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Gemeinsam im Beet„Grüne Jungs“ aus Aschersleben kämpfen gegen das lästige Kraut

Seit zehn Jahren kümmern sich zehn Mitarbeiter der Lebenshilfe im Auftrag des Bauwirtschaftshofes und der Aka um die Laga-Flächen.

Von Kerstin Beier 08.11.2021, 12:00
Die grüne Truppe sorgt dafür, dass es auf den Ascherslebener Grünflächen gut aussieht.
Die grüne Truppe sorgt dafür, dass es auf den Ascherslebener Grünflächen gut aussieht. Foto: Frank Gehrmann

Aschersleben/MZ - Die Wedewinde ist ein verdammt lästiges Kraut. Es schlängelt sich frech um die Rosen im Ascherslebener Rosarium. Doch den Augen von Steffen Matthias entgeht keine der Pflanzen, die im Rosenbeet nichts zu suchen haben. Der 40-Jährige gehört zur Truppe der Lebenshilfe „Harzvorland“, die sich im Auftrag des Bauwirtschaftshofes und der Aschersleber Kulturanstalt seit zehn Jahren um die ehemaligen Landesgartenschauflächen kümmert.

Passanten sehen die Männer und zwei Frauen in ihrer grünen Arbeitskluft in der Saison von März bis November täglich: auf der Herrenbreite von Aschersleben, im Bestehornpark, im Stadtpark, auf den Eine-Terrassen. Gerade sind sie im Rosarium und kümmern sich dort darum, dass das Unkraut nicht überhand nimmt.

„Es macht ganz viel Spaß mit der Truppe“

Angeleitet werden die Menschen mit geistiger Behinderung von Gruppenleiter Holger Müller von der Lebenshilfe und von Edith Frommann, Mitarbeiterin im Bauwirtschaftshof. Sie sorgt dafür, dass die Arbeiten fachgerecht ausgeführt werden und arbeitet immer mit. Die fröhliche blonde Frau hält mit ihrem freundlichen Wesen die Stimmung hoch, denn es gibt beliebtere Arbeiten als das „Krauten“ - zumal der Boden gerade nass und schwer ist. Trotzdem: „Es macht ganz viel Spaß mit der Truppe“, sagt sie. Denn die insgesamt zehn Leute seien motiviert und fleißig.

Die meisten von ihnen, zwischen 29 und 60 Jahre alt, sind von Anfang an dabei. Neben Edith Frommann einzige Frau im Team: Stephani Küster. „Bei Mistwetter macht es nicht so viel Spaß“, gibt diese zu, „aber es ist gut, immer an der frischen Luft zu sein“. Die Arbeit in einer Werkstatt kann sie sich weniger gut vorstellen.

„Natürlich sorgen wir für ausreichend Pausen und gehen auf jeden ein“, sagt Holger Müller, der seit 2008 bei der Lebenshilfe arbeitet und eine sonderpädagogische Zusatzausbildung absolviert hat.

Die Mitarbeiter sind stolz auf ihre Arbeit.
Die Mitarbeiter sind stolz auf ihre Arbeit.
Foto: Frank Gehrmann

Daher weiß er, wie er seine Schützlinge nehmen muss, „wenn sie mal ihren Rappeltag haben“, sagt Holger Dietrich. Er ist beim Bauwirtschaftshof für das Grün in der Stadt und in den Ortsteilen zuständig. Damit ist er die Schaltstelle - mit ihm wird jeweils abgesprochen, was zu tun ist. Und er weiß, dass er die Arbeit gut planen muss. Denn die „grünen Jungs“ brauchen Beständigkeit, „flexibles Agieren ist nicht so ihres“, sagt Holger Müller.

„Ohne die Lebenshilfe würden die Flächen nicht so aussehen, wie sie aussehen“

Trotzdem läuft die Arbeit reibungslos, „und wir sind froh, dass wir die Truppe haben. Ohne die Lebenshilfe würden die Flächen nicht so aussehen, wie sie aussehen. Es würde nicht laufen.“ Mit Edith Frommann, so sagt er, habe er die richtige Frau an der richtigen Stelle. Sie sei wie eine Mutter und backe als Dankeschön auch mal einen Kuchen, erzählt er lachend. Gelegentliche Anerkennung für die Arbeit der Gruppe komme auch von Anwohnern, Touristen und Passanten.

In diesen Tagen sind Unmengen von Laub auf den großen Flächen zu beseitigen. Eine Arbeit, die beliebter ist als das Jäten, „weil die Jungs einfach Bewegung brauchen“, weiß der Gruppenleiter. „Aber Rasenmähen macht am meisten Spaß“, erklärt Steffen Matthias, und seine Kollegen nicken eifrig. Ausgestattet mit Wetterjacken, gehen Laubarbeiten auch bei leichtem Regen über die Bühne. Wird das Wetter schlechter, stehen Werkzeugpflege und Reinigungsarbeiten an. Ihren „Stützpunkt“ haben die Lebenshilfe-Mitarbeiter in der Weißen Villa zwischen Herrenbreite und Bestehornpark. Sie sehen von dort also täglich ganz unmittelbar, was sie geschafft haben.