Symptome, Therapien

Bauchschmerzen: Erste Hilfe und wann man besser zum Arzt gehen sollte

Köln - Sie treten nach dem Essen, schleichend oder ganz plötzlich auf – die Rede ist von Bauchschmerzen. Was dahinter steckt, ist nicht immer leicht zu identifizieren.

30.07.2019, 12:55

Sie treten nach dem Essen, schleichend oder ganz plötzlich auf – die Rede ist von Bauchschmerzen. Mal sind sie drückend, dann eher stechend oder krampfartig. Was dahinter steckt, ist nicht immer leicht herauszufinden.

Neben harmlosen Schmerzen, die schnell wieder verschwunden sind, können Bauchschmerzen auch auf Entzündungen, Gallensteine oder ein Geschwür hindeuten. „Die Gründe für Bauchschmerzen sind oft sehr komplex“, sagt Magen-Darm-Ärztin Dagmar Mainz. Welche Anzeichen harmlos sind und wann man lieber einen Arzt aufsuchen sollte, verrät die Expertin im Gespräch.

Schmerzen in Bauch, Magen oder Darm – wo ist eigentlich der Unterschied?

„Schmerzen im unteren Bauch können auch von anderen Organen herrühren. Blase, Gebärmutter, Eierstöcke oder Prostata müssen dann von einem Facharzt untersucht werden. Schmerzen im oberen Bauch hängen oft mit der Gallenblase, dem Magen oder der Bauchspeicheldrüse zusammen“, sagt Mainz. Die meisten Schmerzen seien jedoch fast unmöglich zu lokalisieren, so die Ärztin.

Was ist eine gute erste Hilfe bei Bauchschmerzen?

„Bei einer Magenverstimmung oder einem Infekt helfen entblähende Tees, wie beispielsweise Fenchel oder Pfefferminze. Bei Blähungen helfen Kurkuma oder Kümmel – aber der schmeckt nicht“, sagt Mainz. 

Ab wann gehe ich mit Bauchschmerzen zum Arzt?

„Einmal im Monat Bauchschmerzen zu haben ist schon ungewöhnlich – außer, man weiß woran es liegt“, sagt Mainz. Zum Beispiel wenn gerade ein Virus im Freundes- und Bekanntenkreis herum geht oder man Lebensmittel zu sich genommen hat, die man im Allgemeinen nicht so gut verträgt.

Auch der Verzehr von viel Rohkost, oder ausgiebiger Alkohol- und Zigarettenkonsum können Beschwerden auslösen. In diesen Fällen ist es ratsam einen Tee zu trinken und abzuwarten – die Beschwerden verschwinden meist innerhalb von einem Tag von ganz alleine.

Sind die Schmerzen auf nichts Besonderes zurückzuführen und kolikartig, also sehr stark, bewegungsunabhängig und wehenartig, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Besondere Vorsicht gilt auch bei starken Schmerzen, die beim Gehen, Husten oder Lachen auftreten. Dagmar Mainz betont: „Schmerzen bei Erschütterung deuten immer auf eine Bauchfellentzündung hin. Man sollte damit sofort zum Arzt gehen – diese Symptome dulden keinen Aufschub.“

Das gilt insbesondere dann, wenn Blut in Ausscheidungen sichtbar wird. „Bei Blut im Stuhl, flüssigem schwarzen Durchfall oder blutigem Erbrechen sollte man sofort in die Notaufnahme fahren oder einen Notarzt rufen“, warnt die Ärztin.

Wenn die Bauchschmerzen weg sind, kann ich dann wieder ganz normal weitermachen oder soll ich mich noch schonen?

„Waren die Schmerzen akut, kann man gleich weitermachen. Die Darmflora regeneriert sich in der Regel von selbst“, so Mainz. Nach einer Durchfall-Erkrankung kann es aber nicht schaden, Joghurt zu essen. Hielten die Schmerzen länger an, soll man die weitere Vorgehensweise am besten mit dem Arzt absprechen. Einen geeigneten Mediziner und hilfreiche Informationen finden man beispielsweise auf der Webseite der Magen-Darm-Ärzte.

Kann ich bei Bauchschmerzen Medikamente nehmen?

Von Schmerzmitteln wie Ibuprofen rät die Ärztin erstmal ab. „Ibuprofen schädigt die Schleimhäute im Körper. Nicht nur im Magen, sondern auch im Dünn- und Dickdarm. Das sind bei Bauchschmerzen nicht die richtigen Medikamente.“ Wer etwas gegen Krämpfe tun möchte, kann auf Butylscopolaminiumbromid (ist der Hauptbestandteil von Buscopan) zurückgreifen.

Grundsätzlich gilt: Mal eine Tablette gegen die Schmerzen zu nehmen ist völlig okay – sollten die Beschwerden dadurch allerdings nur kurzfristig oder gar nicht besser werden oder sich sogar verstärken, sollte man die Ursache abklären lassen.

Erste Hilfe für drei häufige Bauchweh-Ursachen

Verstopfung

Bis zu drei Tage ohne Stuhlgang sind laut Mainz noch völlig in Ordnung. Wer häufiger an Verstopfung oder zusätzlich an Unwohlsein leidet, sollte nach den Ursachen suchen. Zu diesen zählt die allgemeine (vielleicht zu ungesunde) Lebensweise und mangelnde Bewegung.

Die Expertin rät: Wer akut an Verstopfung leidet sollte viel trinken und Flohsamenschalenpulver zu sich nehmen. Vollkorn-Produkte, Obst mit Schale, Olivenöl oder Buttermilch können den Darm ebenfalls anregen und die Verstopfung lösen.

Durchfall

Wer nur manchmal oder nach bestimmten Mahlzeiten unter Durchfall leidet, kann es einmal mit Weizenkleie zu den Mahlzeiten versuchen, diese verfestigten den Stuhl. Wichtig ist das Ausgleichen des Flüssigkeitsverlusts – am besten mit stillem Wasser. Bei anhaltendem Durchfall oder wenn Blut im Stuhl ist, sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden.

Sodbrennen

Sodbrennen weist oft auf eine Störung am Mageneingang hin. Auch Übergewicht begünstigt das Problem, weil das Bauchfett von unten gegen den Magen und das Zwerchfell drückt. Das für Sodbrennen charakteristische Brennen kann sich in Mund, Hals oder klassischerweise hinter dem Brustbein bemerkbar machen.

Wenn der Magen nach einem üppigen Essen zu voll ist, sollte man sich am besten bewegen – das hilft bei der Entleerung des Magens. Auch ein Glas Wasser oder die Einnahme von Heilerde kann schnelle Hilfe verschaffen. Die Expertin warnt davor, gleich nach dem Essen ein Nickerchen zu machen oder sich hin zu legen – das könne die Beschwerden noch verschlimmern.

Ernährung für einen gesunden Bauch

Grundsätzlich rät Dagmar Mainz zu einer ausgewogenen Ernährung mit Vollkornprodukten, viel Gemüse, Salat und Fisch und wenig rotem Fleisch. Der Verzicht auf Zigaretten und mäßigem Genuss von Alkohol helfen zusätzlich dabei, Magen und Darm gesund zu halten. Außerdem sollte Übergewicht vermieden werden.

„Wichtig ist, dass man sich bei möglichen Problemen nicht einseitig ernährt und auf alles verzichtet. Im Zweifelsfall sollte man keine Eigenversuche machen und gängige Intoleranzen wie Laktose und Fruktose ganz einfach beim Arzt testen lassen“, so Mainz.