Adventure-Klassiker

Sechs richtig gut gealterte Spiele

Technisch entwickeln sich Videospiele stetig weiter. Richtig gute Geschichten haben sie aber auch schon vor mehr als dreißig Jahren erzählt. Diese sechs Adventures von damals beweisen das.

Von Dominik Schott, dpa
Simon gerät im gleichnamigen Spiel „Simon the Sorcerer“ in eine magische Welt und muss den bösen Zauberer Sordid besiegen.
Simon gerät im gleichnamigen Spiel „Simon the Sorcerer“ in eine magische Welt und muss den bösen Zauberer Sordid besiegen. Mojo Touch/dpa-tmn

Berlin - Point'n'Click-Adventures gehören zu den ältesten Genres der Spielewelt: Seit Mitte der 80er Jahre klicken und rätseln sich Fans durch bizarre Fieberwelten, SciFi-Dramen und klassische Rittergeschichten. Hunderte dieser Spiele sind in den letzten vier Dekaden erschienen. Sechs ganz besonders gute Adventures - echte Klassiker - wollen wir hier vorstellen. Und die beste Nachricht: Es gibt sie alle auch in überarbeiteten Versionen für heutige Computer.

Irre Zeitreise im Klo-Häuschen

„Day of the Tentacle“ ist von vorne bis hinten ausgesprochen bizarr: Drei Freunde reisen in Dixie-Toiletten durch die Zeit und müssen ein lila Tentakel aufhalten, das nach einem Chemie-Unfall plötzlich zwei kleine Ärmchen und den starken Wunsch hat, die Welt zu unterjochen. Präsentiert wird diese absurde Geschichte in einer Fiebertraum-Ästhetik voller unmöglicher Architekturelemente, schiefer Winkel und gekrümmter Innenräume.

Und genau dieser Mix macht „Day of the Tentacle“ zu einem echten Klassiker seines Genres. Denn obwohl die Geschichte auf den ersten Blick bizarr wirkt, entspinnt sie sich doch zu einem spannenden Zeitreise-Abenteuer mit fordernden, aber niemals unfairen Rätseln. Und wann kann man sonst mit einem Baustellenklo ins 18. Jahrhundert reißen und die amerikanischen Gründerväter bei ihrer Arbeit beobachten?

Spielenswert weil: Day of The Tentacle mag zunächst geradezu abschreckend bizarr wirken. Hinter der Fiebertraum-Fassade verbirgt sich aber ein humorvolles und spannendes Zeitreise-Abenteuer.

„Hinter dir, ein dreiköpfiger Affe!“

Dieser seltsame Ausruf stammt aus einem echten Adventure-Klassiker: „The Secret of Monkey Island“, ein humorvolles Abenteuer über den jungen Guybrush Threepwood, der sich nichts sehnlicher wünscht, als endlich ein Pirat zu werden. Spielerinnen und Spieler helfen ihm bei dieser Mission und erleben auf dieser Reise dutzende, wirklich lustige Momente. Aber auch den ein oder anderen spannenden Showdown - denn ganz ohne Zombie-Bösewicht geht es auch in dieser ungewöhnlichen Piratengeschichte nicht.

Wie viel Spaß „The Secret of Monkey Island“ wirklich macht, beweist sein Ruf unter den Fans: Trotz seiner mittlerweile über 30 Jahre auf dem Buckel gehört das liebevoll gestaltete Adventure zu den bekanntesten und beliebtesten Point'n'Click-Titeln überhaupt. Deutlicher kann man „Spielempfehlung“ nicht mehr buchstabieren.

Spielenswert weil: Detailverliebte Pixelgrafik, ein Ohrwurm-Soundtrack, ein tollpatschiger Pirat in Ausbildung. Mit diesen Zutaten zauberte Lucasfilm Games 1990 ein unterhaltsames Adventure, das bis heute nichts von seinem Charme verloren hat.

Die Suche nach dem Heiligen Gral

Indiana Jones ist neben Lara Croft wohl der bekannte Archäologe der Welt. Aber tatsächlich peitschte sich der belesene Draufgänger in der Vergangenheit nicht nur durch Hollywood-Filme, sondern auch durch pixelige Spielwelten: „Indiana Jones and The Last Crusade“ erschien 1989 und ist das erste Point'n'Click-Adventure von Lucasfilm Games - ein gelungenes Debüt, das den Archäologen auf die Suche nach seinem Vater und den Heiligen Gral schickt.

Zwar erzählt das Spiel in Grundzügen die gleiche Geschichte wie der im selben Jahr erschienene Kinofilm. Doch immer wieder schweift das Spiel von der Filmvorlage ab. Dutzende Rätsel warten, außerdem eine der wohl schönsten und aufwendigsten Intro-Sequenzen des gesamten Genres. Allein dafür lohnt sich das Reinspielen!

Spielenswert weil: Der Filmheld Indiana Jones kann auch Spiele - und das beweist „Indiana Jones and The Last Crusade“ eindrucksvoll. Viel Humor, viele Rätsel, darunter einige echte Kopfnüsse und wunderschöne Pixellandschaften warten auf die Spieler.

Weltraumarchäologen auf Abwegen

Auch in „The Dig“ geht es um Archäologie. Allerdings stöbern Spielerinnen und Spieler hier nicht durch alte Ruinen und Wüstenlandschaften, sondern auf der Oberfläche eines Meteoriten. Der saust direkt auf die Erde zu. Ein kleines Expeditionsteam soll den gefährlichen Gesteinsbrocken sprengen und stößt dabei auf eine überraschende Entdeckung.

Mehr soll an dieser Stelle nicht verraten werden, denn „The Dig“ ist am spannendsten, wenn man nicht allzu viel über das Spiel weiß. Ursprünglich sollte zeitgleich zum Release des Spiels 1995 auch ein gleichnamiger Kinofilm veröffentlicht werden, dessen Budget dann allerdings zugunsten der Entwicklung am Spiel gestrichen wurde. Auch spannend: Star-Regisseur Steven Spielberg war als kreativer Impulsgeber Teil des Entwicklerteams von „The Dig“.

Spielenswert weil: „The Dig“ inszeniert mitten im Weltraum ein spannendes Kammertheater, in dem fünf Forscherinnen und Forscher die Hauptrolle spielen. Wendungsreich, dramatisch - und hin und wieder ausgesprochen knifflig.

Unverhofft zur Weltrettung

Eigentlich ist Simon, die namensgebende Hauptfigur in „Simon the Sorcerer“, ein ganz normaler Jugendlicher, der eines Tages aber dank eines magischen Buchs plötzlich in einer Fantasy-Welt strandet. Mit erstaunlich viel Humor erträgt Simon seine neue Rolle als Zauberer, der nun dem Oberbösewicht Sordid das Handwerk legen muss.

So schwer und episch dieser Stoff auch klingt, so bizarr und abstrus sind viele der Bewohner in dieser Welt: Da begegnen dem Spieler schon einmal sozialistische Holzwürmer mit Ambition zur Revolution, ein streikender Brückentroll und eine Prinzessin in Schweinsgestalt. Humor wird in diesem Adventure des Jahres 1993 groß geschrieben und macht „Simon the Sorcerer“ zu einem sehr kurzweiligen Abenteuer.

Spielenswert weil: Titelfigur Simon erträgt sein Schicksal mit einem sympathischen Langmut, der für viele lustige Momente und Begegnungen sorgt. Drumherum wartet ein handfestes Point'n'Click-Adventure, inklusive einfallsreicher Rätsel und wunderschön pixeligen Szenerien.

Außergewöhnliches Rätselraten

„Myst“ ist in dieser Reihe von Empfehlungen ein Sonderling: Kein klassisches Point'n'Click-Adventure, sondern vielmehr ein globales Abenteuer. „Myst“ wird aus der Ego-Perspektive und in einer dreidimensionalen Spielwelt erlebt. Spielerinnen und Spieler blicken auf statistische Szenerien, in denen einzelne Interaktionspunkte entdeckt werden müssen, die dann neue Szenen freilegen.

Klingt ein wenig trocken, verfehlt aber bis heute seine Wirkung nicht: „Myst“ kommt einem Mystery-Thriller gleich, der in einer bizarr-surrealen Welt eine spannende Geschichte erzählt. Statt Humor wartet hier der ein oder andere schaurige Gruselmoment in den verwinkelten 3D-Szenen. „Myst“ war eines der ersten auf CD-ROM veröffentlichten Spiele. Die Grafik war für damalige Verhältnisse sensationell.

Spielenswert weil: „Myst“ ist nicht unbedingt ein besonders zugängliches Spiel, belohnt aber Hartnäckige mit einer unheimlichen Geschichte, die in einer surreal anmutenden Welt spielt. Die für das Genre ungewöhnliche Ego-Perspektive, die ungewöhnlichen Klangwelten des Soundtracks und die fordernden Umgebungsrätsel sind allesamt Gründe, diesen Klassiker aus dem Jahr 1993 auch heute noch nachzuholen.

Alle Titel können über die Downloadplattformen Steam, GOG.com oder die jeweiligen Stores der Konsolen oder iOS-Geräte bezogen werden:

„Day of the Tentacle“, Double Fine Productions, für PC (Windows, Mac, Linux) PlayStation 4, PlayStation 5, Xbox 360, Xbox One, ca. 15 Euro

„Monkey Island“, Disney, für PC (Windows, Mac, Linux) PlayStation 4, PlayStation 5, Xbox 360, Xbox One, ca. 9 Euro

„Indiana Jones and the Last Crusade“, Disney, für PC (Windows, Mac, Linux), ca. 5 Euro

„The Dig“, Disney, für PC (Windows, Mac, Linux), ca. 5 Euro

„Simon the Sorcerer“, Adventure Soft / Mojo Touch, für PC (Windows, Mac, Linux), circa 9 Euro, die iOS-Version kostet knapp 5 Euro.

„Myst“, Cyan Worlds, für PC (Windows, Mac, Linux), ca. 5 Euro

„Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“ hält sich als PC-Spiel locker an die Handlung des Kinofilms, setzt aber auch einige eigene Akzente.
„Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“ hält sich als PC-Spiel locker an die Handlung des Kinofilms, setzt aber auch einige eigene Akzente.
Lucasarts/dpa-tmn
Viel Atmosphäre, komplexe Geschichte und viele Rätsel: „Myst“ war der Begründer einer ganzen Reihe von Titeln.
Viel Atmosphäre, komplexe Geschichte und viele Rätsel: „Myst“ war der Begründer einer ganzen Reihe von Titeln.
Cyan/dpa-tmn
„Day of the Tentacle“ ist teils absurd komisch und lässt Spielerinnen und Spieler in verschiedenen Zeitlinien rätseln.
„Day of the Tentacle“ ist teils absurd komisch und lässt Spielerinnen und Spieler in verschiedenen Zeitlinien rätseln.
Double Fine Productions/dpa-tmn
Kenner des gleichnamigen Kinofilms wissen: Hier geht es in „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“ gleich durch den Marmorboden in die Katakomben von Venedig.
Kenner des gleichnamigen Kinofilms wissen: Hier geht es in „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“ gleich durch den Marmorboden in die Katakomben von Venedig.
Lucasarts/dpa-tmn
„Simon the Sorcerer“ versetzt Spielerinnen und Spieler in eine lustige Welt voller seltsamer Wesen.
„Simon the Sorcerer“ versetzt Spielerinnen und Spieler in eine lustige Welt voller seltsamer Wesen.
Mojo Touch/dpa-tmn
„Myst“ war eines dieser Spiele, für die sich manche Spieler extra ihr erstes CD-ROM-Laufwerk kauften.
„Myst“ war eines dieser Spiele, für die sich manche Spieler extra ihr erstes CD-ROM-Laufwerk kauften.
Cyan/dpa-tmn
„The Secret of Monkey Island“ ist eine humorvolle Piratengeschichte und genießt Kult-Status.
„The Secret of Monkey Island“ ist eine humorvolle Piratengeschichte und genießt Kult-Status.
Lucasarts/dpa-tmn
Das ist Guybrush Threpwood, ein angehender Pirat. In „The Secret of Monkey Island“ muss er sich mit allerlei lebenden und untoten Wesen herumschlagen.
Das ist Guybrush Threpwood, ein angehender Pirat. In „The Secret of Monkey Island“ muss er sich mit allerlei lebenden und untoten Wesen herumschlagen.
Lucasarts/dpa-tmn
Es soll der Tag des lila Tentakels werden. Doch Spielerinnen und Spieler von „Day of the Tentacle“ tun alles, um das größenwahnsinnige Ding zu stoppen.
Es soll der Tag des lila Tentakels werden. Doch Spielerinnen und Spieler von „Day of the Tentacle“ tun alles, um das größenwahnsinnige Ding zu stoppen.
Double Fine Productions/dpa-tmn
Zu viel soll nicht verraten werden. Aber „The Dig“ erzählt eine spannende Geschichte von fremden Welten und ob wir da draußen im Weltall wirklich allein sind.
Zu viel soll nicht verraten werden. Aber „The Dig“ erzählt eine spannende Geschichte von fremden Welten und ob wir da draußen im Weltall wirklich allein sind.
Lucasarts/dpa-tmn
„The Dig“ sollte eigentlich auch ein Film werden, doch der Plan ging nicht auf. Das Weltraum-Abenteuer macht aber auch am Computer richtig Spaß.
„The Dig“ sollte eigentlich auch ein Film werden, doch der Plan ging nicht auf. Das Weltraum-Abenteuer macht aber auch am Computer richtig Spaß.
Lucasarts/dpa-tmn