Rheuma

Morbus Bechterew und rheumatoide Arthritis rechtzeitig erkennen

16.11.2021, 17:01 • Aktualisiert: 16.11.2021, 17:04
Bei Verdacht auf Morbus Bechterew oder rheumatoide Arthritis sind Rheumatologen die richtigen Ansprechpartner.
Bei Verdacht auf Morbus Bechterew oder rheumatoide Arthritis sind Rheumatologen die richtigen Ansprechpartner. (Foto: Karolina Grabowska)

Rheuma ist nicht heilbar, aber gut behandelbar. Wichtig für eine erfolgreiche Behandlung ist eine möglichst frühe Diagnose. Dr. Sabine Stanglow, Chefärztin der Klinik für Rheumatologie und Immunologie am Vivantes Klinikum Spandau, erklärt die zwei häufigsten Rheumaformen.

Etwa 1,5 Millionen Menschen in Deutschland sind von einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung betroffen. Mehr als die Hälfte davon leidet an Morbus Bechterew (etwa 350.000 Betroffene) oder rheumatoider Arthritis (rund 550.000). Werden die Erkrankungen frühzeitig diagnostiziert und mit der passenden Therapie behandelt, lassen sich Spätschäden wie Fehlstellungen und Versteifungen von Gelenken verhindern. Treten typische Symptome auf, sollten sie also möglichst schnell ärztlich abgeklärt werden.

Dr. Sabine Stanglow
Dr. Sabine Stanglow
(Foto: Werner Popp)

Rückenschmerzen und geschwollene Gelenke

Morbus Bechterew betrifft vor allem die Kreuzdarmbeingelenke und die Wirbelsäule. „Typisch sind Rückenschmerzen, die in der zweiten Nachthälfte auftreten und so schlimm sein können, dass man aufwacht. Hinzu kommt eine Morgensteifigkeit, die im Laufe des Tages wieder abnehmen kann“, erklärt Dr. Sabine Stanglow. „Bei bis zu 50 Prozent der Patienten kann es auch zu Beschwerden außerhalb des Skeletts kommen. Hier ist insbesondere die Beteiligung der Augen durch eine Regenbogenhautentzündung zu nennen.“

Geschwollene Gelenke dagegen deuten auf rheumatoide Arthritis hin. Typisch ist, dass beide Körperhälften betroffen sind. Dr. Stanglow führt aus: „Häufig sind die Handgelenke sowie Grund- und Mittelgelenke der Finger befallen. Sie schwellen an und sind vor allem morgens schwer beweglich. Es können auch Schleimbeutel- und Sehnenscheidenentzündungen auftreten.“

Immunabwehr wendet sich gegen eigenen Körper

Morbus Bechterew und rheumatoide Arthritis sind Autoimmunerkrankungen. Bis heute sind die medizinischen Hintergründe nicht vollständig geklärt. „Wir wissen, dass sowohl genetische Anlagen als auch Umweltfaktoren dabei eine Rolle spielen“, sagt Dr. Stanglow. „Im Laufe der Jahre schleicht sich ein Fehler in das Immunsystem ein. Als Folge hält unsere Abwehr körpereigene Zellen und körpereigenes Gewebe für fremdartig und greift es an.“

Beide Erkrankungen sind heute gut behandelbar

Morbus Bechterew und rheumatoide Arthritis können nicht geheilt werden, lassen sich aber gut behandeln. Bei der medikamentösen Behandlung kommen unter anderem nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) zum Einsatz, die schmerzlindernd und entzündungshemmend wirken. Auch Therapien mit Biologika hemmen das Entzündungsgeschehen. „Biologika sind biotechnologisch hergestellte Eiweißsubstanzen, die gegen bestimmte entzündungsfördernde Botenstoffe des Körpers oder gegen Immunzellen gerichtet sind“, erläutert Dr. Stanglow. „Entscheidend sind regelmäßige Kontrollen der Krankheitsaktivität und Anpassung der Medikation, um einen beschwerdearmen Zustand, die sogenannte Remission, zu erreichen.“ Eine frühe Diagnose und Therapietreue sind für die Rheumatologin die entscheidenden Voraussetzungen, um Morbus Bechterew und rheumatoide Arthritis nachhaltig zu behandeln.