1. MZ.de
  2. >
  3. Lokal
  4. >
  5. Nachrichten Aschersleben
  6. >
  7. Aktion : „Mein Baum für Aschersleben“

Aktion Aktion : „Mein Baum für Aschersleben“

Aschersleben - „Für mich ist dieser Baum ein wunderbarer Gedenkort“, sagt Gabriele Theil, nachdem sie die Papierbirke angegossen hat. Der junge Baum, der nun neben dem Rondell im Ascherslebener Promenadenring seinen festen Standort bekommen hat, ist einer von zwölf neuen Bäumen, die im Rahmen der Aktion „Mein Baum für Aschersleben“ gepflanzt ...

Von marion Lange 23.10.2016, 17:00

„Für mich ist dieser Baum ein wunderbarer Gedenkort“, sagt Gabriele Theil, nachdem sie die Papierbirke angegossen hat. Der junge Baum, der nun neben dem Rondell im Ascherslebener Promenadenring seinen festen Standort bekommen hat, ist einer von zwölf neuen Bäumen, die im Rahmen der Aktion „Mein Baum für Aschersleben“ gepflanzt wurden.

Der Verschönerungsverein hatte dieses Projekt vor drei Jahren ins Leben gerufen. Dabei haben Interessierte die Möglichkeit, aus einem ganz besonderen Anlass heraus, einen Baum für Aschersleben zu spenden.

Gabriele Theil ist nicht die Spenderin selbst, die nun an diesem Baum auch um ihre Mutter Marlene Theil trauern kann, die im April im Alter von 92 Jahren verstarb. Gespendet wurde die Papierbirke von den Ascherslebener Stadtwerken.

Brigitte Klopstein Prokuristin der Stadtwerke mit Fotowettbewerb in Aschersleben

„Wir wollten uns an der tollen Aktion des Verschönerungsvereins beteiligen und ebenfalls einen Baum spenden. Dafür haben wir zu einem Fotowettbewerb aufgerufen“, verrät Brigitte Klopstein, die Prokuristin der Stadtwerke. Die Kunden sollten Fotos von Bäumen einsenden.

Was die Stadtwerke neben vielen tollen Fotos bekamen, waren aber auch Geschichten. „Diese eine ging uns sehr ans Herz. Deshalb ist dieser Baum für Marlene Theil“, sagt Brigitte Klopstein.

Der Kontakt zu Marlene Theil, die in Bayern lebte, bestand schon seit vielen Jahren. Denn die gebürtige Ascherslebenerin konnte von ihrer Heimat nicht lassen und informierte sich stets über die Veränderungen in der Eine-Stadt.

So war sie auch begeistert von dem Fotoaufruf. Denn schon ihre Mutter hatte zu ihrer Geburt eine Birke gepflanzt. Die steht heute noch auf einem Hinterhof in der Breiten Straße. Auch das Elternhaus ist noch in Händen der Familie Theil. Der Baum sei mit ihr alt geworden und sie habe ihn wachsen sehen.

Ascherslebenerin Marlene Theil postum Gewinnerin der Aktion

Die Geschichte ihres Lebens hat die alte Dame vier Wochen vor ihrem Tod aufgeschrieben, mit dem Ziel, diese an die Stadtwerke zu senden. Als Marlene Theil aber starb, übernahm diese Herzensangelegenheit ihre Tochter Gabriele. Dass ihre Mutter nun die Gewinnerin der Aktion ist, bedeutet der ebenfalls gebürtigen Ascherslebenerin viel.

„Für mich schließt sich an dieser Stelle ein Kreis. Denn heute ist auch der Geburtstag meiner Großmutter, die einen Baum damals für ihre Tochter pflanzte“, sagt sie. Diese Birke gedeihe immer noch prächtig. Das bedeute ihr ebenso viel, wie nun der neue Baum, der unbedingt eine Birke sein musste und an dem sie nun den Erinnerungen an ihre Mutter und Oma freien Lauf lassen darf. „Ich werden ihn regelmäßig besuchen“, sagt sie.

Insgesamt wurden seit Beginn der Aktion des Verschönerungsvereins bereits 31 Bäume gepflanzt. „Diese Bäume wurden bei drei Pflanzterminen in die Erde gebracht. Wir sind begeistert darüber, wie viele Menschen ihrer Stadt einen Baum schenken“, sagt der stellvertretende Vereinsvorsitzende André Könnecke. Auch für das kommende Frühjahr gibt es schon wieder Anmeldungen.

Bäume in Mitteldeutschen Baumschulen in Reinstedt produziert

Die Anlässe für diese Pflanzungen sind verschieden: Hochzeit, Geburtstag, Enkelkinder, Geburt oder ein Familienbaum.

So wie der Urweltmammutbaum, den Familie von Iven auf den Eine-Terrassen pflanzen lassen hat. „Wir sind vor 20 Jahren in die Stadt gekommen, haben uns sehr gut eingelebt, haben uns hier eine Existenz aufgebaut und die Kinder sind hier geboren. Es ist unsere Heimat geworden“, sagt Katrin von Iven. Aus diesem Grund habe man der Stadt etwas zurückgeben wollen. Auf dem kleinen Schildchen, das vor jedem Baum angebracht wird, stehen deshalb auch die Namen: Laura und Leo, Katrin und Marco.

Bei dem Standort und auch mit der Baumsorte seien sie von der Stadtverwaltung und dem Bauwirtschaftshof gut beraten worden. Die Bäume selbst übrigens werden in den Mitteldeutschen Baumschulen in Reinstedt produziert. „Zwei der zwölf Bäume konnten wir noch nicht pflanzen, hier muss die Wurzel erst Frost bekommen. Sonst hat der Baum Schwierigkeiten mit dem Anwachsen,“ sagt Holger Dietrich vom Bauwirtschaftshof, der auch die Pflege der Bäume übernehmen wird.

Auch Wilhelm Böhm freut sich über einen Baum. Die Esche, die künftig im Stadtpark gedeihen soll, haben er und seine Frau von den Kindern zur Diamantenen Hochzeit bekommen. „Da haben wir uns sehr drüber gefreut“, sagt der 82-Jährige. Denn schließlich sei er ein Baumfreund und habe 2 592 Mal auf Bäume hochklettern müssen, um in luftiger Höhe Greifvögel zu beringen. (mz)