Traurig am Muttertag

Traurig am Muttertag: „Meine Mutter habe ich aus meinem Leben gestrichen“

Köln - Heidi, 38, hat den Kontakt zu ihrer Mutter vor Jahren abgebrochen, weil sie immer und immer wieder enttäuscht wurde. Warum sie sich trotzdem auf den Muttertag freut.

Von Lisa Harmann 11.05.2018, 12:45

Am Wochenende werden wieder kleine Herzen gebastelt, Pralinen verpackt und Blumen gekauft, denn am Sonntag ist Muttertag.

Doch nicht alle verbinden mit diesem Tag etwas Positives.

Heidi, 38, etwa hat den Kontakt zu ihrer Mutter vor Jahren abgebrochen, weil sie immer und immer wieder enttäuscht wurde. Sie war kein Wunschkind gewesen und irgendwann ließ die Mutter sie zurück. Fortan lebte sie bei ihrer Oma.

Heidi freut sich heute trotzdem auf den Muttertag, denn sie hat mittlerweile selbst zwei Söhne, viereinhalb und zweieinhalb Jahre alt.

Heidi, wie geht es Ihnen, wenn Sie an den Muttertag denken?

Ich kann mit Stolz behaupten, dass mich dieser Tag nicht mehr belastet. Ich kann aber auch jeden verstehen, der diesen Tag als rotes Tuch wahrnimmt – weil ich weiß, wie es sich anfühlen kann.

Wie denn?

Ich habe meiner Mutter in jungen Jahren mal eine CD geschenkt. Darauf stand „Für die beste Mama der Welt“. Meine Mutter hat sie einfach unkommentiert zur Seite gelegt. Ich glaube, sie hat sie niemals gehört. Das schmerzt mich heute noch. Sie war so kaltherzig. Aber ich kann es heute besser einschätzen.

Inwiefern?

Meine Mutter wollte mich nicht. Ich war ein „Unfall“, sie war erst 18. Ich wuchs hauptsächlich bei meiner Oma auf, weil meine Mutter im Schichtbetrieb arbeitete. Als ich zehn war, verließ sie mich dann ganz und zog ohne mich zu ihrem neuen Freund. Ich hab dann irgendwann nur noch meiner Oma etwas zum Muttertag geschenkt.

War das okay für Sie?

Mir blieb ja nichts anderes übrig. Aber es war schon schwer. In der Schule sollten wir vor dem Muttertag einmal unsere Familie malen. Da sagte ein Kind „Wie gemein, da braucht die Heidi ja nur eine Person zu malen“. Die Klasse lachte. Ich musste weinen.

Haben Sie denn heute noch Kontakt zu Ihrer Mutter?

Nein. Nachdem ich selbst Mama geworden war und bemerkt hatte, wie viel Liebe ich als Mutter empfinde, wurde mir ihr Verhalten immer rätselhafter. Wie konnte sie mich, ihr Kind, einfach allein lassen damals?

Sie hat meine Kinder ein paar Mal gesehen, aber dann wusste ich: Nein, das geht nicht mehr. Es gab viele komische Situationen. Sie weckte sie zum Beispiel, um mehr Zeit mit ihnen zu haben. Da brachen bei mir dann alte Wunden auf. Das wollte ich nicht mehr.

Wie werden Sie den Muttertag also feiern?

Ich wohne mittlerweile weit weg und habe einen tollen Mann mit einer herzlichen Familie. Mein Mann macht mir zum Muttertag immer Geschenke, mal sind es Blumen, mal ein Seiden-Schlafanzug.

Ihre Söhne wachsen ganz anders auf...

Ja, und deswegen freue ich mich auch wieder auf den Muttertag. Sie werden mir bestimmt in der Kita etwas basteln. Und das bedeutet mir wirklich viel. Für mich wäre es die größte Ehre und Anerkennung, wenn sie mir irgendwann von sich aus etwas zum Muttertag schenken möchten.

Wieso?

Das wäre für mich ein wunderschönes Zeichen, weil ich nach meiner Familiengeschichte einfach unheimlich Angst habe, keine gute Mutter zu sein. Für mich wäre das eine wunderschöne Bestätigung, dass ich doch ganz okay bin als Mutter. (lacht)

Was bedeutet denn Muttersein für Sie?

Es ist mein größtes Glück, das Beste, was mir je passiert ist. Ich wusste einfach nicht, zu wie viel Liebe ich fähig sein könnte.