Tribal und Delfine: Auch Tattoos unterliegen der Mode

Berlin/Mannheim/dpa. - Sich eine Tätowierung zuzulegen, ist nichts Besonderes mehr. Und an prominenten Vorbildern fehlt es nicht: Fußballer Thorsten Frings hat Tattoos und Rocker Bela B. sowieso.

Von Thilo Mischke

Sich eine Tätowierung zuzulegen, ist nichts Besonderes mehr. Und an prominenten Vorbildern fehlt es nicht: Fußballer Thorsten Frings hat Tattoos und Rocker Bela B. sowieso.

Dennoch fällt die Entscheidung nicht leicht - etwas aussagen soll das das Tattoo, und es soll für ein persönliches Lebensgefühl stehen. Doch was ist, wenn der Tätowierte merkt, dass sein Motiv gar nicht ungewöhnlich ist? Schließlich unterliegen auch Tattoos Trends.

Gerit Pfütz aus Berlin hat sich eine stilisierte Lilie in den Nacken tätowieren lassen, wie sie auf der Flagge von Kanadas Provinz Quebec zu finden ist. «Ich war ein Jahr dort und wollte eine Erinnerung haben», sagt die 20-Jährige. Dass das Symbol auch für die Freimaurerpfadfinder steht, wusste sie nicht - das beschreibt genau das Problem bei symbolhaften Tattoos. «Es ist mein zweites Tattoo - das erste ist ein Stern auf dem Knöchel, aber das hat ja mittlerweile jeder», erzählt die angehende Studentin.

Laut einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach kommen Tattoos zwar langsam aus der Mode. 41 Prozent der Deutschen sagten im vergangenen Jahr, Tattoos seien out. Drei Jahre davor waren es nur 29 Prozent gewesen. Selbst bei den unter 30-Jährigen findet nur noch die Hälfte Tätowierungen in. Vor allem prominente Vorbilder wecken aber immer wieder den Wunsch nach Körperschmuck.

Unter weiblichen Jugendlichen sollen mehr als 40 Prozent eine Tätowierung oder ein Piercing haben, hieß es im Frühjahr in der Ausstellung «Unter die Haut» im Museum für Kommunikation in Frankfurt/Main. Gerit Pfütz sagt, sie habe sich für den Stern unabhängig von Trends oder Vorbildern wie Sarah Kuttner entschieden - die Moderatorin hat den Stern am Arm tätowiert.

So wie momentan Sterne angesagt sind, lag in den Neunzigern das Steißtribal, «Arschgeweih» genannt, im Trend, sagt Tätowierer Stefan Schulz aus Berlin. Dass Tattoos keine Aussage über die soziale Zugehörigkeit machen, glaubt Boris Rödel, Chefredakteur des «Tätowier-Magazin» in Mannheim. «Das hat sich damals doch jeder stechen lassen.» Viel mehr sei ein Tattoo ein Modetrend wie jeder andere.

«Modetattoos sind meist kleine Bilder, ohne konkrete Bedeutung und offen für Interpretationen», sagt Rödel. Die angesagten Sterne etwa seien klein, gut zu verstecken, und jeder könne eine eigene Bedeutung hineinlegen. «Wer kein voll tätowierter Profi ist und einfach nur ein Bild haben möchte, sollte möglichst eines ohne Bedeutung wählen.» Denn schnell sagt die Lilie dann doch mehr aus, als der Träger will.

Wer sein erstes Tattoo nicht mehr mag, der kann es laut Schulz in ein anderes verwandeln, es vergrößern oder übertätowieren. Die Alternative ist, es sich weglasern zu lassen. Das sei aber sehr schmerzhaft und könne zu hässlichen Narben führen, sagt Rödel.

Um derartiges zu vermeiden, sollte sich der Kunde vorab die Frage stellen: «Mag ich mein Motiv auch noch in fünf, zehn oder 15 Jahren?» «Wer sich für ein Tattoo entschieden hat, sollte auch dazu stehen», sagt Rödel. Aber auch für ihn, der 45 Bilder trägt, gibt es Motive, die er nicht gerade schön findet. «Das ist wie mit einer krummen Nase oder einem Karl-Dall-Auge - das gehört zu meinem Körper.»