Industriegeschichte

Städtisches Museum präsentiert Fotos aus dem früheren VEB Wema Aschersleben

Seit Sonntag ist die Ausstellung „Billeter & Klunz – Werkzeugmaschinen aus Aschersleben“ zu sehen.

Von Harald Vopel
Informationstafeln in Schrift und Bild ergänzen  die Ausstellung.
Informationstafeln in Schrift und Bild ergänzen die Ausstellung. (Foto: Frank Gehrmann)

Aschersleben/MZ - Mit der Entwicklung einer sogenannten Einpilaster-Hobelmaschine im Jahr 1877 hatte der Ascherslebener Unternehmer Heinrich Billetter den Erfolg des Ascherslebener Werkzeugmaschinenbaus begründet. Die Maschine - auch Säulenständer-Hobelmaschine genannt - sicherte der Firma Billetter und Klunz über viele Jahre gute Gewinne.

Wer das damalige Erfolgsmodell - zumindest auf einem Foto - in Augenschein nehmen will, der hat jetzt die Gelegenheit. Das städtische Museum präsentiert seit Sonntag in einer Sonderausstellung rund 30 hochwertige Fotografien aus dem ehemaligen Bestand des VEB Werkzeugmaschinenfabrik (Wema) Aschersleben.

Dabei handelt es sich um eigens für die Ausstellung angefertigte Abzüge im Format 50x70 Zentimeter von großformatigen gläsernen Fotoplatten. Die Bilder zeigen verschiedene Maschinen und geben Einblicke in die Produktion. „Wahrscheinlich sind die Aufnahmen für Dokumentationen und Präsentationen bei Messen gemacht worden“, vermutet Museumsleiterin Luisa Töpel.

Dass die Fotoplatten in den Bestand des Ascherslebener Museums gelangt sind, ist einer Schenkung von Stadtführer Ronny Reitzig zu verdanken. Der hatte sie seinerseits von einem ehemaligen - inzwischen leider verstorbenen - Wema-Mitarbeiter erhalten, der sie Anfang der 1990er Jahre aus einer Fuhre Grobmüll vor der Vernichtung gerettet hatte.

Stadtführer Ronny Reitzig hatte die Fotoplatten dem Stadtmuseum geschenkt

„Die Fotoplatten mir nichts dir nichts im Depot verschwinden zu lassen, wäre einfach zu schade gewesen. So ist die Idee zu dieser Sonderausstellung entstanden“, erklärt die Museumschefin. Übrigens - Menschen sucht der Betrachter auf den Fotos vergebens. Trotzdem wird es dem Ausstellungsbesucher nicht langweilig.

So wird die Präsentation um spannende Informationen aus der Geschichte des Ascherslebener Werkzeugmaschinenbaus ergänzt. Die wurden vor Jahren zwar schon einmal bei vorangegangenen Ausstellungen gezeigt, haben aber im Zusammenhang mit der aktuellen Schau nichts an Aktualität eingebüßt, sagt Frank Reisberg von der Geschichtswerkstatt der Kreisvolkshochschule des Salzlandkreises. Der hatte die Museumsmitarbeiter bei der Vorbereitung der Sonder-Präsentation unterstützt.

Die   historischen Aufnahmen bestechen durch Detailtreue.
Die historischen Aufnahmen bestechen durch Detailtreue.
(Foto: Frank Gehrmann)

„Sie dürfen aber nicht schreiben - wie in den meisten existierenden Abhandlungen über die Geschichte des Ascherslebener Maschinenbaus zu lesen ist - dass die eingangs erwähnte Einpilaster-Hobelmaschine im Jahr 1896 auf der Pariser Weltausstellung mit einer Goldmedaille ausgezeichnet wurde“, gibt Luisa Töpel dem MZ-Reporter mit auf den Weg.

Frank Reisberg erklärt, dass es 1896 nämlich keine Weltausstellung in Paris gegeben habe. So fand eine 1878 und eine zweite 1889 statt. Ob und wann es die besagte Goldmedaille tatsächlich für die Ascherslebener Maschinenbauer des 19. Jahrhunderts gegeben habe, wolle man im Rahmen der Geschichtswerkstatt demnächst ergründen, so Reisberg. Und von der körperlichen Existenz einer Medaille oder einer zugehörigen Urkunde fehle übrigens auch jede Spur.

Informationen über eine Goldmedaille auf der Weltausstellung in Paris sind ungenau

Dabei scheint die Recherche nach der Antwort auf die Frage, wann die Verleihung einer Medaille stattgefunden haben könnte, nicht besonders schwierig zu sein. Zumindest wird nicht in jeder Dokumentation das Jahr 1896 genannt.

Auf der Internetseite der heutigen Schiess Werkzeugmaschinenfabrik GmbH ist zu lesen: „Billeter und Klunz fingen als Reparaturbetrieb unter anderem für Drehmaschinen an. 1860 wurden die ersten Werkzeugmaschinen produziert. Ab den 1870er Jahren erfolgte eine Spezialisierung auf Hobelmaschinen, mit denen das Unternehmen 1889 auf der Weltausstellung in Paris für große Aufmerksamkeit sorgte und Weltruhm erlangte.“

Ronny Reitzig im Gespräch mit Besuchern.
Ronny Reitzig im Gespräch mit Besuchern.
(Foto: Frank Gehrmann)

Übrigens - Nach dem 2. Weltkrieg, in dem bei Billeter und Klunz in Aschersleben auch kriegswichtige Güter produziert wurden, folgte 1946 die Verstaatlichung des Unternehmens. Das war bis zur Wende als VEB Werkzeugmaschinen (WEMA) Aschersleben am Markt. Auch International. Im Angebot waren vor allem wieder Hobel- und Schleifmaschinen. „Ab den 1960er Jahren wurden verstärkt neue Produkte entwickelt, ab den 1970er Jahren auch Großbearbeitungszentren“, heißt es auf der Schiess-Internetseite weiter.

Die Eröffnung der Sonderausstellung „Billeter & Klunz – Werkzeugmaschinen aus Aschersleben“ zog am Sonntag bereits zahlreiche Interessenten an. Die Exposition wird bis zum 12. September gezeigt.