäume als Ersatz für gefällten Altbestand eine wichtige Rolle einnehmen würden, erklärte der Gärtnermeister.

Über drei Jahre werden die jungen Pflanzen, darunter Eichen, Linden, Ahorn und Platanen, professionell betreut, verriet der Meister. Die Baumspenden, Geschenke einheimischer Bürger, die sich in anerkennenswerter Weise ihrer Heimat verbunden fühlen, würden an verschiedenen Plätzen in der Kernstadt Aschersleben, aber auch in angeschlossenen Ortsteilen gesetzt.

Um 11 Uhr erhielten anwesende Baumspender aus den Händen von Andre Könnecke ihre Bestätigungsurkunden. Stellvertretend für alle eingepflanzten Jungbäume wurde ein Bäumchen offiziell angegossen. Die kleine Zusammenkunft verlief sehr emotional, nicht zuletzt, weil zu einigen Urkunden die dazugehörige Geschichte erzählt wurde.

Auch das Rosarium wurde winterfest gemacht.
Auch das Rosarium wurde winterfest gemacht.
Foto: Frank Gehrmann

So verriet eine Ascherslebenerin, dass sie „ihre“ Hainbuche immer aufsuchen werde, um an liebe verstorbene Familienangehörige zu denken. Bemerkenswert waren auch die Worte des Vertreters des Ascherslebener Bestattungsunternehmens Knoche. Man habe sich zu einer Baumspende entschlossen, um auf dem Friedhof ein Symbol des Gedenkens an 2020 verstorbene Mitbürger zu setzen, die unter den Bedingungen der Pandemie nicht so, wie es traditionell üblich sei, beigesetzt werden durften.

Einen erfreulicheren Anlass für ihr „Baumsponsoring“ verrieten Sybille und Rolf Runkwitz, die sich einen Lindenbaum, der natürlich in der Lindenstraße steht, zu ihrem 70. Geburtstag geschenkt hatten. Und am Ende gab’s für alle Helfer Würstchen und Glühwein.