Pflanzaktion

Pflanzaktion : Damit Aschersleben ein bisschen grüner wird

Aschersleben - Der Platz ist wie geschaffen. Direkt zwischen den beiden Häusern des Ascherslebener Stephaneums steht er nun, der Rote Spitzahorn. Der Baum soll an jemanden erinnern, der hier jahrelang hin- und hereilte und ganze Schülergenerationen unterrichtete. Er jonglierte mit Stundenplänen und war für die Leitung des Hauses II verantwortlich. Im letzten Dezember, kurz vor seinem Ruhestand verstarb Klaus-Dieter Reddel. Seine Familie setzte ihm an diesem Wochenende nun ein ...

Von Regine Lotzmann 06.11.2018, 10:28

Der Platz ist wie geschaffen. Direkt zwischen den beiden Häusern des Ascherslebener Stephaneums steht er nun, der Rote Spitzahorn. Der Baum soll an jemanden erinnern, der hier jahrelang hin- und hereilte und ganze Schülergenerationen unterrichtete. Er jonglierte mit Stundenplänen und war für die Leitung des Hauses II verantwortlich. Im letzten Dezember, kurz vor seinem Ruhestand verstarb Klaus-Dieter Reddel. Seine Familie setzte ihm an diesem Wochenende nun ein Denkmal.

Besonderes Denkmal für einen Lehrer

Ein ganz besonderes, weiß André Könnecke. Er berichtet von elf weiteren Bäumen, die jetzt mit der Aktion „Mein Baum für Aschersleben“ gepflanzt worden sind. Und hinter jedem dieser Bäume, sagt der Chef des Ascherslebener Verschönerungsvereins, steckt ein Schicksal, eine Lebensgeschichte.

So soll die neue Krimlinde am Burgplatz an ihren verstorbenen Ehemann erinnern, der jetzt 80 Jahre alt geworden wäre, sagt eine ältere Dame. Die beiden Winterlinden in Schackenthal kommen von zwei Einwohnern, die ihr Dorf verschönern wollen - zumal dort erst einige Eschen gefällt werden mussten.

Ein Baum zur goldenen Hochzeit

„Wir haben uns den Baum zur goldenen Hochzeit geschenkt“, erzählen Christine und Wolfgang Triebel. Einen Säulenfeldahorn. Der steht jetzt in der Ascherslebener Johannispromenade. „Wir haben in der Augustapromenade gewohnt, fast 20 Jahre - und das ist gleich um die Ecke“, sagen die beiden und freuen sich über den schönen Standort.

Warum sie bei der Pflanzaktion dabei sind, können sie schnell beantworten: „Weil sich Aschersleben so schön entwickelt hat nach der Wende - und ein bisschen Grün mehr schadet nie.“

„Es ist mir einfach ein Bedürfnis“

Lothar Pohl will mit einem Bergahorn im Bereich der Oberstraße an seine Eltern Ursula und Günther Pohl erinnern. Dort hätten sie gewohnt. Das war ihr Bezugspunkt. „Es ist mir einfach ein Bedürfnis, das zu tun“, sagt der 64-Jährige, der einen gemeinsamen Erinnerungsort für die beiden haben möchte. „Das ist was Persönliches, was für die Dauer - für mich, für meine Kinder.“

Zudem sei der Ascherslebener selbst Mitglied im Verschönerungsverein und von der Baumpflanz-Aktion - die Idee hatte die Truppe vor ein paar Jahren aus Bad Langensalza mitgebracht - ganz begeistert. „Die Aktion gibt es seit drei Jahren“, rechnet André Könnecke vor.

Mittlerweile sind es 68 Bäume

Dabei werden im Herbst und im Frühling gespendete Bäume gepflanzt - insgesamt sind es schon 68. Und nicht nur in der Kernstadt, auch in den Ascherslebener Ortsteilen, wie jetzt erst wieder in Winningen. „Das ist eine beachtliche Zahl und das Interesse reißt nicht ab“, sagt der Vereinschef und freut sich.

Die Anlässe für diese Spenden seien vielfältig. Geburten, Erinnerungen, Geburtstage, Jubiläen. „Und die Baumpflanzer entscheiden sich ganz bewusst für den öffentlichen Raum, um was Gutes für die Gesellschaft zu tun.“

Nicht nur eine "gebaute Schönheit"

„Damit die Stadt nicht nur eine gebaute Schönheit ist, sondern auch ein schönes Umfeld hat“, sagt Julia Rippich, die als Vertreterin des Ascherslebener Oberbürgermeisters die Spenden-Urkunden überreicht. „Und auch mit Baumarten, die sonst nicht üblich sind - da sind schon einige Raritäten dabei.“

An deren Füßen stehen übrigens kleine Tafeln - mit den Namen der Spender und dem Anlass darauf. Die Stellen dafür bestehen neuerdings aus dem langlebigen und hochwertigen Megawood-Material - einer Spende der Ascherslebener Firma Novotech.

Beitrag zum ökologischen Gleichgewicht

Doch auch die Bäume sollen lange leben und ein Beitrag zum ökologischen Gleichgewicht sein. „Die Rotbuche hier wird 20 bis 25 Meter hoch und bekommt eine große Krone“, sagt Könnecke und zeigt auf den Baum gegenüber von Reddels Spitzahorn.

Der ist ein Geschenk für Harald Nötzel zu dessen 70. Geburtstag. „An guten Tagen produziert der 13 Kilogramm Sauerstoff - das ist der Tagesbedarf von zehn Personen.“ Könnecke meint deshalb: „So legen wir hier auch den Grundstein für zukünftige Generationen.“

„Wir fühlen uns hier wohl in dieser Stadt"

Das ist auch in Nötzels Sinn. Seine Frau und er - beide ebenfalls Mitglieder im Verschönerungsverein - leben seit 1972 in Aschersleben. Nach dem Studium seien sie dorthin vermittelt worden. Sie in die Optima, er als Ingenieur im Straßenbau. „Wir fühlen uns hier wohl in dieser Stadt - und das ist der Dank dafür“, sagt der 70-Jährige und gießt seinen Baum symbolisch an.

(mz)