Reha-Sport

Mit 74 neuer Übungsleiter bei Ascherslebener Herzsportgruppe

Dabei weiß Reinhard Schrader aus eigenem Erleben genau, wie sich die Männer und Frauen in seiner Sportgruppe fühlen.

Von Kerstin Beier 13.05.2022, 16:00
Regelmäßig ist Reinhard Schrader beim Training im Ballhaus anzutreffen.
Regelmäßig ist Reinhard Schrader beim Training im Ballhaus anzutreffen. Foto: Frank Gehrmann

Aschersleben/MZ - Dass Reinhard Schrader mit 74 Jahren noch einmal Übungsleiter werden würde, hätte er selbst nicht für möglich gehalten. Doch nun ist es so: Nach Schulungen beim Landesverband für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauf-Erkrankungen leitet er wöchentlich eine von drei Herzsportgruppen an. Diese arbeiten unter dem Dach des SV Lok Aschersleben. Der von Hartmut Bethge geführte Rehasport mit 400 Mitgliedern in unterschiedlichen Gruppen gehört zu den größten Abteilungen des Sportvereins.

Reinhard Schrader weiß nur zu gut, wie sich die Männer und Frauen fühlen, die in seiner Gruppe trainieren. Gleich zwei Herzinfarkte kurz hintereinander haben ihn 1999 regelrecht aus der Bahn geworfen. Damals starker Raucher fasst er heute keinen Glimmstängel mehr an. „Man muss erst krank werden, ehe man was ändert“, sagt er, der auch einen dritten Infarkt 2007 überstanden hat. Schwergefallen sei ihm der Verzicht trotzdem. Der Sport aber, der liegt ihm von jeher in den Genen.

Sein Leben lang habe er Sport getrieben, die A-Jugend beim 1. FCA trainiert. „Da ist also Übungsleiterblut drin“, scherzt der Internist Olaf Haberecht, der als einer von mehreren Ärzten aus dem Ameos-Klinikum wechselweise bei jeder Trainingseinheit der Herzsportgruppe dabei ist. Er ist froh, dass er Reinhard Schrader als Übungsleiter gewinnen konnte. Denn obwohl zwölf Anleiter zur Verfügung stehen, „brauchen wir neue Leute.“ Hartmut Bethge bestätigt das: „Wenn mal jemand ausfällt, wird es schon kompliziert.“ Mit seinem Engagement möchte Reinhard Schrader etwas zurückgeben, denn: „Die Gruppe hat mir geholfen. Ich war immer froh, wenn ich zum Sport gehen konnte. Da waren andere, die auch betroffen waren, und ich konnte mich austauschen“, erinnert er sich zurück. „Alleine hätte ich vielleicht nichts gemacht.“

Das Miteinander und die Gemeinschaft braucht er noch immer, sagt der ehemalige Maschinenbauer, der bis 1992 in der Wema gearbeitet hat. Auch wenn es einen festen Plan gibt, nach dem Gleichgewicht, Reaktion und Muskelaufbau trainiert werden: „Die Leute sollen kommen und Spaß haben“, sagt er. Die Stunden seien nicht nur mit Sport gefüllt, sagt auch Hartmut Bethge. „Da wird Wissen weitergegeben und die jeweils anwesenden Ärzte beraten die Teilnehmer, wo es nötig ist.“ In der Gruppe würde man lernen, wie man sich nach einem einschneidenden Ereignis wie einem Herzinfarkt wieder belasten kann, um auch im Alltag wieder mehr zu wagen, so Haberecht. Reinhard Schrader kann das nur bestätigen.