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Beitritt zur Charta FriedhofskulturAschersleben bekennt sich zu seinen Friedhöfen

Aschersleben tritt der Charta Friedhofskultur bei. Was das für die Ruhestätten in der Stadt und in den Ortsteilen bedeutet.

Von Katrin Wurm 20.09.2022, 14:00
Oberbürgermeister Steffen Amme unterzeichnet die Charta Friedhofskultur.
Oberbürgermeister Steffen Amme unterzeichnet die Charta Friedhofskultur. (Foto: Frank Gehrmann)

Aschersleben/MZ - „Es ist ein Bekenntnis zum Friedhof als Ort der Kommunikation, der Ökologie und der Geschichte“, ordnet Friedhofs-Chef André Könnecke ein. Was er damit meint, ist der Beitritt der Stadt Aschersleben zur Charta Friedhofskultur. Oberbürgermeister Steffen Amme (Widab) besiegelt diesen Beitritt mit einer Unterschrift auf dem Dokument, das elf Punkte umfasst. Damit solle ein Zeichen für den Erhalt und die Weiterentwicklung der Friedhofskultur gesetzt werden, begründet Amme. „Und damit meine ich nicht nur den Zentralfriedhof in der Schmidtmannstraße, sondern auch die Friedhöfe in den Ortsteilen“, betont der OB.

Doch was genau beinhaltet die Charta Friedhofskultur? André Könnecke erklärt es anhand eines Beispiels: „Jeder Mensch hat das Recht auf eine würdevolle Bestattung auf dem Friedhof und ein anerkennendes Gedenken.“ So lautet der erste Leitsatz der Charta, die die wichtigsten Institutionen und Verbände im deutschen Friedhofswesen gemeinsam erarbeitet haben. „Das Manifest verdeutlicht in elf Leitsätzen, worum es in unserer historisch gewachsenen Friedhofskultur geht: um ein zu schützendes Kulturgut für alle Bürgerinnen und Bürger“, betont er.

Das Manifest zeige dabei nicht nur auf, wie wertvoll die Friedhofskultur für das Abschiednehmen und Erinnern jedes Einzelnen ist, fügt Könnecke an. Vielmehr gehe es um das vielschichtige Spektrum der Friedhöfe, beispielsweise in kultureller, sozialer, historischer oder naturschützender Hinsicht. So seien die Friedhöfe unter anderem die größten Skulpturenparks, die Grünanlagen mit der höchsten Biodiversität oder die lebendigen, sich stets fortschreibenden Geschichtsbücher.

„Mit unserem Beitritt zur Charta beziehen wir klar Haltung für den Kulturraum Friedhof“, ergänzt Oberbürgermeister Steffen Amme. „Dabei geht es nicht um das Mumifizieren der Friedhofskultur – im Gegenteil: Der Friedhof ist ein Ort der Lebenden, der sich an den Bedürfnissen der Menschen heute ausrichten und weiterentwickeln muss“, stellt André Könnecke klar. So bieten die Friedhöfe vor Ort immer mehr pflegeleichte oder pflegefreie Bestattungsangebote an. In den Fokus rückt Könnecke, dass man sich auf den Friedhöfen auch für die nachhaltigste und „grünste“ Form der Beisetzung überhaupt entscheiden könne: eine biologische Erdbestattung mit naturnah gestalteten kleinen Gärten der Erinnerung, die die Biodiversität fördern und zum Klimaschutz beitragen.

Und auch eine weitere Bestattungsform wird diskutiert: die Reerdigung. Ein Verstorbener wird dabei in einem sogenannten Kokon - ein sargähnlicher Behälter aus Edelstahl - in Humus transformiert. Mikroorganismen und moderne grüne Technologie verwandeln den Leichnam, der auf Heu, Stroh und Blumen gebettet wird, bei einer bestimmten Temperatur in Humus. Binnen 40 Tagen soll der Leichnam zersetzt sein. Vorteil der Form sei vor allem die Einsparung von rund einer Tonne CO2, die zu einem besseren ökologischen Fußabdruck des Menschen führt. Der Ascherslebener Stadtrat hat dieser Bestattungsart bereits zugestimmt. Unklar ist noch, ob Reerdigung als weitere Bestattungsform gesetzlich zugelassen wird.

Wer die Punkte der Charta nachlesen möchte, findet sie unter www.kulturerbe-friedhof.de.