Nahrungsmittel

Nahrungsmittel: Wie sich die Lebensmittelindustrie um gesundes Essen bemüht

Was denkt ein Hersteller von Fleisch- und Wurstspezialitäten, der ständig die Botschaft hört, dass es für die Menschen doch besser sei, nicht allzu viel von solchen Produkten zu verspeisen? Die Antwort von Ekkehard Heilemann, Geschäftsführer und Inhaber der Firma Keunecke Feinkost GmbH, ...

Von Bärbel Böttcher

Was denkt ein Hersteller von Fleisch- und Wurstspezialitäten, der ständig die Botschaft hört, dass es für die Menschen doch besser sei, nicht allzu viel von solchen Produkten zu verspeisen? Die Antwort von Ekkehard Heilemann, Geschäftsführer und Inhaber der Firma Keunecke Feinkost GmbH, überrascht.

„Ich bin auch nicht dafür, jeden Tag Fleisch zu essen“, sagt er. Der Speiseplan müsse ausgewogen sein. Gesunde Ernährung heißt für ihn: Alles in Maßen und in Einklang mit der körperlichen Beanspruchung. „Wenn ich weiß, dass mich die Kalorien anfliegen, dann muss ich mich entweder bremsen oder für einen Ausgleich sorgen“, betont der Urenkel des Firmengründers August Keunecke.

Fett als Geschmacksträger

Seit 125 Jahren gibt es den Betrieb. Die Fertig- und Feinkostgerichte sowie die Harzer Wurstspezialitäten, die heute hier produziert werden, finden sich in den Regalen und Kühltruhen vieler Supermarktketten. Damit sie aber auch in den Einkaufswagen vieler Kunden landen, sei neben dem Preis vor allem der Geschmack wichtig, sagt Heilemann. Und der komme nun mal durch Gewürze und Fett zustande. „Fett ist ein Geschmacksträger. Und eine Leberwurst, die weniger als 25 Prozent davon enthält, die schmeckt einfach nicht“, unterstreicht er.

Um das Fett kommt er also nicht herum. Aber wie ist das beispielsweise mit dem Salz? Der Lebensmittelfachmann weiß, dass die Deutschen zu viel davon verwenden. Deshalb sind er und sein Team, das in der Versuchsküche des Werkes immer neue Gerichte entwickelt, bemüht, die Rezepturen so zu optimieren, dass Salz nur in der absolut notwendigen Menge enthalten ist. Bei einigen Produkten wurde der Salzgehalt um bis zu 20 Prozent reduziert. „Aber auch das hat gewisse Grenzen“, sagt Heilemann. Salz verstärke die Wirkung der Gewürze. Werde ein bestimmtes Maß unterschritten, leide der Geschmack. Er bleibt dabei: Maß halten ist die Devise.

Der Geschäftsführer hat übrigens die Erfahrung gemacht, dass Produkte, die den Stempel „gesund“ tragen, nicht unbedingt den Zuspruch der Verbraucher finden. Vor fünf, sechs Jahren, so erzählt er, als Wellness-Produkte im Trend lagen, habe die Firma unter eben diesem Label Suppen hergestellt. Sie seien schnell auf den Markt gekommen. Inzwischen sind sie dort wieder verschwunden. „Andere Suppen, die damals gleichzeitig in den Handel kamen, produzieren wir heute noch“, sagt er.

Warum fettreduzierte Lebensmittel auf dem Rückzug sind.

 Thomas Lange bestätigt diese Tendenz. Er ist der Geschäftsführer der Agrarmarketinggesellschaft Sachsen-Anhalt und hat die rund 180 Unternehmen der Ernährungswirtschaft des Landes im Blick. Lange erinnert sich, dass Ende der 80er Jahre fettreduzierte Lebensmittel den Markt erobert und dort zeitweilig einen Anteil von ungefähr zehn Prozent ausgemacht haben. Heute seien sie auf dem Rückzug. „Sie schmecken einfach nicht.“

Firmen reduzieren Zucker- und Salzgehalt

Aber der Gesundheitsgedanke spiele bei Produzenten schon eine Rolle. Wobei sich der Verbraucher nicht täuschen lassen sollte. Lange verweist auf eine Untersuchung der Verbraucherschutzorganisation Foodwatch, wonach in Deutschland 214 Produkte mit einen Vitaminzusatz werben. 90 Prozent von ihnen hätten aber einen hohen Zucker- und Fettanteil. „Da kann trotzdem nicht von gesunden Produkten geredet werden“, sagt er. Doch die große Mehrheit der Unternehmen bemüht sich intensiv um gesündere Produkte. Die Firma Keunecke habe das Salz reduziert, andere, wie der Kekshersteller Wikana in Wittenberg, den Zucker. Viele verarbeiteten frische Produkte von regionalen Lieferanten.

Im Moment liegen vegetarische oder vegane Lebensmittel voll im Trend. Ein Zug, auf den viele Produzenten aufspringen. Die Firma LeHA - das steht für Lebensmittel-Hartung - ist allerdings nicht aufgesprungen. Sie sitzt vielmehr in der Lokomotive. Kirsten Hartung, die Chefin, hatte schon 2002 die Idee für eine laktosefreie Schlagsahne. In ihrer Familie gab es Fälle von Laktoseunverträglichkeit - aber keine entsprechenden Produkte. Also suchte die heute 45-Jährige und fand einen Produzenten in Bulgarien.

„Das war die Geburtsstunde von Schlagfix - damals noch mit einem gewissen Anteil von Milcheiweiß“, sagt Hartung. Inzwischen gibt es sie rein vegan - gesüßt, ungesüßt oder als Sprühsahne. Schlagfix wurde der Grundstock für die kleine Firma in Laucha an der Unstrut und der Markenname für inzwischen eine ganze Produktpalette: Kaffeeweißer, Margarine, Mayonnaise, Nuss-Nougat-Creme, Eis ... „Produkte, die nicht nur Veganer, sondern auch Lebensmittelallergiker und Menschen, die einfach kalorienärmer genießen wollen, schätzen“, sagt Hartung, die eigentlich Sportwissenschaften studiert hat.

Auch im Ausland begehrt

Um 30 Prozent ist das Unternehmen in den vergangenen zwei Jahren gewachsen. Die Lebensmittel finden sich bundesweit in den Supermärkten. Aber auch im Ausland sind sie begehrt. Zum Beispiel in Israel. Dabei produziert die Firma nicht selbst, sondern entwickelt lediglich neue Lebensmittel - oft gemeinsam mit der Hochschule Anhalt oder den späteren Produzenten in Deutschland, Italien und der Slowakei. Eine eigene Produktion würde sich betriebswirtschaftlich nicht lohnen.

Klar, Hartung setzt sich auch mit Kritiken auseinander: „Wir nutzen Palmöl - aber nur zertifiziertes“, betont Hartung. Dass oftmals der Regenwald weichen müsse, um die ertragreichen Palmen anzubauen beschäftige sie schon. Ein anderer Vorwurf lautet, dass in den Produkten zu viele Zusatzstoffe enthalten seien. „Aber um so ein künstliches Produkt aus Pflanzenfett und Wasser herzustellen, da braucht es nun mal Emulgatoren und Stabilisatoren“, erklärt sie. Das sei alles zugelassen und nicht gesundheitsschädlich. Und schließlich esse niemand jeden Tag Sahne.

Maß halten - das ist auch die Devise von Kirsten Hartung. Das gilt aber nur fürs Essen. Die Produktpalette soll weiter wachsen. (mz)