Sozialarbeiter an Schulen

Sozialarbeiter an Schulen: Geht es nach Ende der Förderung weiter?

Aschersleben - Stellen wurden seit 2008 über Programm Schulerfolg sichern von EU und Sachsen-Anhalt finanziert.

Von Christiane Rasch

Kerstin Hammer ist seit zehn Jahren an der Albert-Schweitzer-Schule in Aschersleben. Ursprünglich als Integrationshelferin für einen Jungen mit Handicap. Als dieser die Unterstützung nicht mehr brauchte, schulte die heute 32-Jährige zur Schulsozialarbeiterin um.

Verbindung zwischen Lehrern, Schülern und Eltern

Seitdem betreut sie nicht nur die Schülerfirma und unterrichtet das Fach „Soziales Lernen“, sondern hat für Problemfälle ein großes Netzwerk aufgebaut, unter anderem mit dem Jugendamt und Dolmetschern. Als Bindeglied zwischen Lehrern, Schülern und Eltern ist Hammer aus Sicht von Schulleiterin Katrin Jelitte unverzichtbar geworden:

„Wenn dieses Zahnrad wegbrechen würde, wäre das für uns schlimm, ein grober Fehler.“ Wohlwissend, dass genau dieser Fall in Kürze bevorstehen könnte. Denn zum 31. Juli läuft der aktuelle Förderzeitraum für die Schulsozialarbeiterstellen im Salzlandkreis aus.

Diese werden seit 2008 über das Programm „Schulerfolg sichern“ finanziert - gefördert vom Europäischen Sozialfonds (ESF) und dem Land Sachsen-Anhalt. „Wir hängen alle in der Luft und wissen nicht, wie es weitergeht“, sagt Hammer.

32 Einrichtungen im Salzlandkreis haben zurzeit Sozialarbeiter

Claudia Wegener von der zuständigen Netzwerkstelle „Bündnis für Schulerfolg im Salzlandkreis“ bestätigt dies. „Uns liegt bisher nichts schriftlich vor“, so Wegener. Jedoch sehe es für die sogenannten Bestandsschulen gut aus. Das sind 32 Bildungseinrichtungen im Salzlandkreis, die derzeit über einen Schulsozialarbeiter verfügen.

In Aschersleben sind insgesamt vier im Einsatz - an der Albert-Schweitzer-Schule, der Pestalozzi-Schule, der Luisenschule und an den Berufsbildenden Schulen. Laut Wegener wurde darüber hinaus in der Förderperiode von 2018 bis 2020 die Schaffung von zehn zusätzlichen Stellen beantragt - ob diese vom Land bewilligt werden, ist ebenfalls noch offen.

Fest steht jedoch, dass die ESF-Mittel zum Sommer 2020 vollständig auslaufen. Das heißt: Ab diesem Zeitpunkt steht kein Geld mehr für die Schulsozialarbeiter-Stellen zur Verfügung. Unklar ist aktuell, wie es dann an den Schulen weitergeht.

Ab 2020 gibt es kein Geld mehr aus dem EU-Sozialfonds

Eine einheitliche Lösung für ganz Sachsen-Anhalt gebe es nicht, sagt Wegener. Jeder Landkreis entscheide für sich. „Es müsste eine Möglichkeit der Förderung gefunden werden. Der Salzlandkreis hat das aber noch nicht vorangetrieben“, so ihre Kritik. Andere Landkreise seien da deutlich weiter, indem die Finanzierung von Schulsozialarbeiter-Stellen bereits in den Haushaltsplänen verankert worden sei.

Im Salzlandkreis gibt es solche Bestrebungen bislang nicht. Auf MZ-Nachfrage teilte Babette Senst, Fachdienstleiterin für Jugend und Familie beim Landkreis, mit, „dass zu diesem Zeitpunkt noch keine Aussage über die Fortführung des Programmes Schulsozialarbeit getroffen werden kann“. Unbestritten ist laut Senst, dass die Schulsozialarbeit eine wichtige Aufgabe zur Sicherung des Schulerfolgs erfüllt.

Lässt sich der Erfolg von Sozialarbeit mit Statistiken bemessen?

Um den Entscheidungsträgern die Notwendigkeit dieser Arbeit zu verdeutlichen, müssen Sozialarbeiter Statistiken führen. In denen wird etwa die Anzahl der geführten Gespräche mit Schülern dokumentiert. Diese Praxis sieht Wegener mit gemischten Gefühlen: „Es ist schwierig, den Erfolg in Zahlen darstellbar zu machen.“

Für Schulleiterin Katrin Jelitte ist es „unverständlich, dass dieser Nachweis immer wieder gebracht werden muss“. Dennoch führt ihre Mitarbeiterin Kerstin Hammer die Listen akribisch. In der Hoffnung, das, was sie in den Jahren an der Schule geschaffen hat, nicht zu verlieren. (mz)