Aschersleben Aschersleben: Klaus Winter leitet offiziell Gymnasium
ASCHERSLEBEN/MZ. - Wenn sich Klaus Winter am Donnerstagmorgen gegen 9 Uhr ins Auto setzt und zum Fortbildungszentrum nach Thale fährt, wird er es noch als kommissarischer Leiter des Gymnasiums Stephaneum in Ascherleben tun. Kommt er gegen 13.30 Uhr von der feierlichen Übergabe der Ernennungsurkunde aus den Händen des Referatsleiters für Gymnasien im Landesverwaltungsamt, Wolf-Dietrich Boine, ins Sekretariat des Hauses I zurück, ist das Wort "kommissarisch" offiziell aus dem Titel gestrichen.
Dann wird er wohl auf einem kleinen, im Verborgenen organisierten Empfang mit Kollegen, Mitgliedern des Verbandes ehemaliger Schüler des Stephaneums zu Aschersleben sowie Mitstreitern des Fördervereins auf seine endgültige Beförderung zum Leiter des Gymnasiums anstoßen.
Am Donnerstag bestätigte Denise Vopel, Pressesprecherin des Landesverwaltungsamtes als oberste Schulbehörde des Landes Sachsen-Anhalt, die Ernennung Winters. Der bei Kollegen und Schülern beliebte Pädagoge begann 1991 seine Karriere am traditionsreichen Gymnasium, das es seit dem 29. Juni 1325 geben soll und an dem derzeit 802 Jungen und Mädchen lernen. Bereits zwei Jahre später wurde er Fachbetreuer für das Fach Geschichte, seit 1994 war er stellvertretender Schulleiter am Stephaneum. Nach dem Rückzug der langjährigen Schulleiterin Hildegard Mierzwa in den Ruhestand im Jahr 2008, hatte er das Ascherslebener Gymnasium schon kommissarisch geleitet.
Hinter den Kulissen tobte da bereits ein heftiger Streit um die Nachfolge von Hildegard Mierzwa. Eigentlich war dafür zunächst Karla Reiter vorgesehen. Die Lehrerin stand seit 1991 an der Spitze des zweiten Ascherslebener Gymnasiums, das zunächst Gymnasium Nord hieß und später in Ascaneum umbenannt wurde. Als nach der Umsetzung der ersten Schulentwicklungsplanung das Ascaneum geschlossen wurde, wechselte die langjährige Pädagogin im Jahr 2007 zum Landesverwaltungsamt als schulfachliche Referentin. Ihre Rückkehr nach Aschersleben zum Stephaneum scheiterte jedoch am heftigen Widerstand der Gesamtschulkonferenz. In diesem Gremium sitzen Schüler, Elternvertreter sowie Lehrer - und die können unter anderem ihr Veto gegen die Besetzung des Leiterpostens einlegen. Die Gesamtschulkonferenz lehnte sie ab. "Wir wollten sie einfach nicht haben", erklärte ein damals in dem Gremium sitzender Vertreter. Der Pädagogin wurde vor allem vorgeworfen, dass sie sich noch als Leiterin des Ascaneums "sehr negativ über das Stephaneum" geäußert habe: "So jemanden konnten wir nicht bestätigen." Nun ist Karla Reiter Leiterin des Bernburger Gymnasiums Carolinum.
In der Schule selbst und im Umfeld ist die Freude groß, dass endlich ein Schlussstrich unter "die alten Geschichten" gezogen wird. "Wir begrüßen die Entscheidung", sagt Michael Herre, Vorsitzender des Verbandes ehemaliger Schüler des Stephaneums zu Aschersleben. "Die Zusammenarbeit mit Klaus Winter war bislang immer gut und angenehm. Er ist der ideale Mann dafür", meint Herre.